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Warum das bisherige Krankenhaussystem unnötige Operationen begünstigt – und wie Lauterbach dagegen vorgehen will

In Deutschland werden viele Operationen auch deshalb durchgeführt, weil sie lukrativ für unterfinanzierte Krankenhäuser sind. - Copyright: gorodenkoff via Getty Images
In Deutschland werden viele Operationen auch deshalb durchgeführt, weil sie lukrativ für unterfinanzierte Krankenhäuser sind. - Copyright: gorodenkoff via Getty Images

In Deutschland wird unnötig viel operiert. Zu dieser Erkenntnis kommen seit Jahren verschiedene Studien und Untersuchungen. Dabei sind Eingriffe auch immer mit einem Risiko verbunden und können zu gefährlichen Komplikationen führen. Doch warum operieren die Krankenhäuser zu viel und was will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dagegen unternehmen?

Wie finanziert sich ein Krankenhaus?

Im Kern erhält ein Krankenhaus seine finanziellen Mittel aus drei Töpfen. Zum einen werden sie durch Steuermittel der Bundesländer finanziert. Sie sind für Neubauten, medizinische Gerät und Betten verantwortlich. Einen kleinen Teil machen zudem private Zahlungen aus. Ein Großteil ihrer Gelder erhalten die Krankenhäuser von den Krankenkassen. Dazu gehören neben den Pflegekosten auch die Fallpauschale.

Was ist die Fallpauschale?

Um es kurzzufassen: Die Fallpauschale klärt, wie viel Geld ein Krankenhaus für bestimmte medizinische Behandlungen und Eingriffe erhält. In ihr sind Kosten für Medikamente oder künstliche Gelenke sowie ärztliche Leistungen enthalten. Für die Fallpauschale und Pflegekosten sind keine Höchstgrenzen festgelegt. Wer mehr Leistung erbringt, erhält auch mehr Geld durch die Krankenkassen.

Warum wird in Deutschland unnötig viel operiert?

Das Leistungssystem der Fallpauschale schafft Fehlaanreize. Da Krankenhäuser mehr Geld für Operationen als konservative Behandlungen erhalten, kommen viele Patienten unnötig unters Messer. Patienten werden dadurch Gefahren ausgesetzt, die vermeidbar sind. In manchen Fällen kommt es trotz Operation zu keiner Linderung der Leiden. Medizinisches Personal, das ohnehin rar ist, wird durch zu viele Operationen vereinnahmt und kann nicht dort eingreifen, wo es benötigt wird.

Wie viele Operationen sind unnötig?

Als Beispiel: Das Berliner IGES Institut kam zu der Erkenntnis, dass jährlich 70.000 Schilddrüsenoperationen durchgeführt werden. Nur bei zehn Prozent der Eingriffe liege allerdings ein bösartiger Befund vor, wie die Bertelsmann Stiftung berichtet. Bei nichtbösartigen Befunden gebe es auch alternative Behandlungsmethoden außer Operationen. Wendy Levinson, Gründerin von Choosing Wisely International, einem Ärzteverbund, der sich gegen Überversorgung einsetzt, geht davon aus, dass "30 Prozent der medizinischen Leistungen in westlichen Industrieländern auf Überversorgung entfallen".

Welche Rolle spielen die Bundesländer?

Krankenhäuser sind dabei meist nicht auf den größtmöglichen Gewinn aus, sondern schlichtweg unterfinanziert. Und das liegt auch an den Bundesländern. Der Bundesrechnungshof schreibt, dass die Bundesländer ihre Investitionen in Krankenhäuser seit Jahren "nur unzureichend" erfüllen, wie die "Tagesschau" berichtet. In den vergangenen 30 Jahren sind die Investitionen sogar gesunken anstatt gestiegen – trotz höherer Kosten und Inflation. Das zeigt auch die Investitionsquote der Bundesländer, welche mittlerweile nur noch bei knapp drei Prozent liegt.

Was will Lauterbach nun unternehmen?

Zum einen wird immer wieder gefordert, dass Krankenhäuser schließen, da es zu viele von ihnen mit unzureichender Qualität gebe. Anstatt auf Quantität zu setzen, sollen so Ressourcen gebündelt werden, um qualitativ hochwertige Einrichtungen zu stellen. Auch das Vergütungssystem der Krankenhäuser und die Fallpauschale sollen überarbeitet werden, damit medizinische Einrichtungen die richtigen Anreize haben.

Nach den Vorschlägen einer Regierungskommission zur Krankenhausversorgung sollen die Kliniken stattdessen in Zukunft nach drei neuen Kriterien honoriert werden: Vorhalteleistungen, Versorgungsstufen und Leistungsgruppen. Die geplante Reform solle in den kommenden Jahren einen Schwerpunkt seiner Arbeit bilden und stelle "eine Revolution im System" dar, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag.

Mit Material der DPA