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Was Besitzer von Elektroautos bei der Versicherung beachten müssen

Mit höheren Zuschüssen fördert der deutsche Staat den Kauf von Elektrofahrzeugen. Sie benötigen allerdings einen besonderen Versicherungsschutz.

Höhere Fördergelder sollten Elektroautos auf Deutschlands Straßen endlich zum Durchbruch verhelfen. Das war der Plan, als die Europäische Kommission Ende Februar die von der Bundesregierung geplante Erhöhung der Zuschüsse für E-Autos durchwinkte.

Dann aber kam Corona, Produktion und Verkauf von Elektroautos standen still. Seit Ende April ist der Verkauf wieder möglich, auch die Produktion läuft wieder an. Und die Politik diskutiert sogar über noch höhere Kaufprämien für Elektroautos.

Aktuell erhalten Neuwagen-Käufer bis zu 6000 Euro Prämie beim Kauf eines rein elektrisch betriebenen Autos. Das sind 2000 Euro mehr als vor der Erhöhung der Kaufprämie im Februar. Auch für Plug-in-Hybride, also die Kombination aus Verbrenner und Elektroantrieb, wurde die Förderung um 50 Prozent auf bis zu 4500 Euro aufgestockt.

Und weil die Hersteller in diesem Jahr auch ihre Modellpalette deutlich ausbauen, soll endlich Bewegung in das Thema Elektromobilität kommen. Ab dem Jahresende haben potenzielle Käufer rund 150 Modelle zur Auswahl – alle großen Autobauer werden dann einen Hybrid oder ein Elektroauto im Angebot haben.

Grundsätzlich müssen sie wie Autos mit konventionellen Verbrennungsmotoren versichert werden. „Unsere Versicherungsbedingungen sind so gebaut, dass sie alle unterschiedlichen Formen des Antriebs schon heute und in Zukunft gut einschließen können“, sagt Axel Theis, der für den Bereich zuständige Vorstand beim Versicherer Allianz.

Doch während sich bei den Grundvarianten um Haftpflicht, Teil- und Vollkasko sowie bei den Einstufungen der Versicherer in Typ- und Regionalklassen nichts von der gewohnten Police unterscheidet, ergeben sich bei den Details spürbare Differenzen. Die hängen im Wesentlichen mit der Batterie eines E-Autos zusammen, die sehr viel teurer ist als der Motor beim Verbrenner.

Damit ist auch ihr Anteil am Gesamtwert des Fahrzeugs weitaus höher. „Beim BMW i3 kostet der Austausch der Batterie rund 16.000 Euro“, berichtet Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer beim Allianz Zentrum für Technik (AZT). Bei solch wertvollen Komponenten sei es wegen ihrer herausragenden Bedeutung nötig, dass dafür neue Regelungen geschaffen werden.

Unterschiede im Detail

Dabei muss die Batterie keinesfalls separat versichert werden. Als fester Bestandteil des Autos gehört sie in der Regel zum Gesamtpaket der Kfz-Versicherung. Allerdings nur, wenn eine Kaskoversicherung abgeschlossen ist. Die verlangen die Händler aber obligatorisch, da die allermeisten neuen E-Autos geleast oder finanziert werden.

Anders ist es in dem Fall, wenn Fahrzeug und Batterie separat finanziert oder geleast werden. Renault und Nissan haben diese Variante seit Jahren im Angebot. Die Franzosen bieten ihr Erfolgsmodell Zoe so im Moment ab 99 Euro im Monat an, die Batterie gibt es ab 74 Euro dazu. „Wenn die Batterie separat geleast wird, gibt es eine gewisse Komplexität, weil die Bank im Schadensfall als weiterer Geschädigter mit dabei ist“, beobachtet Allianz-Experte Lauterwasser. In der Praxis habe das allerdings noch nie zu Problemen geführt.

Eher ist es in einem solchen Fall der Schaden an sich, der eine besondere Vorgehensweise erfordert. Diese kann wegen hoher Kosten auch die Versicherungsbeiträge nach oben treiben. Das beginnt beim Abschleppen über die anschließende Lagerung des Fahrzeugs und eine mögliche Reparatur bis hin zur Entsorgung bei einem Totalschaden.

