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Anleger blicken zuversichtlich auf Konjunktur – fürchten aber Inflation

Rezmer, Anke
·Lesedauer: 5 Min.

Die Aussichten auf gute Firmenzahlen lassen Strategen auf steigende Kurse hoffen. Doch Sorgen vor hoher US-Inflation könnten den Aufschwung bremsen.

Die Konjunkturaussichten könnten die Aktienkurse weiter steigen lassen. Foto: dpa
Die Konjunkturaussichten könnten die Aktienkurse weiter steigen lassen. Foto: dpa

Die Hoffnung bleibt offenbar der Treiber des Börsengeschehens: Zuletzt bessere Konjunktursignale und eine überraschend positive Bilanzsaison lassen Strategen grundsätzlich optimistisch bleiben und auf weiter steigende Aktienkurse hoffen. Aus den USA schwappen sogar schon Inflationssorgen herüber, was die Börsenstimmung in der endenden Woche allerdings etwas trübte. Kurzfristig können sich die Aktienexperten gleichwohl vorstellen, dass die Aktienkurse bei schlechten Nachrichten zum Pandemieverlauf nachgeben.

„Die gute globale Konjunkturentwicklung 2021/22 sollte die Dax-Unternehmen beflügeln“, erwartet Christian Kahler, Aktienstratege der DZ Bank. Diese 30 Firmen „sind exportstärker aufgestellt als das „durchschnittliche“ deutsche Unternehmen“, begründet er.

Weil sich die Gewinne der Dax-Unternehmen schneller von der Coronakrise erholten als erwartet und sich das politische Umfeld in den vergangenen Monaten auch durch den neuen US-Präsidenten Joe Biden verbessert habe, rechnet der Stratege in diesem Jahr damit, dass der deutsche Leitindex noch gut sieben Prozent klettert und die Marke von 15.000 Punkten erreicht.

Die laufende Bilanzsaison stütze den Aktienmarkt, meint auch Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. „Viele Unternehmen sind offenbar besser durch die Coronakrise gekommen als gedacht.“ Lasse man das von der Pandemie besonders hart getroffene Großbritannien außen vor, hätten drei Viertel aller europäischen Firmen die Markterwartungen übertroffen, betont der Stratege. In den USA liege die Quote bei 79 Prozent.

Die Konjunkturzuversicht unter deutschen Finanzexperten hat im Februar überraschend deutlich zugenommen. Als Grund für eine unerwarteten und starken Anstieg nennen die Strategen vor allem Aussichten auf Lockerungen der Corona-Restriktionen. So sind die ZEW-Konjunkturerwartungen im Februar um 9,4 Punkte auf 71,2 Zähler gestiegen. Damit schaffte der Index seinen dritten Anstieg in Folge und erreichte das höchste Niveau seit September 2020.

US-Inflationssorgen verunsichern Anleger

Die Einschätzung der konjunkturellen Lage verschlechterte sich dagegen „wenig überraschend“ noch einmal geringfügig auf minus 67,2 Punkte, meinen die DZ-Bank-Strategen. Im ersten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft „wohl nochmal schrumpfen“. Zuletzt hat sich der Index auch relativ schwankungsanfällig gezeigt, was die Experten der großen Unsicherheit infolge der Pandemie zuschreiben. Schlechte Nachrichten zum weiteren Corona-Verlauf könnten an den Aktienmärkten daher jederzeit kurzfristig für Rücksetzer sorgen, meint Kahler.

Zugleich beschäftigt Investoren aber ein anderes Phänomen: Gute Wirtschaftsdaten in den USA gekoppelt mit einer anhaltend lockeren Geldpolitik und großen staatlichen Ausgabenprogrammen ließen Inflationssorgen aufkommen, zumal die Inflationserwartungen dort zuletzt gestiegen sind.

