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Allianz ist Ertrags-König im Dax – Gewinnerwartungen leicht übertroffen

Schnell, Christian Herz, Carsten
·Lesedauer: 8 Min.
Die Folgen der Pandemie haben den Versicherungskonzern einen Milliardenbetrag gekostet. Foto: dpa

Europas größter Versicherer verdiente 2020 wohl mehr als SAP und VW. Warum der Versicherer gut durch die Krise kommt – und wo seine Schwäche liegt.

Der Vergleich war drastisch. Die Coronakrise sei vergleichbar mit „Katastrophen wie Erdbeben oder der Explosion eines Atomkraftwerks“, konstatierte Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte im vergangenen April. Doch rund zehn Monate später ist klar, dass Europas größter Versicherer wirtschaftlich gut durch diese schwere Krise gekommen ist.

Unter dem Strich stand 2020 nach vorläufigen Zahlen ein operatives Ergebnis von 10,8 Milliarden Euro und damit ein deutliches Minus von 9,3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019, wie Europas größter Versicherer am Freitagmorgen mitteilte.

Dennoch nimmt der Dax-Konzern mit seinem Nettoergebnis aus München eine Sonderstellung ein. Denn der Versicherer aus der Königinstraße nahe des Englischen Gartens fährt damit für das abgelaufene Jahr aller Voraussicht nach den höchsten Gewinn unter allen 30 Konzernen des wichtigsten deutschen Börsenbarometers ein.

Selbst der Volkswagen-Konzern, der nach vorläufigen Zahlen mit einem operativen Ergebnis von rund zehn Milliarden Euro rechnet, sowie der Softwarekonzern SAP mit einem bereits verkündeten Ergebnis von 6,62 Milliarden Euro reichen somit nicht an die Allianz heran.

Trotz der Belastungen aus der Coronakrise ist die Allianz damit der Ertragskönig im Dax. Der Versicherer hatte für 2020 keine neue Gewinnprognose ausgegeben, nachdem Vorstandschef Oliver Bäte wegen Corona sein ursprüngliches Ziel eines operativen Gewinns zwischen 11,5 und 12,5 Milliarden Euro Ende April zurückgezogen hatte.

„Die finanzielle Leistung war über alle Geschäftssegmente bemerkenswert robust, obwohl die Covid-19-Pandemie ihre Spuren in den Finanzergebnissen hinterließ, insbesondere in den gewerblichen Sparten des Schaden- und Unfallgeschäftsbereichs“, wertete Bäte das Ergebnis. Das operative Ergebnis von 10,8 Milliarden Euro lag leicht über den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit über 10,7 Milliarden Euro gerechnet hatten. Der Aktienkurs zog am Vormittag um rund 1,2 Prozent an und legte auf über 197 Euro zu. „Das Ergebnis der Allianz zeigt eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen die Covid-19-Krise und profitiert von einem ausgewogenen Geschäftsmodell“, wertete Christian Bardorff, Analyst bei der Ratingagentur Moody’s, die Zahlen.

Allianz: Umsatz bricht ein

Innerhalb der drei Geschäftsbereiche zeigen sich jedoch besonders im Sachversicherungsgeschäft spürbare Auswirkungen der Krise. Hier stieg der Umsatz zwar leicht um 0,4 Prozent auf 59,4 Milliarden Euro, das damit erzielte Ergebnis sank jedoch um 13,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Besonders der Kreditversicherer Euler Hermes, die auf Versicherungen für Reise und Mobilität spezialisierte Tochter Allianz Partners sowie das Italiengeschäft litten stark unter den Auswirkungen der Coronakrise.

Im Bereich der Lebens- und Krankenversicherung zeigten sich die Kunden vor allem in den wichtigen Märkten in Deutschland und den USA bei Neuabschlüssen zurückhaltend. Der Barwert der Neugeschäftsbeiträge sank von 67 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 61,5 Milliarden Euro.

Im vierten Quartal ist das Neugeschäft jedoch wieder angesprungen. Besonders die Niederlassungen in Italien und Frankreich meldeten gute Abschlüsse.

Mehr und mehr an Bedeutung gewinnt die Vermögensverwaltung der beiden Töchter Pimco und Allianz Global Investors (AGI). Die kleinste der drei Sparten im Allianz-Konzern hat im vergangenen Jahr das für Dritte verwaltete Vermögen um 26 Milliarden Euro auf 1,712 Billionen Euro gesteigert.

Inklusive der Eigenanlagen wuchs das gesamte verwaltete Vermögen auf ein Allzeithoch von 2,389 Billionen Euro. „Das neue Allzeithoch beim verwalteten Vermögen und die starke Produktivität sind ein gutes Vorzeichen für einen guten Start ins Jahr 2021“, blickt Finanzvorstand Giulio Terzariol nach vorn. Wer das Jahr bereits auf Rekordniveau beginnt, könne auch anschließend auf höhere Einnahmen und Gewinne hoffen.

Analysten erwarten jedoch, dass Volkswagen dann wieder an der Allianz vorbeiziehen dürfte, sollte es nicht zu einem erneuten wochenlangen Produktionsstopp kommen wie im abgelaufenen Jahr.