Problematisch ist etwa die derzeit übliche sogenannte thermische Entsorgung der Batterie bei einem beschädigten E-Auto. Weil von dem Fahrzeug eine erhöhte Brandgefahr ausgeht, muss die Batterie in einem eigenen Transportbehälter verschlossen und tagelang gekühlt werden. Ein spezielles Vorgehen ist auch beim Abladen in der Werkstatt nötig, wo teilweise bis zu neun Stellplätze um das Fahrzeug herum als Sicherheitszone für den Fall gebraucht werden, dass das Auto in Flammen aufgeht. Zudem lassen sich Batterien zwar bereits recyclen, doch wegen der geringen Stückzahlen gibt es dafür noch keinen Markt.

Bisher wenig Angebote

Denn noch immer ist die Zahl der voll- oder teilelektrischen Fahrzeuge in Deutschland überschaubar. Von den rund 47 Millionen Autos insgesamt waren zum Jahreswechsel nur 136.617 vollelektrisch unterwegs, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Anfang März mitgeteilt hat.

Das Plus von 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr zeigt jedoch, dass die Zulassungszahlen eine klare Tendenz nach oben zeigen. Ähnlich ist die Entwicklung bei den teilelektrischen Autos, bei denen die Zulassungen um 58 Prozent auf fast 540.000 Autos nach oben ging.

Schutz fürs Zubehör

Davon gehören jedoch nur über 102.000 Fahrzeuge zu den geförderten Plug-in-Hybriden, die über ein Ladekabel mit Strom versorgt werden. Von dem Ziel von einer Million Elektroautos, das sich die Bundesregierung bis in zwei Jahren gesetzt hat, sind diese Zahlen aber immer noch ein ganzes Stück entfernt.

Wichtig ist für künftige E-Autobesitzer allerdings auch der Schutz für Zubehör wie Ladekabel sowie für häusliche Ladestationen. Hier kann es beispielsweise bei einem Blitzschlag zu teuren Schäden durch Überspannung kommen. Die Experten der Huk-Coburg raten deshalb zum Baustein „Kasko plus“. Damit sind dann auch Schäden durch ein mögliches Entzünden in der eigenen Garage abgedeckt. Steht das Fahrzeug dagegen in einem solchen Fall in einer fremden oder angemieteten Garage, dann übernimmt die Kfz-Haftpflicht die Kosten.

Unterschiede zwischen E-Autos und herkömmlichen Verbrennern zeigen sich auch, wenn es tatsächlich mal kracht. „Bei E-Autos ist die Schadenshäufigkeit etwas geringer, etwa bei 80 Prozent im Vergleich zum Durchschnittsfahrzeug“, beobachtet AZT-Chef Lauterwasser. Dafür liegen allerdings die Kosten höher.

Über die Gründe für weniger Unfälle bei E-Autos können die Experten im Moment nur spekulieren. So erreichen diese Fahrzeuge zum einen nicht die Höchstgeschwindigkeit wie Verbrenner, zum anderen werden sie meist nur für kurze und mittlere Strecken benutzt, oft sogar nur im Stadtverkehr.

Zudem werden E-Autos so gut wie gar nicht gestohlen. Unter den Top 50 der meistgeklauten Autos befindet sich laut Branchenverband GDV kein einziges reines Elektrofahrzeug, lediglich fünf Hybrid-Modelle von Toyota sind darunter. Womöglich schrecken die geringen Reichweiten reiner E-Autos potenzielle Diebe ab. Stattdessen stehen auf den ersten acht Plätzen nur SUV, angeführt vom Mazda CX-5 2,2 D über den BMW X6M und den Toyota RAV4 Hybrid 2,5.

Für die Höhe der Versicherungsprämien ist es dagegen unerheblich, ob ein E-Auto oder ein Verbrenner auf der Police eingetragen ist. Entscheidend ist in beiden Fällen das Risiko, für das das entsprechende Modell steht. Trotzdem nutzen manche Versicherer die Gelegenheit, um sich als besonders aufgeschlossen dem Neuen gegenüber zu positionieren. Der Berliner Direktversicherer Verti, der zur spanischen Mapfre-Gruppe gehört, gewährt beispielsweise einen Nachlass von zehn Prozent für E-Autos, die Huk-Coburg und die Allianz bieten einen Preisvorteil von 20 Prozent. Und auch bei der Kfz-Steuer profitieren E-Autofahrer. Wer hier noch bis zum Jahresende einen Kaufvertrag abschließt, fährt zehn Jahre steuerfrei.