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Auto-Fintech Bezahl.de erhält 22 Millionen Euro von Paypal – und plant Expansion

Sie wollen Bezahl.de in neue Märkte bringen: CFO Markus Wolf (v. l.) und die Gründer Lasse Diener und Ulrich Schmidt. - Copyright: NX Technologies
Sie wollen Bezahl.de in neue Märkte bringen: CFO Markus Wolf (v. l.) und die Gründer Lasse Diener und Ulrich Schmidt. - Copyright: NX Technologies

„Wir werden keine kleine deutsche Firma bleiben“: Diese Ansage machte Lasse Diener, Gründer vom Kölner Fintech Bezahl.de, vor mehr als einem Jahr im Interview mit Gründerszene. Damals noch in einem beliebigen Konferenzraum des Weworks am Friesenplatz im belgischen Viertel in Köln. Dann, drei Monate später, sammelten Diener und sein Co-Gründer Ulrich Schmidt rund elf Millionen vom New Yorker Wagniskapitalgeber Motive Partners für ihr Startup NX Technologies ein, das hinter ihrer Bezahlplattform steht. Seitdem ist viel passiert: Nicht mal 150 Meter entfernt haben die Kölner mit ihrem Team, das inzwischen auf 130 Mitarbeiter gewachsen ist, ihr erstes eigenes Büro bezogen. Und auch sonst stehen die Zeichen auf Wachstum.

Gestern wurde bekannt, dass die Gründer in ihrer Serie-B-Finanzierung rund 22 Millionen Euro eingesammelt haben. Als Leadinvestor beteiligte sich Paypal Ventures, der Investmentarm des gleichnamigen US-Bezahldienstes – ein ziemlich dicker Fisch in der Finanzbranche. Und genau diesen Namen wollen Diener und Schmidt für ihre Plattform Bezahl.de, die den Zahlungsverkehr im Autohandel digital abwickelt, nun nutzen. Damit sie eben „keine kleine deutsche Firma“ bleiben. „Am Ende ist Paypal die erfolgreichste Fintech-Story, die man kennt“, sagt Lasse Diener im Gespräch mit Gründerszene.

Momentan würden die Kölner vor allem mit Autohändlern zusammenarbeiten. „Dass Autohersteller zunehmend in den Direktvertrieb einsteigen, ist kein Geheimnis. Auch hier wollen wir die Zahlungsabwicklung managen – da hilft es natürlich, einen so globalen Player an Bord zu bekommen“, so der Gründer. Ein anderer Punkt sei auch das Timing gewesen. Paypal habe den Funding-Prozess „gut mitgezogen“. Neben dem US-Riesen gingen die Runde der spanische Fonds Seaya Ventures, der europäische VC Walter Ventures, der zum kanadischen Vermögensverwalter Walter Group gehört, und der bestehende Investor Motive Ventures mit. Insgesamt hat NX Technologies damit bereits 38 Millionen Euro Risikokapital aufgenommen.

Gründer wollen mit neuem Namen in europäischer Auto-Industrie vordringen

Noch in diesem Jahr wollen Diener und Schmidt in europäische Märkte gehen. Im Fokus stünden dabei SEPA-Länder, also die Nationen mit dem Euro als anerkanntes Währungsmittel. Dabei wollen sich die Gründer an ihren Kunden orientieren. In Italien, Spanien und Frankreich hätten sie etwa schon Händler gewonnen. Insgesamt zählt das Startup rund 130 Kunden mit mehr als 1100 Standorten. Laut dem Gründer würden „nahezu alle Händlerverbände“ – ob Volkswagen, BMW, Mercedes, Audi, Renault, Toyota, Kia oder Ford – ihr Tool für die Abwicklung von Bezahlungen empfehlen.

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Der Name „Bezahl.de“ soll in den kommenden Wochen noch einen internationaleren Anstrich bekommen. Trotzdem findet Diener: „Es war richtig, Bezahl.de zu Beginn als Namen zu nutzen, weil eine deutsche Marke in Deutschland gut funktioniert. Für die europäische Expansion bereiten wir gerade etwas vor.“

Fintech kümmert sich um Zahlungsverkehr zwischen Auto-Händlern und Kunden

Ein Auto so unkompliziert kaufen und bezahlen wie eine neue Handtasche – so lässt sich die Idee hinter Bezahl.de im Kern zusammenfassen. Anstatt, dass Händler nach dem Verkaufsabschluss Rechnungen händisch erstellen und an Kunden verschicken müssen, wickelt die Plattform von NX Technologies den gesamten Prozess digital – ähnlich zu dem eines Onlineshops – ab. Das spare Zeit und Geld: Den Gründern zufolge hätten Autohändler zuvor „zwei Drittel ihrer Marge im Backoffice verbrannt“.

