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Brenntag startet Sparprogramm – Aktienkurs steigt kräftig

·Lesedauer: 3 Min.

Der MDax-Konzern kommt stabil durch die Coronakrise, will aber nach dem zurückliegenden Expansionskurs schlanker werden. 1300 Stellen fallen weg.

Das Unternehmen will sich schlanker aufstellen. Foto: dpa
Das Unternehmen will sich schlanker aufstellen. Foto: dpa

Der weltgrößte Chemikalienhändler Brenntag startet die nächste Stufe seines Konzernumbaus. In den kommenden Jahren sollen 1300 von 17.500 Stellen weltweit gestrichen und 100 Standorte aufgegeben werden, teilte der im MDax notierte Konzern am Dienstag mit. Bis zum Jahr 2023 soll damit eine Stärkung des operativen Gewinns von jährlich 220 Millionen Euro erreicht werden.

Das Essener Unternehmen reagiert mit dem Sparprogramm allerdings nicht auf mögliche Einbrüche im Zuge der Corona-Pandemie. Brenntag steckt die Krise bisher gut weg und hat im zweiten Quartal 2020 den operativen Gewinn sogar noch auf 276 Millionen Euro gesteigert. Im vergangenen Jahr kam der Konzern auf einen Umsatz von 12,8 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von rund einer Milliarde Euro.

Die nun verkündeten Schritte sind vielmehr Teil des Umbauplans, mit dem der seit Januar amtierende CEO Christian Kohlpaintner den Konzern verschlanken will. Brenntag ist Weltmarktführer in der Chemiedistribution. Das Unternehmen kauft Chemikalien in großen Mengen und vertreibt sie in kleineren Mengen verbunden mit Dienstleistungen an kleine und mittelgroße Abnehmer. Weltweit haben die Essener rund 195.000 Kunden.

Seit Jahren fährt Brenntag einen ambitionierten Expansionskurs, kauft alle paar Monate kleinere lokale Händler in aller Welt auf und integriert sie ins eigene Vertriebsnetz. So ist der Konzern stark gewachsen – vor zehn Jahren lag der Umsatz erst bei 7,6 Milliarden Euro. Die operative Rendite stagnierte in diesem Zeitraum bei annähernd acht Prozent.

Mehr Fokus auf organisches Wachstum

CEO Kohlpaintner ist dies zu wenig. Er will mehr Ertrag und Wachstum aus dem Geschäft herausholen und die Größenvorteile besser nutzen, die Brenntag als Weltmarktführer hat. „Um unser Potenzial voll auszuschöpfen, müssen wir schlanker und effizienter werden“, sagt er. Dabei setzt der Vorstandschef an dem weit verzweigten Netz an, das durch die zahlreichen Zukäufe der vergangenen Jahre auf 640 Standorte angewachsen und komplex geworden ist.

Nun sollen Standorte zu regionalen Zentren zusammengefasst und besser ausgelastet werden. Dabei geht es vor allem um die Logistik. Der Stellenabbau wird vorwiegend das Ausland treffen, in den neuen Regionalzentren werden Verwaltungsaufgaben wie Personal oder Qualitätssicherung zusammengelegt. Aber auch an den deutschen Standorten werden 200 Jobs entfallen. Betriebsbedingte Kündigungen will Brenntag vermeiden.

Den Übernahmekurs der vergangenen Jahre wird der Brenntag-Chef nicht zurückdrehen, denn die Branche ist weiterhin sehr kleinteilig und wird sich weiter konsolidieren. Hauptgründe dafür sind aus Sicht der Analysten der Baader Bank die zunehmende Digitalisierung und die immer striktere Regulierung der Chemiebranche, die kleineren Distributionsfirmen das Geschäft erschwert.

Kohlpaintner aber legt den Fokus zugleich auf organisches Wachstum durch mehr Kundenfokus. Brenntag wird dazu vom kommenden Jahr an in zwei neuen Geschäftsbereichen geführt: „Essentials“ wird für das Massengeschäft mit Prozesschemikalien verantwortlich sein, „Specialties“ wird Endkunden aus Pharma, Kosmetik, Ernährung, Lacken oder Bau bedienen.

An der Börse kommt der Strategiewechsel des neuen CEOs bisher gut an. Der Kurs ist im Zwölf-Monatsvergleich um knapp 18 Prozent gestiegen. Am Dienstagmorgen legte die Aktie um fünf Prozent auf 56,70 Euro zu. Das avisierte Einsparvolumen von 220 Millionen Euro sei höher als erwartet, kommentierte die Baader Bank. Die Analysten sehen gute Chancen für Brenntag, da im Zuge der Coronakrise wohl weitere Chemiefirmen ihren Vertrieb auslagern werden.