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Brysch: Effiziente Teststrategie des Gesundheitsministers überfällig

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BERLIN (dpa-AFX) - Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hält es für überfällig, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine effiziente Corona-Teststrategie für die Altenpflege vorlegt. Brysch sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Über die Hälfte der Corona-Toten lebten in einem Pflegeheim. Hier wohnt die Risikogruppe auf engstem Raum zusammen. Deshalb ist es überfällig, dass der Gesundheitsminister eine effiziente Teststrategie für die Altenpflege auf den Weg bringt." Auch sei es gut, Pflegekräfte und Angehörige in das Konzept einzuschließen.

In Deutschland gibt es nach seinen Angaben vier Millionen pflegebedürftigen Menschen, 900 000 leben in Heimen. "Doch Corona-Tests schützen nicht vor dem Virus. So sind weiterhin ein Hygienegrundschutz und eine funktionierende Kontaktdokumentation notwendig. Nur so ist jederzeit nachvollziehbar, wer mit wem zu tun hatte", forderte Brysch. Das gelte für Pflegebedürftige genauso wie für Pflegekräfte. Schließlich hätten sich die meisten Mitarbeiter untereinander angesteckt und nicht an Pflegebedürftigen.

Spahn sei gefordert, über das Robert Koch-Institut (RKI) verbindliche Leitlinien auf den Weg zu bringen. "Denn der Infektionsgrundschutz und die Freiheitsrechte der Heimbewohner müssen in Einklang gebracht werden." Den Betreibern zu viel Spielraum zu geben, führe oft zu Grundrechtseinschränkungen in den 12 000 Heimen. "Pflegebedürftige einzusperren ist kein Konzept."

Alten- und Pflegeheime sollen ab dem 15. Oktober flächendeckend Coronatests durchführen, um Bewohner, Personal und Besucher besser vor dem Virus zu schützen. Das geht aus einem Referenten-Entwurf für eine Nationale Teststrategie hervor, mit dem Spahn den Einsatz von Corona-Tests in Deutschland regeln will. Der 23-seitige Entwurf, der dem "Spiegel" vorliegt, sieht ähnliche Regelungen für Krankenhäuser, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Arzt- und Zahnarztpraxen, Dialyseeinrichtungen, Praxen humanmedizinischer Heilberufe sowie ambulante Pflegedienste vor.

Werde in solchen Einrichtungen eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt, habe jeder, der in den vorangegangenen zehn Tagen dort anwesend gewesen sei, Anspruch auf einen Test. Ziel sei es, besonders gefährdete Personen besser zu schützen, heißt es in dem Entwurf.