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2020 dürfte für Dax-Anleger schwieriger werden als 2019

Für die Aktienmärkte weltweit und auch für den deutschen Leitindex geht ein gutes Jahr zu Ende. Vom Allzeithoch ist der Dax nur noch wenig entfernt.

2019 war ein Spitzenjahr für den Dax. Foto: dpa

Es ist bislang die positivste Jahresbilanz seit 2012: Der Dax hat seit Januar 26,3 Prozent zugelegt. Besser als 2012 dürfte es allerdings nicht werden. Damals legte der Dax auf Jahressicht etwas mehr als 29 Prozent zu.

Geholfen hatte den Börsen vor sieben Jahren vor allem der damalige Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi. Er kündigte als Reaktion auf die Euro-Krise an, alles in der Macht der Notenbank stehende zu tun, um den Euro zu retten. Es folgte eine beispiellose Geldflut mit Zinssenkungen und Anleihekäufen.

Auch in diesem Jahr hat die EZB viel getan, um die Märkte zu stützen. Das Anleihekaufprogramm, das eigentlich beendet worden war, hat die EZB wieder aufgenommen, den Einlagenzins hat sie gesenkt. Und nicht nur sie. Auch die US-Notenbank und viele andere Zentralbanken lockerten ihre Geldpolitik.

Das gab den Börsen einen Schub – trotz sinkenden Wirtschaftswachstums und politischer Querelen rund um Themen wie den Handelsstreit und den Brexit. Für ein 29-prozentiges Jahresplus dürfte es dennoch nicht mehr reichen, denn in Deutschland wird am Montag nur noch einen halben Tag lang gehandelt. Mit der Schlussauktion um 14 Uhr endet das Börsenjahr.

Das Rekordhoch hatte der Dax am 23. Januar 2018 mit 13.597 Punkten markiert. Diesen Wert dürfte er in diesem Jahr wohl nicht mehr erreichen. Am Freitag schloss der Dax mit 13.337 Zählern und einem leichten Plus von 0,27 Prozent.

Handelsumsätze sinken

Weiter geht es in Frankfurt erst wieder am 2. Januar. Der erste Handelstag im neuen Jahr könnte durchaus positiv verlaufen. Der Grund: In den USA läuft der Handel auch noch an Silvester. Die Vorzeichen dafür sind gut und könnten auch dem deutschen Aktienmarkt weiteren Schwung geben.

Dazu kommt: Die Umsätze an den Börsen sind rund um den Jahreswechsel gering. Kleinere Kaufaufträge können von daher leichter für Kurssprünge sorgen als üblich. Das gilt zwar auch umgekehrt, doch danach, dass die gute Stimmung an der Börse kippt, sieht es derzeit nicht aus – auch nicht in den USA.

Seit Dezember eilen die großen Indizes an der Wall Street wieder von Rekord zu Rekord. Vor allem die Hoffnung auf ein zumindest vorläufiges Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China trieb die Börsen zuletzt an. Noch im alten Jahr geben in den USA und in China Frühindikatoren für die Wirtschaft Aufschluss darüber, ob sich die Entspannung im Handelsstreit auch in der Stimmung der Unternehmen und Verbraucher widerspiegelt.

Wenn man Ökonomen glaubt, sieht es ganz danach aus. Am Montag steht in den USA der Einkaufsmanagerindex für den Großraum Chicago an. Hier rechnen Volkswirte mit einem Anstieg. Gleiches gilt für den Index des Verbrauchervertrauens des US-Forschungsinstituts Conference Board, der am Dienstag erwartet wird.

In China achten Investoren am Dienstag besonders auf den offiziellen Einkaufsmanagerindex der Industrie, der die Stimmung in den großen Unternehmen abbildet. Er ist schon im November über die Marke von 50 Punkten gestiegen und zeigt damit keine Rezession mehr an. Im Dezember dürfte er laut Ökonomen bei 50,1 und damit über der Rezessionsschwelle liegen.

Am 2. Januar geht es gleich mit spannenden Konjunkturdaten weiter. Aus China kommt der Caixin-Index. Er ist ein Abbild der Stimmungslage der kleinen und mittelgroßen chinesischen Unternehmen. Auch er dürfte weiter über 50 Zählern liegen. Ralf Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank, sieht klare Anzeichen dafür, dass sich die chinesische Wirtschaft stabilisiert.

Das ist auch gut für den Dax mit seinen Unternehmen, die viel nach China exportieren.

Ebenfalls am 2. Januar gibt es auch frische Konjunkturdaten aus dem Euro-Raum. Für viele Länder stehen die Einkaufsmanagerindizes an, die ebenfalls die Stimmung großer Unternehmen signalisieren. Das verarbeitende Gewerbe dürfte indes noch nicht aus dem Tal herauskommen, die meisten Ökonomen erwarten, dass die Indizes unter der Marke von 50 Punkten liegen werden.

Aus Deutschland kommen Inflationsdaten

Am Freitag richtet sich der Blick in Deutschland auf die Inflationsdaten. Mit 1,4 Prozent dürften die Verbraucherpreise im Dezember im Vergleich zum Vorjahr zwar gestiegen sein. Sie liegen aber immer noch weit unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von einer Teuerungsrate nahe aber unter zwei Prozent. Von daher werden Investoren wohl keine Abkehr von der lockeren Geldpolitik der EZB fürchten müssen – auch nicht unter der neuen EZB-Präsidenten Christine Lagarde.

Spannend werden am Freitag auch die Indizes der nationalen Einkaufsmanager der USA. Der sogenannte ISM-Index für die Industrie wird Prognosen zufolge mit 49 Punkten zwar immer noch unter der Expansionsschwelle liegen, aber auch er zeigt aufwärts. Im November lag er noch bei 48,1 Punkten.

Von Unternehmen sind in der neuen Woche kaum Nachrichten zu erwarten. Die Vorzeichen vonseiten der Konjunktur sind dagegen positiv. Dennoch sind Experten nicht allzu euphorisch was den Blick auf das Jahr 2020 angeht. Ein neues Allzeithoch dürfte der Dax zwar bald markieren, doch danach geht es nicht ungebremst weiter hoch.

Mit der Rally in diesem Jahr haben die Börsen schließlich schon viel Gutes vorweggenommen und sind jetzt eher hoch bewertet. „Die positiven Entwicklungen der vergangenen Wochen stabilisieren zwar die Marktstimmung“, sagt Michael Bissinger, Aktienstratege bei der DZ Bank mit Blick auf die Meldungen zum Zollstreit zwischen den USA und China und der Hoffnung auf einen geregelten Brexit.

Nach dem starken Börsenjahr 2020 geht Bissinger wie viele Strategen aber lediglich von einem volatilen Seitwärtsmarkt, also von deutlichen Schwankungen um das derzeitige Niveau, aus. Eines steht wohl fest: Das Jahr 2020 wird für Dax-Anleger schwieriger als 2019.