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Amazon lockt künftige Kurierunternehmen mit Aussicht auf Millionen-Umsatz - verschweigt aber Risiken

Robin Wille
·Lesedauer: 4 Min.

Das Angebot klingt gut. Sehr gut sogar. Einsatz: 25.000 Euro. Das jährliche Umsatzpotenzial? 1,2 bis 2,5 Millionen Euro. Möglicher Gewinn: 60.000 bis 140.000 Euro. Dafür braucht es nicht viel. Nur ein Unternehmen, 20 bis 40 Lieferwagen und 30 bis 70 Fahrer. Das behauptet zumindest der E-Commerce-Riese Amazon und verspricht: „Lachende Gesichter bei jeder Zustellung.“

Der Paketboom in Deutschland, angefeuert durch die Corona-Krise und die hohe Nachfrage im Online-Handel, beschert Logistikunternehmen Rekordzahlen, stellt sie aber auch vor ein Problem: Sie müssen immer mehr Pakete liefern und das in möglichst kurzer Zeit – bei hoher Qualität. Deshalb lockt Amazon Privatpersonen damit, neue Transportunternehmen zu gründen - die „Amazon Delivery Service Partner“.

Die Versuchung ist groß, genau so wie die angebliche Möglichkeit, schnell und einfach viel Geld zu machen. Risiko? Nicht vorhanden, so suggeriert es die Werbebroschüre und die Homepage von Amazon. Doch so einfach ist es nicht. Denn natürlich besteht, wie bei jeder Unternehmensgründung, ein Risiko. Hinzu kommt bei Amazon die Abhängigkeit. Für den Konzern sind die zusätzlichen Liefer-Unternehmer ein "nice-to-have". Doch der Unternehmer hängt am Tropf von Amazon: Bekommt er keine Aufträge, schaut er in die Röhre.

"Bereits Tausende von Bewerbungen erhalten"

Ein Sprecher von Amazon teilte auf Anfrage von Business Insider mit, das Unternehmen freue sich, ein Programm anbieten zu können, das dabei helfe, die Träume von Dutzenden Unternehmerinnen und Unternehmern zu verwirklichen. Diese könnten "das Geschäft in der Gewissheit aufbauen, dass sie ein sicheres Liefervolumen von Amazon erhalten und Zugang zu der ausgefeilten Liefertechnologie des Unternehmens haben".

Das Programm, so der Sprecher, sei vor fast drei Jahren gestartet. Seitdem habe Amazon bereits Tausende von Bewerbungen erhalten. Über 140 Delivery Service Partner hätten ihr Geschäft erfolgreich gestartet und Arbeitsplätze für mehr als 3.500 Fahrer geschaffen. Auf den Vorwurf, das Modell fördere Abhängigkeitsverhältnisse, verwies der Sprecher auf "viele positive Beispiele", die die Äußerungen der Kritiker widerlegen würden.

„Leistungsfähige, fleißige Fahrer“

Konkret funktioniert das Modell so: Der künftige Geschäftsinhaber ist für die Gründung des Unternehmens und den Aufbau seines Teams „aus leistungsfähigen, fleißigen Fahrern verantwortlich“, schreibt Amazon auf einer eigens eingerichteten Homepage. Amazon hingegen schaffe die notwendigen Voraussetzungen für den Start des Geschäftsbetriebs in einem Verteilzentrum in der Stadt des Unternehmers. Von ihm erwarte Amazon, dass er seine Fahrer dabei unterstützt, „jederzeit erfolgreiche Paketzustellungen zu gewährleisten“.

Amazon unterstütze bei den ersten Schritten, etwa mit „Angeboten für Lieferwagen mit dem Amazon-Logo, einer umfassenden Versicherung, tragbaren Geräten in Industriequalität und anderen Services“. Um den Erfolg sicherzustellen gebe es mehrwöchige Schulungen. Zu Beginn erfolge eine einwöchige Einführung in der Zentrale. „Danach sammeln Sie Praxiserfahrung bei bereits etablierten Geschäftsinhabern und Fahrern, um Tipps und Tricks für den erfolgreichen Betrieb eines Zustellunternehmens von denjenigen zu erhalten, die es am besten wissen“, wirbt Amazon.

Die Bewerber müssen zum Start 25.000 Euro an liquiden Mitteln vorweisen. Amazon schreibt, man müsse „mit Kosten in Höhe von 15.000 EUR für die Unternehmensgründung rechnen“, sofern man „alle von Amazon im Rahmen des Programms mit Drittanbietern ausgehandelten Angebote“ nutze. Der Handelsriese schätzt, dass damit die Kosten gedeckt werden, „für die Gründung einer Gesellschaft und Lizenzierung, für professionelle Unterstützung von Buchhaltern und Anwälten, für die Anschaffung und Einrichtung von Betriebsmitteln wie Laptops und Zeiterfassungssoftware, für die Rekrutierung von Fahrern, für Hintergrundüberprüfungen und Fahrerschulungen sowie für Ihre Anreise zur Schulungswoche für Geschäftsinhaber.“ Auch die Investitionskosten für Lieferfahrzeuge seien einkalkuliert.

Viele Posten für wenig Kapital. Genauere Informationen, etwa zu den laufenden Betriebskosten und der Umsatzstruktur, lassen sich nicht finden.

„Eklatantes Abhängigkeitsverhältnis“

An Kritik mangelt es dagegen nicht. So sagte der Branchenkenner Horst Manner-Romberg, Chef der Logistikberatung MRU, der „Welt“, das „System Amazon“ erlaube nur sehr geringe Spielräume. Die Unternehmer gerieten in ein „eklatantes Abhängigkeitsverhältnis“ und seien auf die zugesagten Touren und Paketmengen angewiesen. Es werde einige Gründer geben, die ein gutes Geschäft machen würden. Doch: „Von zehn dieser Subunternehmer werden vielleicht drei glücklich mit ihrer neuen Arbeit, und sieben werden sich damit richtig schwertun“, so der Experte zur „Welt“. Der Inhaber eines Kurierunternehmens sagte der „Welt“, es sei „total unrealistisch, mit solchen Zahlen für eine Selbstständigkeit zu werben, wie Amazon es macht“. Im Kuriergeschäft gebe es zahlreiche Einflussfaktoren, wie etwa Krankheiten, Unfälle oder Ausfälle. Eine verlässliche Gewinnprognose könne niemand anstellen.

Ihr seid selbst „Amazon Delivery Service Partner“ und habt Euer eigenes Unternehmen gegründet? Oder habt Erfahrungen mit diesem Modell gemacht und möchtet mit uns darüber sprechen? Dann meldet Euch gerne per Mail unter: robin.wille@businessinsider.de