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Anleger fürchten keine Kursverluste mehr – doch ein Risiko bleibt

Röder, Jürgen
·Lesedauer: 4 Min.

Die Lage am Aktienmarkt hat sich der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment zufolge deutlich verbessert. Die Korrektur ist schon wieder vorbei – vorerst.

Die Korrektur am deutschen Aktienmarkt Ende Januar war schneller vorbei, als viele Anleger geglaubt haben: Der Dax stieg in der vergangenen Woche um 4,6 Prozent und erreichte an diesem Montag ein Rekordhoch.

Auch für Stephan Heibel, der die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 4000 Teilnehmern auswertet, kam diese Entwicklung überraschend. Die Daten vor einer Woche signalisierten, dass die Korrektur noch nicht beendet sein dürfte. Doch das Gegenteil trat ein.

„Ich war davon ausgegangen, dass die Turbulenzen rund um die Gamestop-Aktie für weitere Unsicherheit an den Märkten gesorgt hätten“, erläutert der Experte. Das Resultat von Unsicherheit an Märkten: Anleger verkaufen Aktien, um genügend Cash für einen Kursrutsch vorzuhalten.

Doch dazu kam es nicht, die Turbulenzen sind vorbei. Es gibt keine zweite Gamestop-Aktie mit einer vergleichsweise hohen Shortquote, mit der Hedgefonds auf fallende Kurse gesetzt hatten und letztendlich von Anlegern ausgebremst wurden.

Aus den USA sind zudem erfreuliche Nachrichten gekommen. Das Konjunkturpaket von US-Präsident Joe Biden mit einem Volumen von 1,9 Billionen Dollar kann umgesetzt werden. Das treibt die Konjunkturhoffnung und somit auch die Aktienmärkte.

„Es sieht derzeit wieder recht rosig aus an den Aktienmärkten“, meint Heibel. Weitere Allzeithochs beim Dax könnten in den nächsten Tagen folgen. Dennoch hat der Sentimentexperte einen Vorbehalt: Die Korrektur von Ende Januar endete viel zu schnell. „Da fehlt weiterhin noch etwas“, meint der Inhaber des Analysehauses Animusx.

Sollte der Rally die Luft ausgehen, dann könnte die nun zu erwartende Verschnaufpause schnell zu einer heftigen Korrektur werden. Käufer, die bei einem Dax-Stand um 13.500 Punkte zugreifen wollten, haben dies in der vergangenen Woche getan.

Und Shortseller, die auf fallende Kurse spekulieren, gibt es nach der Gamestop-Erfahrung weniger.

Dabei können diese speziellen Hedgefonds Kursverluste in solchen Phasen abbremsen, indem sie ihre zuvor verkauften Aktien zurückkaufen, um ihre Shortposition aufzulösen.

Bei solch einem Shortselling haben die Hedgefonds die Aktien im Vorfeld geliehen und verkauft. Sie warten anschließend auf fallende Kurse, um die Aktie wieder zurückzukaufen und an den ursprünglichen Verleiher zurückzugeben.

„Tendenziell ist die Ausgangslage jedoch wieder sehr bullisch“, meint Heibel. „Ich setze weiter auf steigende Notierungen, würde die Absicherung gegen Kursverluste aber sehr eng wählen.“


Diese Meinung steht konträr zu anderen Sentimentanalysen. Der Frankfurter Finanzdatenspezialist Sentix hält es beispielsweise für wahrscheinlich, dass eine „nochmalige Korrektur von rund zwei Wochen Realität werden könnte“.

Auch laut der Erhebung der Börse Frankfurt unter institutionellen Investoren und Privatanlegern ist die Frankfurter Benchmark in keiner guten Verfassung. Bereits im Bereich zwischen 14.150 und 14.200 Zählern dürfte es laut Joachim Goldberg, der diese Umfrage auswertet, Gewinnmitnahmen geben.

Er ist sich aber mit Heibel in einem Punkt einig: Da bereits viele Profis gekauft haben, fehlt dem deutschen Leitindex eine ausreichende Unterstützung, die Kurse könnten also schnell deutlich abrutschen.

Aktuelle Umfragedaten

Anleger haben die Furcht der Vorwoche in Rekordzeit hinter sich gelassen. Das Anlegersentiment ist auf 4,0 gesprungen. Nach einem Wert von minus 2,8 in der Vorwoche war das einer der größeren Stimmungssprünge.

Mit dem Selbstvertrauen sieht es ähnlich aus: Nach minus 3,8 als Zeichen der absoluten Verunsicherung in der Vorwoche ist dieser Wert nun auf plus 1,9 gesprungen. „Als hätten die Anleger den Kurssturz der Vorwoche als Anomalie abgetan“, meint der Sentimentexperte.


Die Erwartung an weitere Kursgewinne ist jedoch infolge des heftigen Kurssprungs von 4,1 auf 2,5 zurückgegangen. Dennoch bleibt die Investitionsbereitschaft mit 1,5 auf einem moderat positiven Niveau, wie in der Vorwoche.

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, zeigt mit einem Wert von zwei moderaten Optimismus an. Ein Blick zurück auf diesen Indikator zeigt: Es ist einer der optimistischsten Werte seit dem Coronacrash vor gut einem Jahr.

Das Put-Call-Verhältnis der US-Anleger notiert weiterhin auf einem niedrigen Niveau, zeigt also ebenfalls eine bullische Positionierung der US-Optionshändler an. US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote von 83 Prozent auf 79 Prozent leicht zurückgefahren. Kasse gemacht hatten die Manager bereits eine Woche zuvor, nun folgten noch ein paar Feinjustierungen.


Der Optimismus der US-Privatanleger schwindet jedoch, das Bulle-Bär-Verhältnis ist nach drei bullischen Monaten nunmehr erstmals wieder neutral. Dies zeigt auch der sogenannte AAII-Sentimentindex der Privatanleger in den USA an. Der listet eine Verteilung von 37,4 Prozent bullische und 35,6 Prozent bärische Anleger auf. Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit 60 eine neutrale Verfassung an.

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 4000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.