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Blackrock findet Nachfolger für Friedrich Merz

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Der Vermögensverwalter hat einen neuen Mann für die Spitze des Aufsichtsrats gefunden. Der frühere Dekabank-Chef Michael Rüdiger ersetzt Friedrich Merz.

Blackrock hat einen neuen Mann für den Top-Aufsichtsratsjob in Deutschland. Michael Rüdiger, ehemaliger Chef des Sparkassen-Fondsdienstleisters Dekabank, folgt auf Friedrich Merz.

Der CDU-Politiker hatte im März seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender niedergelegt. Er bewirbt sich um den CDU-Parteivorsitz. Während Merz stark in die Politik hineinwirkte, wird auch Rüdiger als Aufsichtsratschef der Blackrock Asset Management AG eine weiter gefasste Rolle übernehmen und das deutsche Management-Team unter der Leitung von Dirk Schmitz strategisch beraten.

Der 56-jährige Rüdiger tritt ein schweres Amt an, da sein Vorgänger die Messlatte sehr hoch gelegt hat. Merz war beim größten Vermögensverwalter Blackrock sehr geschätzt gewesen, auch vom New Yorker Chef Larry Fink.

Er sorgte auch für eine größere Bekanntheit des Vermögensverwalters in Deutschland, der mehr als sechs Billionen Dollar managt. In Diskussionen verteidigte er sein Unternehmen gegen Kritik über den zunehmenden Einfluss von börsennotierten Indexfonds auf die Aktienkurse. Der New Yorker Konzern ist der größte Anbieter weltweit in diesem Segment.

Nach dem Abgang von Merz hatte Blackrock mit Hochdruck nach einer „bekannten Persönlichkeit“ gesucht, die den Führungskräften beim Fondsriesen in Deutschland hilft, ihre Geschäfte auszubauen und Türen zu öffnen, wie es bereits beim Ausscheiden von Merz hieß.

Dies ist Blackrock mit Michael Rüdiger offenbar gelungen. Mit dem eloquenten Manager, der seine Worte immer sorgfältig abwägt und vorsichtig ist, haben Leute um Management-Teamleiter Schmitz eine Top-Person mit besten Kontakten in die Finanzbranche und die Industrie gewonnen.

Nach den Erfahrungen mit Merz, den es zuletzt immer wieder in die Politik zog, was zeitweise auch für Verärgerung sorgte, wurde eine „Persönlichkeit ohne politischen Hintergrund gesucht“, wie es in Finanzkreisen heißt. Ehemalige Weggefährten trauen Rüdiger den neuen Job zu.

Blackrock ist seit mehr als 25 Jahren in Deutschland verankert. Das Unternehmen verwaltet rund 120 Milliarden Dollar im Auftrag deutscher Kunden und beschäftigt über 150 Mitarbeiter in Frankfurt und München.

Kein Unternehmen in Deutschland kann es wagen, die Meinung von Blackrock zu ignorieren: Bei Siemens etwa ist der Vermögensverwalter mit einem Anteil von gut 5,6 Prozent der größte Aktionär. So ist das auch bei vielen anderen Firmen der Fall. Nach Daten der Finanzaufsicht Bafin hält die US-Fondsgesellschaft zum Beispiel am Immobilienkonzern Vonovia etwas mehr als 7,6 Prozent, an der Deutschen Bank sind es knapp 5,2 Prozent.

Ex-Chef der Dekabank

Viele Vorstände der Unternehmen kennt Rüdiger aus seiner Zeit bei der Dekabank persönlich. Teilweise stammen die Kontakte noch aus seiner Zeit als Manager bei der Schweizer Großbank Credit Suisse, bei der er das Geschäft in Zentraleuropa leitete.

Davor arbeitete der Ex-Banker in leitenden Funktionen bei Allianz Asset Management und UBS. Rüdiger sitzt heute sowohl im Aufsichtsrat der Deutschen Börse als auch in dem des Spezialchemiekonzerns Evonik. Als langjähriger Verfechter einer stärkeren Aktienkultur in Deutschland war er Mitglied in zahlreichen Branchengremien und -räten. Dieses Herzensanliegen kann er in seiner neuen Funktion weiter vorantreiben.

Vorschusslorbeeren konnte der Ex-Banker bereits ernten, was ihm seine Arbeit aber nicht leichter machen wird. „Die Berufung einer Führungspersönlichkeit wie Michael Rüdiger mit einer solch umfassenden Erfahrung in der deutschen Finanzbranche spricht für die Bedeutung, die wir unserem Engagement für unsere deutschen Kunden und unserem hiesigen Geschäft beimessen, und für die Chancen, die wir in diesem Land sehen“, sagte Rachel Lord, Leiterin von Blackrock in der Region Europa, Naher Osten und Afrika.

Doch Rüdiger kann mit Druck und hohen Erwartungen umgehen, wie er bei der Dekabank unter Beweis stellte. Der ehemalige Banklehrling, der seine Ausbildung bei einer Raiffeisenbank machte, ist immer wieder für eine Überraschung gut.

Seinen Wechsel zu Deka im November 2012 hatte niemand auf dem Zettel, so ist es jetzt auch bei Blackrock. Der frühere Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon wollte damals einen Neuanfang bei der Dekabank machen und suchte eine unverbrauchte Persönlichkeit.

Ein Neuanfang ist bei Blackrock zwar nicht möglich und nötig, aber es wird eine neue Handschrift beim Aufsichtsratsvorsitz gesucht. Das gilt insbesondere auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit, die Chef Larry Fink als sein herausragendes Konzernziel vor gut 100 Tagen ausgerufen hat.

Der Investmentprozess bei Blackrock wird gerade umgebaut. Das ist die neue Herausforderung für Rüdiger, der eigentlich nach seiner Zeit bei der Dekabank in einem speziell nach seinen Anforderungen gebauten Camp-Mobil auf große Reise gehen und in der Welt touren wollte. Diese Pläne darf er erst einmal verschieben.