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Aufseher, Anleger, Greta: Elon #bitcoin Musk zeigt allen den Mittelfinger

Reimer, Hauke
·Lesedauer: 6 Min.

Tesla-Chef Elon Musk treibt den Bitcoin-Kurs mit allem, was er an Instrumenten zur Verfügung hat. Die Szene jubelt, aber der Deal ist gleich dreifach angreifbar.

Ich gebe es zu, ich habe ein paar hundertstel Bitcoin. Spielgeld. Gekauft vor Weihnachten, bei 19.000 Euro, jetzt fast doppelt so viel wert. Noch. Den letzten Schub für Bitcoin gab es, als E-Autobauer Tesla am Montag meldete, die Firma habe Bitcoin für 1,5 Milliarden Dollar gekauft. Acht Prozent der flüssigen Mittel: Denn laut letztem Quartalsbericht hatte Tesla gut 19,38 Milliarden Dollar Cash auf der Bank.

Würde ich knapp acht Prozent meines Geldes in Bitcoin stecken? Eben.

Es ist reine Spekulation, könnte aber trotzdem ein gutes Geschäft für Tesla-Gründer Elon Musk werden. Auch dank seines persönlichen Einsatzes ist der Bitcoin-Kurs noch stärker gestiegen als der der Tesla-Aktie, die nun wahrlich richtig kräftig aufgeblasen wurde.

Musk hatte Ende Januar den Hashtag #bitcoin zeitweise in sein Twitter-Profil aufgenommen und Bitcoin in einem Talk auf der In-Plattform Clubhouse kräftig gepusht. Zuletzt lobte er allerdings vor allem die Gaga-Währung Dogecoin auf Twitter – während seine Finanzmenschen wohl schon Bitcoin kauften – ein nettes Ablenkungsmanöver. Die US-Börsenaufsicht SEC dürfte jetzt dennoch prüfen, ob Tesla, als Musk sich für Bitcoin starkmachte, schon Bitcoin gekauft hatte. Dann hätte Musk den Markt manipuliert und als größter Tesla-Aktionär profitiert, auf dem Papier jedenfalls. Weil es nur um unregulierte Bitcoin und nicht um Aktien geht, dürfte bei der Nummer aber ähnlich wenig herauskommen wie bei früheren Untersuchungen gegen Musk.

„Es gibt so viele Elemente in dieser Geschichte, die Aufmerksamkeit verdienen“, schrieb am Dienstagmorgen Neil Wilson vom Londoner Broker markets.com an seine Kunden. Wohl wahr. Neben der möglichen Marktmanipulation stellt sich die Frage, mit wessen Geld Musk da eigentlich zockt.

„Hätte Musk als reichster Mensch der Welt selbst Geld in die Hand genommen, wäre das seine Sache“, schreibt mein Kollege Christof Schürmann in seinem wöchentlichen Brief an die Abonnenten der BörsenWoche: „Doch Musk hat die anderthalb Milliarden aus der Kasse von Tesla genommen. Und die hat er nicht einmal erwirtschaftet mit seinen Autos. Vielmehr stammt das Geld von seinen Aktionären. Erst im Dezember hatte er sich über eine Kapitalerhöhung fünf Milliarden Dollar besorgt – die dritte Frischzufuhr innerhalb eines Jahres.“ Damals hatte Musk gesagt, er brauche das Geld für die Expansion von Tesla. Die 1,5 Bitcoin-Milliarden fallen dafür jetzt erst mal weg. Bleibt abzuwarten, was die Investoren sagen, die vor lauter Musk-Bewunderung nicht vergessen haben, dass sie eigentlich in einen Elektrobauer investieren wollten, nicht in Bitcoin.

Geldregen aus Zertifikaten

Die 1,5 Milliarden lassen sich aber auch noch anders verorten. Letztlich ist es Geld seiner Konkurrenten, das ihm der Staat verschafft hat. Aus dem Quartalsbericht auf Seite 5 geht hervor, dass Tesla im vergangenen Jahr 1,58 Milliarden Dollar aus sogenannten „regulatory credits“ eingenommen hat, 166 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ohne diese Summe hätte Tesla den ausgewiesenen Nettogewinn von 721 Millionen Euro komplett knicken können. Diese regulatory credits werden staatlich vergeben und funktionieren wie Emissionszertifikate. Autobauer müssen in Kalifornien und einigen anderen US-Bundesstaaten bestimmte Co2-Emissionsstandards für alle von ihnen produzierten Fahrzeuge einhalten. Wer das nicht schafft, riskiert enorme Geldstrafen – um die zu vermeiden, kaufen sie anderen Autobauern, die sehr saubere Autos produzieren, deren credits ab.

