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Die großen Ölkonzerne rutschen von einer Krise in die nächste

Witsch, Kathrin
·Lesedauer: 4 Min.

Kaum eine Branche wurde von der Corona-Pandemie härter getroffen als die Öl- und Gasindustrie. Jetzt muss sich einiges ändern, denn ein Zurück zu alter Größe gibt es nicht.

Die Hochzeiten der Ölnachfrage nähern sich ihrem Ende.  Foto: dpa
Die Hochzeiten der Ölnachfrage nähern sich ihrem Ende. Foto: dpa

Für die Öl- und Gaskonzerne dieser Welt war 2020 das schlimmste Jahr in ihrer Geschichte. Allein in den ersten neun Monaten des abgelaufenen Jahres haben Shell, Exxon Mobil, Chevron, BP und Total ein Minus von insgesamt 36,4 Milliarden Dollar verbucht.

Zum Vergleich: Im Jahr 2019 stand unter dem Strich noch ein Gewinn von knapp 50 Milliarden Dollar.

Mit der Corona-Pandemie war im März 2020 die Ölnachfrage weltweit eingebrochen und der Rohölpreis stark gefallen. Aber auch schon vor der Pandemie herrschte ein Überangebot an fossilen Rohstoffen. Knapp 60 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs entfallen immerhin auf den Transportsektor.

Der abrupte Nachfrageeinbruch hat den Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI zwischenzeitlich sogar ins Minus rutschen lassen. Und dass sich die Ölnachfrage nach der Pandemie wieder komplett erholen wird, glauben mittlerweile noch nicht einmal mehr die Ölkonzerne selbst.

Vor der Pandemie prognostizierten die meisten Experten das Ende des Ölzeitalters erst in 30 Jahren. „In der modernen Energiegeschichte gab es noch nie einen absoluten Nachfragerückgang der fossilen Rohstoffe. Das ändert sich jetzt“, verkündete dann allerdings BP-Chefökonom Spencer Dale im September, inmitten der Krise.

Einige der Auswirkungen der Corona-Pandemie würden wahrscheinlich anhalten, beispielsweise die Arbeit von zu Hause aus – und „das wird Spuren hinterlassen“, sagte Dale. „Die Pandemie könnte die Wende von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien beschleunigen“, schreiben die BP-Experten in ihrem alljährlichen Energy Outlook.

Und zwar so massiv, dass in einem der drei Szenarien des Berichts der Höhepunkt des Öl-Booms sogar schon heute erreicht sein könnte.

Eine Rückkehr zu der Zeit vor Corona würde es somit nicht geben. Stand BP anfangs mit dieser These in der Branche noch weitgehend allein da, haben mittlerweile fast alle Ölkonzerne eingelenkt und rechnen mit dem Ende des Öl-Booms zumindest bis 2030. Für die erfolgsverwöhnte Branche heißt das aber auch, dass sie ihre Strategie deutlich schneller umstellen muss als bislang gedacht – weg vom Öl, hin zu Gas und Erneuerbaren.

Und zumindest die europäischen Granden treten nun die Flucht nach vorn an. Während US-Rivalen wie Exxon Mobil und Chevron weiter auf fossile Energien wetten, geben sich Shell, BP, Total, Equinor und Eni geläutert, stellen Klimaziele auf und wollen mehr Geld in den Ausbau von Erneuerbaren stecken. Der Ernst der Lage scheint den meisten klar. Das ist kein Greenwashing mehr. Die Konzerne richten ihr Kerngeschäft neu aus.

Die radikalsten Ziele hat sich überraschenderweise der ewige Nachzügler BP gesteckt. Bis 2030 sollen die Investitionen in erneuerbare Energien schrittweise auf fünf Milliarden Dollar pro Jahr wachsen. So will der Konzern innerhalb der nächsten zehn Jahre 50 Gigawatt grünen Strom produzieren und gleichzeitig seine Öl- und Gasproduktion um 40 Prozent senken. Bis 2030 sollen 25 Milliarden Dollar an fossilen Projekten abgeschrieben werden.

Auch Shell zieht das Tempo an und macht Deutschland zu einer Art Testobjekt für den Umbau des Weltkonzerns: Mehr Wasserstoff, mehr Windenergie und mehr Ladesäulen will Shell anbieten. „2050 werden wir hier in Deutschland keine fossilen flüssigen Brennstoffe mehr verkaufen“, kündigte Shell-Deutschlandchef Fabian Ziegler an.

Auch der norwegische Konzern Equinor hat sich ähnliche Ziele gesetzt. Bei der Förderung von Öl und Gas auf dem Heimatmarkt will Equinor bis 2050 klimaneutral werden. Der Ausstoß von Treibhausgasen solle bis 2030 um 40 Prozent und bis 2040 um 70 Prozent zurückgehen, verspricht das Unternehmen.

Aktivistischen Investoren reichen die Ankündigungen der Ölmultis nicht

Vorreiter unter den Ölkonzernen dürfte allerdings die französische Total sein. Der Pariser Ölmulti investiert schon länger kräftig in wichtige Zukunftsmärkte wie Solar, Wind, Elektromobilität oder Wasserstoff und plant, bis 2025 mehr als 25 Gigawatt Bruttoerzeugungskapazität für erneuerbare Energien aufzubauen.

Die nordamerikanische Ölbranche ist im Gegensatz zu ihrer europäischen Konkurrenz allerdings noch nicht einmal ansatzweise auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Durch die starke Unterstützung für den fossilen Energiesektor seitens US-Präsident Donald Trump in den vergangenen vier Jahren zeigen Exxon, Chevron oder Conocophillips keinerlei Ambitionen, ihren europäischen Wettbewerbern nachzueifern. Und wegen des künftigen Präsidenten Joe Biden mache man sich nicht allzu große Sorgen, hat die US-Ölindustrie bereits verlautbaren lassen.

Vielen Klimaschützern und aktivistischen Investoren reichen die Ankündigungen der Ölmultis, egal ob aus Europa oder Nordamerika, ohnehin nicht. Denn die Öl- und Gasförderung soll trotzdem weiterlaufen und in den nächsten Jahren auch immer noch den Hauptteil der Investitionen kassieren. Ob sich das Erbe von Big Oil so retten lässt, ist zu bezweifeln. Eine Überlebensgarantie gibt es in Zukunft auf jeden Fall nicht mehr.