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Blackrock-Ökonomin über Lagarde: „Sehr gut durch die Krise gesteuert“

·Lesedauer: 3 Min.

Elga Bartsch hält es für nebensächlich, dass EZB-Chefin Christine Lagarde keine Ökonomin ist. Ihre politische Erfahrung sei dagegen sehr wichtig.

Die 54-jährige Elga Bartsch leitet seit zwei Jahren das Makro-Research des Blackrock Investment Institute (BII), zu dessen Führungs- und Beraterkreis einige frühere Topnotenbanker gehören.

Frau Bartsch, als Christine Lagarde die Nachfolge von Mario Draghi antrat, gab es Bedenken, weil sie keine Ökonomin ist. Haben sich die Vorbehalte bestätigt?
Es kommt doch weniger darauf an, ob man hochtheoretische makroökonomische Modelle in der Freizeit selbst noch einmal nachrechnen kann. Wichtiger sind Führungsqualitäten und die Fähigkeit, den EZB-Rat zu einigen. Der Präsident der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, ist auch kein Ökonom. Er und Lagarde haben ihre Zentralbanken sehr gut durch diese Krise gesteuert.

Beide haben politische Erfahrung. Wie wichtig ist das?
Sehr wichtig, wir sind ja in einer Situation, wo die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik immer stärker verschwimmen.

Wie unterscheidet sie sich von ihrem Amtsvorgänger Mario Draghi?
Sie hat sich zu einem kollegialeren Führungsstil verpflichtet, der mehr auf interne Debatten setzt. Dazu gehört, dass sie versucht, den Rat nach außen zu repräsentieren und weniger die eigene Meinung in den Vordergrund zu stellen. In ihrem Verständnis der Rolle als EZB-Präsidentin ähnelt sie, glaube ich, eher Jean-Claude Trichet, der sich als eine Art Sprecher des EZB-Rats verstanden hat.

Die Entscheidung für das Krisenprogramm PEPP war im EZB-Rat umstritten. Fehlt es dort schon wieder an Geschlossenheit?
Konsens ist vor allem entscheidend, wenn es um grundsätzliche Instrumente wie das Anleihekaufprogramm PEPP geht. Natürlich kann es unterschiedliche Meinungen geben, ob man ein Instrument mehr oder weniger nutzt.

Es gab auch Debatten über mögliche Meinungsunterschiede zwischen Lagarde und Chefvolkswirt Philip Lane.
Diese Debatten halte ich für weit hergeholt. Philip Lane prägt ja als Chefvolkswirt die Diskussionen im EZB-Rat stark mit. Aus meiner Sicht wäre aber durchaus zu überlegen, ob er nicht auch in der Pressekonferenz sitzen sollte. In anderen Ländern ist es zum Teil auch so. In Schweden beispielsweise hält der Notenbankchef die Pressekonferenz gemeinsam mit dem Abteilungsleiter für Geldpolitik ab.
Was spricht dafür?
So ließe sich dem Eindruck vorbeugen, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Außerdem geht es in der Pressekonferenz hauptsächlich um geldpolitische und volkswirtschaftliche Themen. Philip Lane könnte zum Beispiel auch Fragen zu den Wachstums- und Inflationsprognosen beantworten.

Lagarde ist wegen missverständlicher Äußerungen in Pressekonferenzen kritisiert worden. Zu Recht?
Wenn man sich ihre Vorgänger anguckt, würde ich keinesfalls sagen, dass es im ersten Jahr mit Christine Lagarde mehr Missverständnisse gab als normal. In der schwierigen aktuellen Situation hätte auch deutlich mehr schiefgehen können.

Ein Thema, das Christine Lagarde besonders betont, ist der Kampf gegen den Klimawandel. Bürdet sich die EZB nicht zu viel auf?
Nein, das glaube ich nicht. Preisstabilität ist ihr primäres Ziel, aber die weiteren Ziele des Mandates sind ja ganz klar die Unterstützung der Politik der EU. Dazu gehört natürlich auch der Klimawandel. Dieser hat schließlich erhebliche Rückwirkungen auf das Finanzsystem.
Aber ist Klimaschutz nicht Aufgabe der Politik?
Die Vorgaben, was Europa beim Klimaschutz anstrebt, müssen von der EU kommen und nicht von der EZB. Aber es ist doch selbstverständlich, dass die EZB berücksichtigt, was diese Vorgaben für die Umsetzung ihrer Geldpolitik bedeuten.

Frau Bartsch, vielen Dank für das Gespräch.