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An den Börsen ist keine Beruhigung in Sicht

Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA hat die Aktien auf Achterbahnfahrt geschickt. Das bleibt auch so. Hinzu kommt der Einfluss der Geldpolitik.

Ein Aktienhändler sitzt vor seinen Monitoren, auf denen er die Kursentwicklung an den Devisenmärkten verfolgen kann. Foto: dpa

Von einem entspannten Jahresauftakt ist an den Weltbörsen derzeit wenig zu spüren. Und die meisten Analysten gehen davon aus, dass dies vorerst auch so bleiben wird. Wie im vergangenen Jahr beherrschen auch 2020 die Maßnahmen der US-Regierung und der US-Notenbank Fed das Geschehen. Ausgelöst durch die gezielte Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani im Auftrag der US-Regierung dominierte erneut die Angst das Börsengeschehen der ersten Handelstage.

Das sorgte für eine auffällig große Schwankungsbreite vieler Kurse, heißt es bei der Weberbank. In direkter Reaktion sei der Ölpreis um über acht Prozent in die Höhe geschossen, da Risiken bezüglich der Ölversorgung eingepreist wurden. Denn neben der irakischen Ölproduktion in Höhe von ca. vier Millionen Fass am Tag treibe die Marktteilnehmer auch die Furcht um, dass der Iran die Öltransporte durch die Straße von Hormus behindern könnte.

Durch diese Meeresenge am Persischen Golf werden rund 17 Millionen Fass pro Tag oder 17 Prozent der globalen täglichen Ölnachfrage transportiert. Ein höherer Ölpreis würde im weiteren Verlauf die Wirtschaft belasten, und somit reagierten auch die Aktienmärkte mit Kursverlusten.

US-Börsen können Rekorde nicht halten

Doch gegen Ende der Woche behielten wieder die Optimisten die Oberhand – alle Ängste vor neuen politischen Spannungen und konjunkturellen Rückschlägen konnten aber nicht zerstreut werden. Sein zwischenzeitliches Zwei-Jahres-Hoch von 13.548 Punkten konnte der deutsche Leitindex Dax am Freitag nicht halten. Er schloss 0,1 Prozent im Minus bei 13.483 Zählern, blieb damit aber auf Tuchfühlung mit seinem Rekordhoch vom Januar 2018. Der EuroStoxx50 bröckelte auf 3791 Stellen ab.

Nach einem Rekordlauf haben sich die New Yorker Börsen zum Wochenschluss mit leichten Kursverlusten ins Wochenende verabschiedet. Händler erklärten die Abschläge mit Gewinnmitnahmen. Im späten Geschäft hätten Börsianer Kasse gemacht, sagten Marktteilnehmer. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,5 Prozent tiefer bei 28.823 Punkten.

Die US-Arbeitsmarktdaten fielen mit einem Stellenzuwachs von 145.000 zwar schwächer aus als gedacht. Gleichzeitig blieb aber auch der viel beachtete Anstieg der Löhne mit 0,1 Prozent im Monatsvergleich hinter den Prognosen zurück. Angesichts der Aussicht auf eine weiterhin moderate Inflation stehe die Fed unter keinerlei Druck, die Zinsen anzuheben, sagte Scott Brown, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Raymond James, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Zinssenkung sei aber auch nicht zu erwarten. Hierauf spekulieren jedoch einige Börsianer.

Bewertungen rücken in den Fokus

Der Aktienmarkt sei derzeit wie ein Schaufenster beim Juwelier: nicht ganz billig, aber attraktiv, meinen die Weberbank-Experten. Die Aktienmärkte würden durch die weiter auskömmliche Liquiditätsbereitstellung der Notenbanken unterstützt. So kauft die US-Notenbank weiterhin kurzlaufende Staatsanleihen im Volumen von monatlich 60 Milliarden Dollar und die europäische Zentralbank Anleihen im monatlichen Gegenwert von 20 Milliarden Euro.

Da die Gewinnschätzungen im letzten Jahr bei steigenden Kursen jedoch deutlich zurückgegangen seien, befänden sich die Aktienbewertungen zu Beginn dieses Jahres auf im Vergleich zum Vorjahr erhöhtem Niveau. Da sei es verständlich, dass die Aktienmärkte sehr nervös auf jegliche Art von Ereignissen reagierten, die die konjunkturelle Entwicklung gefährden könnten, meint die Weberbank.

Robert Greil, der Chef-Stratege bei Merck Finck Privatbankiers, rechnet mittel- bis langfristig mit fiskalpolitischen Hilfestellungen der Regierungen, wenn die lockere Geldpolitik der Zentralbanken immer weniger bringt. „Bevor die Zentralbanken also vollends in die Handlungsunfähigkeit rutschen, werden ihnen die Staaten mit spürbaren Konjunkturprogrammen zur Seite springen.

In den USA und in Großbritannien haben die jeweiligen Regierungschefs gerade in diesem Jahr großes politisches Interesse daran, umfassende fiskalpolitische Stimuli auf den Weg zu bringen. Auch in Deutschland bröckelt der Widerstand gegen schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme“, sagt Greil.

Bis zum Ende des Jahrzehnts würden die wichtigsten Industrieländer weltweit signifikante haushaltspolitische Maßnahmen auf den Weg gebracht haben, um ihre jeweiligen Volkswirtschaften zu stützen. Viele Regierungen können die Konjunkturmaßnahmen – wie auch Deutschland – nutzen, um den Wandel des nationalen Wirtschaftssystems hin zu mehr Nachhaltigkeit voranzutreiben.