Heute läuft es so: Kunden bekommen per Mail eine Zahlungsaufforderung, gelangen über einen Link zu einem Check-out-Prozess. Dort wählen sie ihre Zahlungsart: Ob per virtueller Kreditkarte, Paypal oder in Raten. Dafür arbeitet das Kölner Startup mit anderen Banken wie Unicredit und Finanzdienstleistern wie Tink und Adyen zusammen. Für Käufer, die lieber bei der Übergabe vor Ort zahlen wollen, stellt NX Technologies in Autohäusern zudem Selfservice-Terminals „wie bei Ikea“ bereit, alternativ geht auch die Bezahlung mit dem Handy. Für die Nutzung der Plattform zahlen Händler eine monatliche Gebühr pro Standort. Wird ein bestimmtes Zahlungsvolumen überschritten, fallen pro Transaktion weitere Gebühren an.

Bunte System-Landschaft bei Autohändlern erschwerte einheitliches Bezahlverfahren

Zwar werden Autos in Online-Shops von Händlern oder auf Online-Plattformen wie Auto1 schon lange verkauft, wie woanders Sofas und Waschmaschinen. Trotzdem läuft die Bezahlung oft noch analog bei der Übergabe ab – oder Kunden überweisen im Vorfeld. Lasse Diener hat eine Erklärung dafür: „Der Autohandel ist geprägt von einer fragmentierten System-Landschaft.“ Während es im klassischen E-Commerce-Geschäft – mit den größten Anbietern Salesforce und Shopify – insgesamt relativ wenig Systeme gebe, sei das im Autohandel anders. Dazu der Gründer: „Im Autohandel, obwohl es vom Außenumsatz deutlich größer ist als E-Commerce, benutzt VW andere Rechnungssysteme als zum Beispiel ein BMW-Händler, und innerhalb dieser Gruppe nutzen die einzelnen Händler auch nochmal andere Systeme.“ Deswegen hätten sich laut Diener bisher wenige Payment-Anbieter in den Markt vorgewagt.

„Wir waren die ersten Verrückten, die gesagt haben, wir knacken den Code und schaffen einen neuen Standard“, so Diener. Das war im Jahr 2018. Dass im Autohandel neben großen Beträgen, etwa beim Verkauf der Limousine für 30.000, auch kleine Summen, zum Beispiel bei Reparaturen in der Werkstatt, abgewickelt werden, erschwere es zusätzlich, einheitliche Bezahllösungen zu etablieren. Zumal sich das Verkaufsgeschehen vom physischen Autohaus mehr in den digitalen Raum verlagere. „Das ist ein bunter Blumenstrauß“, meint Diener. Den Prozess über Bezahl.de zu automatisieren und für verschiedene ERP-Systeme kompatibel zu machen, sei ein „Pain“ gewesen, erklärte der Gründer in einem früheren Gespräch mit Gründerszene.

Neben neuen Märkten wollen Diener und Schmidt auch ihr Produkt weiter erschließen. Zusätzlich zur Sofortzahlung wollen die Kölner im Check-out-Prozess demnächst anbieten, eine digitale Finanzierung in Form von Kfz-Krediten abzuschließen oder auch eine Kfz-Versicherung einzugehen. Bereits jetzt würden Kunden die Ratenzahlung im Werkstatt-Bereich laut Diener rege annehmen. Händler könnten so zudem eine Leistung mehr verkaufen, ohne viel Papierkram verwalten zu müssen.

Bezahl.de nicht profitabel: "Bewusste Entscheidung"

Noch ist das Kölner Fintech nicht profitabel. Dabei ziehen Investoren Profitabilität als zunehmend wichtiges Kriterium bei ihren Investmententscheidungen heran. Dazu Diener: „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nicht profitabel zu sein.“ Bisher hat den Kölnern ihr Fokus auf weiteres Wachstum nicht geschadet – anders als vielen anderen Fintechs, die im Zuge der Kapitalkrise von Investoren abgestraft wurden. Zuletzt traf es etwa das Berliner Finanz-Startup Elinvar oder den Luxus-Kreditkarten-Anbieter Xpay, die sich insolvent melden mussten. Diener beruft sich darauf, „ein signifikantes Geschäft aufgebaut“ zu haben und dass Investoren an ihr wachsendes Business glauben würden. Dass der Autohandel wächst, dürfte den Kölnern zusätzlich in die Karten spielen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden im Jahr 2023 insgesamt 2,84 Millionen Neuwagen zugelassen. Über Umsätze spricht CEO Diener grundsätzlich nicht. Er verrät nur so viel: Pro Monat würden sie „deutlich mehr“ als 600 Millionen Euro Plattform-Volumen managen.

Ihr Bezahlungs-Tool soll dabei nicht ausschließlich der Automobil-Branche vorbehalten sein. Zwar gehe NX Technologies bisher „nicht proaktiv“ auf andere Branchen zu. Perspektivisch wollen die Gründer aber auf ein breites Kundenportfolio setzen. Mit anderen Unternehmenskunden, darunter etwas der Kölner Photovoltaik-Anbieter Wegatech, würden sie bereits zusammenarbeiten. Auch Unternehmen aus der Möbelindustrie und dem Gesundheitswesen, zum Beispiel Beauty-Kliniken, die ebenfalls große Summen verrechnen, seien potenzielle Kunden für Bezahl.de.