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Bundesregierung hebt Wachstumsprognose für 2020 an – trotz steigender Corona-Fallzahlen

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In seinem Herbstausblick korrigiert das Wirtschaftsministerium seine Erwartungen an das Bruttoinlandsprodukt. Ein Grund zur Entwarnung ist das allerdings nicht.

Der Minister hatte angesichts des starken Anstiegs der Infektionszahlen bereits im Vorfeld die Wachstumsprognose für das kommende Jahr relativiert. Foto: dpa
Der Minister hatte angesichts des starken Anstiegs der Infektionszahlen bereits im Vorfeld die Wachstumsprognose für das kommende Jahr relativiert. Foto: dpa

Trotz der steigenden Corona-Infektionszahlen hebt die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose leicht an. In diesem Jahr rechnet das Bundeswirtschaftsministerium in der neuen Herbstprognose mit einem Einbruch der Bruttoinlandsprodukts von 5,5 Prozent. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Anfang September hatte das Haus von Minister Peter Altmaier (CDU) noch ein Minus von 5,8 Prozent vorhergesagt.

Die Rezession bliebe damit in diesem Jahr knapp unterhalb der Rekordmarke von minus 5,7 Prozent im Jahr 2009 im Zuge der globalen Finanzkrise. Für 2021 erwartet die Bundesregierung weiterhin eine spürbare Erholung und bleibt bei ihrer bisherigen Vorhersage von plus 4,4 Prozent. Die Bundesregierung orientiert sich damit stark an der Prognose der führenden Wirtschaftsinstitute von vor zwei Wochen.

Ein Gutteil des Einbruchs aus dem Frühjahr sei nach der kräftigen Konjunkturerholung im Sommer wieder aufgeholt, hieß es. Daher könne die Prognose für dieses Jahr leicht angehoben werden.

Der Aufholprozess dürfte angesichts des Pandemieverlaufs in wichtigen Handelspartnerländern aber noch einige Zeit andauern. Auch wird der Aufschwung durch die neuen Corona-Restriktionen in jenen Branchen, die in besonderem Maße auf soziale Kontakte angewiesen sind, gebremst. Das Vorkrisenniveau des Bruttoinlandsprodukts dürfte erst zu Beginn des Jahres 2022 wieder erreicht werden.

Altmaier hatte angesichts des starken Anstiegs der Corona-Infektionszahlen bereits im Vorfeld die Wachstumsprognose für das kommende Jahr relativiert. Die positiven Konjunktureinschätzungen für 2021 stünden „natürlich unter dem Vorbehalt, dass es uns gelingt, die hohen Infektionszahlen wieder zu senken“, so der CDU-Politiker.

Grundlage für nächste Steuerschätzung

Die zuletzt rasant steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen drückt die Stimmung in deutschen Unternehmen. Im Oktober fiel das Ifo-Geschäftsklima im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Punkte auf 92,7 Punkte und damit stärker als erwartet. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 93,0 Punkte gerechnet.

Auch nach Einschätzung der Bundesbank wird die deutsche Wirtschaft im laufenden Vierteljahr ihre Erholung zwar fortsetzen, „dabei jedoch eine erheblich langsamere Gangart einlegen“.

Das Bundeswirtschaftsministerium wird am Mittwoch offiziell die Herbstprognose vorlegen. Sie ist Grundlage für die nächste Steuerschätzung im November.

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