Der Strategiewechsel der US-Notenbank zu einem symmetrischen Inflationsziel (Average Inflation Targeting) sorge in dem Zusammenhang für „eine erhebliche Unsicherheit“, mahnt Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management. Die Fed strebt eine Inflationsrate von durchschnittlich zwei Prozent an. Wenn die Inflation in einem Zeitraum darunter liegt und in einem späteren Zeitraum darüber, dann ist das Ziel im Durchschnitt dennoch erreicht. Fed-Chef Powell sprach schon im Sommer 2020 davon, für einige Zeit eine Inflationsrate von etwas über zwei Prozent anzustreben.

Deshalb fragen sich Anleger, ob die US-Notenbank viel später als in früheren Zeiten gegensteuern und ein merkliches Überschießen der Inflation zulassen werde. Die US-Notenbank Fed gibt sich in der Tat nach ihrem am Mittwochabend veröffentlichte Sitzungsprotokoll ihres geldpolitischen Rats, den sogenannten Minutes, „entspannt“ bezüglich der Inflation.

Demnach glauben die Notenbanker, dass temporäre Effekte die gemessene Inflation vorübergehend erhöhen könnten, dass aber dauerhafte Effekte unwahrscheinlich seien. Eine längerfristig höhere Inflation treibt in der Regel die Anleiherenditen, macht Zinspapiere im Vergleich zu Aktien wieder attraktiver für Anleger und könnte für ein Umschichten in Bonds sorgen.

Höhere Preise könnten Erholung bremsen

Bereits in der abgelaufenen Woche steuerten wichtige Aktienindizes einen Schlingerkurs: Angesichts deutlich gestiegener Energie- und Rohstoffpreise nahm die Sorge zu, dass die höheren Preise nicht nur die wirtschaftliche Erholung nach Überwindung der Pandemie abwürgen, sondern durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten den Konsum dämpfen könnten.

Der Dax verlor über die Woche hinweg rund ein Prozent und schloss unter der Marke von 14.000 Punkten. Auch an den US-Märkten beschäftigten Anleger Inflationssorgen und ließen den breiten Aktienindex S & P500 und den Tech-Index Nasdaq 100 schwächer aus der Woche gehen.

In der neuen Woche steht einmal mehr die Firmen-Bilanzsaison im Blickpunkt der Investoren. Allein im Dax legen ein gutes halbes Dutzend Firmen Geschäftszahlen vor. Hierzu gehören die Chemiekonzerne BASF und Covestro, der Rückversicherer Münchener Rück und die Deutsche Telekom. International öffnen unter anderem die Bank HSBC ihre Bücher sowie der Grafikchip-Anbieter Nvidia und die British-Airways-Mutter IAG.

Was Konjunkturaussichten angeht, dürfte sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die US-Konsumausgaben am Freitag richten. In der alten Woche hatte der Anstieg der Einzelhandelsumsätze die Markterwartungen um etwa das Fünffache übertroffen. Die Käufe der Verbraucher gelten als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Bessere Konsumlaune der deutschen Verbraucher erwartet

In Deutschland gibt der Ifo-Index am Montag Auskunft über die Stimmung in den Chefetagen. Am Donnerstag folgt das entsprechende Barometer für Europa. In beiden Fällen rechnen Experten nicht mit größeren Veränderungen.

Am selben Tag liefert der GfK-Index Hinweise auf die Konsumfreude der deutschen Verbraucher. Hier sagen Analysten eine Verbesserung auf minus 14 von minus 15,6 Punkten voraus.
US-Notenbankpräsident Jerome Powell wird außerdem am Dienstag vor dem Bankenausschuss des Senats eine Rede zur Geldpolitik der US-Notenbank halten. Dabei könnte das Thema Finanzmarktstabilität in den Vordergrund rücken.

So schätzte die US-Notenbank die Risiken für die Finanzmarktstabilität im November 2020 noch als „moderat“ ein; auf ihrer Sitzung im Januar 2021 jedoch schon als „erhöht“ – laut dem in dieser Woche veröffentlichten Protokoll. Der Grund dafür, dass das Risiko nun höher eingeschätzt wird, ist nach Ansicht von Walk von Metzler die hohe Bewertung von Aktien und Unternehmensanleihen.
Mit Agenturmaterial.