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Berlin lässt globale Rohstoffhändler an staatlichen Garantien mitnaschen

(Bloomberg) -- Folgen Sie uns auf @BBGaufDeutsch für Bloomberg-Nachrichten in deutscher Sprache.

Der russische Einmarsch in der Ukraine hat einen weltweiten Wettlauf um Ressourcen ausgelöst und bewegt die Bundesregierung zunehmend, Rohstoffimporte mit staatlichen Garantien abzusichern. Neben Metallen rücken auch Energieprodukte in den Fokus. Von dem deutschen Wirtschaftsförderinstrument profitieren würde auch ein Unternehmen in Singapur.

Trafigura, der weltgrößte Kupferhändler, hat sich bereits verpflichtet, deutsche Kunden in den nächsten fünf Jahren mit bis zu 500.000 Tonnen Nichteisenmetallen zu beliefern. Dafür erhält das im asiatischen Stadtstaat ansässige Unternehmen Garantien für Ungebundene Finanzkredite (UFK) über 800 Millionen Dollar (811 Millionen Euro), für die letztlich der deutsche Steuerzahler bürgt. Trafigura hat im ersten Halbjahr dank der Verwerfungen auf den Rohstoffmärkten einen Nettogewinn von 2,7 Milliarden Dollar eingefahren, wird aber keine der Zufallsgewinnsteuern entrichten müssen, die Berlin Krisenprofiteuren auferlegt.

Wie zu hören ist, ist das Handelshaus derzeit in Verhandlungen mit der Regierung über ein ähnliches Geschäft für Flüssigerdgas (LNG). Und Rohstoffbanker werben bei anderen Händlern für weitere Deals, die ebenfalls staatliche Garantien beinhalten würden.

Nach Jahren der starken Abhängigkeit von Russland bei der Versorgung mit Öl, Gas und Metallen versucht die Bundesregierung nun die gesamte deutsche Energiepolitik neu auszurichten. So dringend ist die Angelegenheit, dass Berlin auch Steuergelder einzusetzen bereit ist, selbst wenn davon verstärkt private und hochprofitable ausländische Rohstoffhändler profitieren.

Die Geschäfte “zeigen, dass den Industrieländern langsam klar wird, dass strategische Beschaffung wichtig ist”, so Jean-Francois Lambert, der ein Beratungsunternehmen für Rohstoffhandel und strukturierte Finanzierungen leitet. “In diesen Zeiten, in denen man Flexibilität oder Wendigkeit braucht, wendet man sich an die Handelshäuser und nirgendwo sonst hin. Andere europäische Regierungen werden anfangen müssen, in dieselbe Richtung zu denken.”

“Wenn Deutschland es nicht schafft, sich Rohstoffimporte mit solchen Instrumenten zu sichern, werden das ganz einfach die Chinesen, Japaner oder die USA abgrasen”, sagt Martin Wedig von der Fachvereinigung Auslandsbergbau (FAB). Er ist überzeugt, dass viele Unternehmen sich nun für das Programm interessierten und noch mehr kommen werde.

Ziel des bereits seit 1961 bestehenden Programm -- die sogenannten Garantien für ungebundene Finanzkredite -- sei es, die Versorgungssicherheit Deutschlands mit Rohstoffen zu erhöhen, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums auf Anfrage. Die Regierung sei im kontinuierlichen Dialog mit der Wirtschaft, ob das Instrument weiterentwickelt werden könne. Details nannte er nicht. Trafigura lehnte eine Stellungnahme ab.

Die UFK-Garantien werden über die Euler Hermes AG vergeben - eine Exportkreditsparte der Allianz SE - und wurden in der Vergangenheit verwendet, um deutschen Unternehmen Investitionen in die Ressourcenentwicklung im Ausland zu erleichtern. Aber die jüngsten Deals bieten auch nicht-deutschen Händlern Kreditgarantien für die direkte Beschaffung von Rohstoffen.

Das dürfte auch zu Kontroversen führen. “Vereinbarungen mit ausländischen Rohstoffhändlern leisten keinen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung unserer Versorgungssicherheit”, erklärt der CDU-Wirtschaftsexperte Stefan Rouenhoff. Vielmehr sei es die Aufgabe der Bundesregierung, die Industrie beim direkten Zugang zu Rohstoffvorkommen im Ausland politisch und finanziell besser zu unterstützen.

Überschrift des Artikels im Original:Germany Backstops Commodity Traders as War Drives Resource Dash

--Mit Hilfe von Kamil Kowalcze.

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