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AMS hält an Übernahme von Osram fest

Die Gefahr eines Scheiterns der Kapitalerhöhung hatte Zweifel an der Übernahme geweckt. Der Sensor-Spezialist zeigt sich aber zuversichtlich.

Fahnen mit dem Logo von Osram: Der Sensor-Spezialist AMS hält an seinem Übernahmevorhaben fest. Foto: dpa

Die Börse in Zürich sprach am Freitag eine eindeutige Sprache: Der Kurssturz der dort notierten Aktie des österreichischen Sensorikkonzerns AMS im Zuge der geplanten Übernahme des Münchner Lichttechnikkonzerns Osram ist beendet. Die Aktie legte am frühen Freitagnachmittag um ein halbes Prozent auf 9,33 Schweizer Franken zu. Im Gegenzug sprang das Papier von Osram um 25 Prozent auf 27,83 Euro hoch. Denn das Unternehmen sendet positive Signale aus, dass AMS die Übernahme von Osram trotz der Coronakrise im zweiten Quartal gelingen wird.

„Die Bezugsrechtsemission schreitet (…) voran.“, teilte AMS am Donnerstagabend mit. „Wir erhalten weiter positive Rückmeldungen von unseren Aktionären hinsichtlich dieser strategischen Logik sowie der Kapitalerhöhung“, sagte AMS-CEO Alexander Everke. „Wir sind auf Basis unserer fortlaufenden Interaktion mit Osram zur Vorbereitung der Post-Merger-Integration mehr denn je von der offensichtlichen strategischen Logik und dem Wertschaffungspotenzial aus dem Zusammenschluss von AMS und Osram überzeugt“, teilte der frühere Siemens-Manager mit. Die milliardenschwere Übernahme des Münchner Lichttechnikkonzerns soll im zweiten Quartal wie geplant über die Bühne gehen.

Von den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus geben sich die Österreicher unbeeindruckt. Der Konzern bestätigte für das erste Quartal seine Umsatzerwartung zwischen 480 bis 520 Millionen Euro und eine Marge vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 21 Prozent.

„Wir sind von der Übernahme von Osram unverändert genauso überzeugt wie zu Beginn des Jahres und arbeiten auf das Closing hin. Dabei sind wir auf Kurs“, sagte eine AMS-Sprecherin auf Anfrage des Handelsblatts. „Das Übernahmeangebot aus dem November und die Finanzierung bleiben gesichert.“

AMS erhöht direkte Beteiligung an Osram

Noch vor wenigen Tagen hatte es so ausgesehen, als würden die Auswirkungen der Coronakrise die Übernahme von Osram durch den deutlich kleineren österreichischen Sensorik-Konzern AMS verhindern. Nach einem Kurssturz der AMS-Aktie stand die geplante Kapitalerhöhung vorübergehend infrage, mit der die Milliarden-Akquisition teilfinanziert werden sollte.

Osram-Aufsichtsratsvize Klaus Abel von der IG Metall befürchtete, „dass die Finanzierung so wackelig ist, dass es ganz schnell in eine Schieflage geraten kann.“ AMS hat nach eigenen Angaben seine direkte Beteiligung an Osram um 23,4 Prozent erhöht. Diese Erhöhung sei aus liquiden Finanzmitteln finanziert worden. Sie unterstreiche das klare Ziel, den Zusammenschluss mit Osram umzusetzen. Dadurch entstünde ein Unternehmen mit 35.000 Mitarbeitern.

Mit einem aktuellen Kurs der AMS-Aktien von über 9,20 Schweizer Franken ist es für Anteilseigner wieder attraktiv, die bei der Kapitalerhöhung angebotenen 190 Millionen Aktien zu zeichnen. Das Volumen der Kapitalerhöhungen beläuft sich auf 1,65 Milliarden Euro. Die Kapitalerhöhung wird von den Banken HSBC und UBS sowie Deutscher Bank, Erste Group und anderen begleitet. Sollte sie scheitern, müssten die Finanzinstitute die Aktien in ihre Bücher aufnehmen.

So weit wird es aber voraussichtlich nicht kommen, denn AMS hat sich im Emissionsprospekt vorsorglich einen Ausweg offengehalten: Die Kapitalerhöhung kann bei „Änderung an den Finanzmärkten, einem Unglück oder einer Krise“ gestoppt werden.

Die im steirischen Premstätten beheimatete AMS stellt Chips und Sensoren her. Wichtigster Kunde ist der Handyhersteller Apple, der seit Wochen stark unter den Folgen der weltweiten Coronakrise leidet. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 700 Millionen Euro. Die Aktie hatte innerhalb eines Monats rund zwei Drittel an Wert verloren.