Für Tesla ist das eine feine Sache. Da Tesla nur Elektrofahrzeuge baut, hat das Unternehmen weit mehr solcher credits, als es zur Erfüllung der gesetzlichen Mindestanforderungen benötigt. Hauptabnehmer von Tesla ist Fiat Chrysler. Hübsch für Tesla: Ein Dollar Umsatz über Gutschrift von credits sind ein Dollar Gewinn, da Tesla keinerlei Kosten dafür hat. Weniger hübsch ist das unter Umweltgesichtspunkten.

Ökoprämie fließt in Stromfresser

1,5 Milliarden Dollar, die Tesla kassiert, weil seine Autos – wenn sie mit Ökostrom gefahren werden – kein Co2 ausstoßen, steckt Tesla also in Bitcoin, den größten Stromfresser überhaupt. Das dürfte nicht im Sinne der Erfinder der regulatory credits sein. „Tatsächlich wird zum Herstellen von Bitcoins massiv Rechenleistung benötigt, die laut dem Online-Magazin Digiconomist fast 14 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs von Deutschland entspricht. Das Gros davon stammt aus nicht erneuerbaren Energien,“ schreibt dazu unser Silicon-Valley-Korrespondent Matthias Hohensee - ein Sündenfall für alle Sympathisanten von Fridays for Future und deren Ikone Greta Thunberg, die 2019 mit einem von Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger gesponserten Tesla 3 durch die USA tourte.

Zu unterstellen, Musk investiere, um Bitcoin am Ende sauberer zu machen, nun ja, das wäre schon ein ziemlicher Vertrauensvorschuss gegenüber dem Tesla-Gründer. Wahrscheinlicher scheint doch, dass Tesla am Ende mit einem hübschen Spekulationsgewinn wieder aussteigt. Zocken eben.

Dimensionen wie in der Finanzkrise

Matthias Hohensee macht noch ein anderer Punkt Sorgen, nämlich dass Musk wohl auf den Rat des Mannes gehört hat, der die Dot.com-Blase im Jahr 2000 mit aufgepumpt und dann zum Platzen gebracht hat: Microstrategy-Gründer Michael Saylor. Der hatte Musk öffentlich empfohlen, bei Tesla von Dollar auf Bitcoin umzuschichten. Microstrategy, eine Softwarefirma mit einer halben Milliarde Dollar Umsatz, hat Bitcoin für knapp 1,2 Milliarden Dollar gekauft, die jetzt mehr als doppelt so viel wert sind. „Sind die jetzt noch ein Softwareunternehmen oder ein Bitcoin-Hedgefonds“, fragt Hohensee: „Solange alles nach oben geht, wird sich kein Anleger beklagen. Aber was, wenn Leute wie Hedgefonds-Manager Jim Chanos recht behalten und Bitcoin nur ein Schneeball-System ist?“

Jim Chanos, der die Spekulationsblasen etwa beim US-Energieriesen Enron und bei Wirecard früh erkannte und erfolgreich dagegen wettete, hat mit seinen Spekulationen gegen Tesla viel Geld verloren – und warnt weiter vor Bitcoin.

Neben Tesla hat ja auch Paypal angekündigt, Bitcoin zu kaufen. „Wenn das Schule macht, frage ich mich, ob wir wieder bei einer Situation wie 2008 landen könnten. Wo der Steuerzahler einspringen muss, damit das System nicht zusammenbricht“, fragt Hohensee. Eine Gefahr, die schnell real werden könnte, jedenfalls dann, wenn man nur auf die reinen Zahlen schaut. Alle Bitcoin weltweit sind 723 Milliarden Dollar wert. Ethereum kommt auf 165 Milliarden, den Rest der vielen Tausend Kryptowährungen kann man mehr oder weniger vergessen. Zum Vergleich: Ende Januar 2009 , nach dem Höhepunkt der Finanzkrise, hatten Finanzinstitute weltweit 520 Milliarden Dollar auf faule Kreditpapiere (ABS, CDOs, Unternehmenskredite, Hypotheken) abgeschrieben. Ausgegeben hatten die führenden westlichen Banken solche Giftpapiere im Gesamtwert von 1,4 Billionen Dollar. Bitcoins sind keine Peanuts mehr. Erwachsen oder gar etabliert wirkt die Kryptowährung aber auch noch nicht - ein Grund vermutlich dafür, warum Musk so von ihr fasziniert ist.

Mehr zum Thema: Tesla-Chef Elon Musk investiert 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoins. Hätte er selbst Geld in die Hand genommen, wäre das seine Sache. Doch es ist das Geld anderer Leute.