Allianz-Dividende: Anleger erwartet eine Dividendenrendite von fünf Prozent

Für die Anleger zahlt sich der vergleichsweise hohe Gewinn des Versicherers im Jahr 2020 aus. Denn die Aktionäre sollen erneut eine Dividende von 9,60 Euro erhalten. Gemessen am Aktienkurs errechnet sich daraus eine Dividendenrendite von fünf Prozent. Damit zählt der Versicherer neben BASF, Bayer und der Munich Re zu den Aktien im Dax mit der höchsten Quote.

Inzwischen ist auch sicher, dass die Aufseher der Bafin eine Ausschüttung in dieser Höhe auszahlen dürfen. Darüber hatte es im vergangenen Jahr wegen der erwarteten Belastungen durch die Coronakrise heftige Diskussionen gegeben.

„Der Regulierer hat uns diese Woche mitgeteilt, dass wir die angedachte Dividende auszahlen dürfen, wenn die Hauptversammlung das beschließt“, verkündete Bäte am Freitag. Das Aktionärstreffen findet in diesem Jahr am 5. Mai statt, vermutlich wird es wegen der Corona-Beschränkungen wie im vergangenen Jahr schon virtuell abgehalten.

Doch anders als bei dem Chemieunternehmen oder dem Pharmakonzern drohen bei der Allianz keine Kürzungen für das laufende Jahr. Steigen die Gewinne – wie von Analysten prognostiziert – lockt im kommenden Jahr schon wieder eine Erhöhung der Ausschüttung. Die kündigte Bäte am Freitag bereits an, sollte es künftig keine außergewöhnlich hohen Belastungen durch die Pandemie mehr geben.

Selbst eine mögliche Absage der Olympischen Spiele in Tokio, die derzeit diskutiert wird, würde für die Allianz nach aktueller Schätzung zwar zu einem zweistelligen Millionenverlust führen, bliebe angesichts der Kapitalstärke jedoch überschaubar. „Genauere Prognosen können wir aber erst abgeben, wenn absehbar ist, dass wir systematisch raus sind aus dem Lockdown“, so der Allianz-Chef. Bis dahin bleibe es schwierig.

Der Versicherer kommt vergleichsweise gut durch die Pandemie, weil sein Geschäftsmodell auch in der Krise stabil funktioniert. Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte pries das schon vor Monaten als Zeichen der Widerstandsfähigkeit des deutschen Branchenprimus. „Es wird kein Rekordjahr, aber wir werden gute Ergebnisse liefern“, sagte Finanzchef Giulio Terzariol schon im Herbst voraus.

Dennoch dürften die Anleger nicht komplett zufrieden sein. Trotz des im Dax-Vergleich höchsten Jahresgewinns hat sich die Allianz-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten nur unterdurchschnittlich entwickelt. Ende Februar 2020 wurde das Papier noch mit 231 Euro gehandelt, dann stürzte es Anfang März im allgemeinen Crash auf 113 Euro ab – eine glatte Halbierung.

Inzwischen wird die Aktie über 197 Euro gehandelt. Aber: Die Allianz-Aktie liegt damit noch immer gegenüber dem Vorkrisenniveau im Minus, der Dax markiert dagegen neue Bestmarken. Das ärgert auch Bäte. „Ich bin nicht zufrieden mit dem Aktienkurs“, gab er unumwunden zu. Daran werde das Management in diesem Jahr arbeiten müssen.

Dafür, dass die weiterhin sprudelnden Gewinne zuletzt kaum Einfluss auf den Aktienkurs hatten, gibt es mehrere Gründe: Der Versicherungskonzern, der unter seinem Dach mehrere Vermögensverwalter, einen großen Lebensversicherer sowie Kundengelder von mehr als zwei Billionen Euro verwaltet, hat eine vergleichsweise lange Bilanz – was ihn angreifbar für externe Krisen macht.

Neues Strategieprogramm folgt am Jahresende

Doch den Investoren fehlt beim Münchener Dax-Konzern auch die Wachstumsfantasie. So hat Bäte den aktuellen Dreijahresplan, der unter dem Motto „Simplicity Wins“ steht, zwar brav abgearbeitet, bevor ihm die Coronakrise in die Quere kam. Doch mit der dort anvisierten Steigerung des Gewinns je Aktie bis 2021 von mehr als fünf Prozent kann der Konzern die meisten Investoren nicht wirklich beeindrucken.

Denn Bäte legt die Messlatte nicht allzu hoch, was ein simpler Vergleich beweist: In den vergangenen drei Jahren vor dem aktuellen Strategieprogramm stieg der Gewinn je Aktie im Schnitt um 6,2 Prozent. Für Bäte geht es dieses Jahr also auch darum, den Investoren nach Auslaufen des aktuellen Programms Ende dieses Jahres eine neue Perspektive zu bieten.

Für das laufende Jahr hat der Konzern nun ein operatives Ergebnis von zwölf Milliarden Euro mit einer Spanne von einer Milliarde Euro nach oben wie nach unten als Ziel ausgegeben. Damit kehrt er zu den Erwartungen vor der Coronakrise zurück, lediglich die Spanne wurde verdoppelt.

Der Zuwachs soll vor allem aus dem zuletzt schwachen Geschäft in der Sach- und Unfallversicherung kommen, in dem das operative Ergebnis von 4,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 5,6 Milliarden Euro anziehen soll. Große Hoffnungen setzt das Management dabei auf den seit Jahren defizitären Industrieversicherer AGCS. Der soll im laufenden Jahr wieder Gewinne erwirtschaften, nachdem der neue AGCS-Chef Joachim Müller zuletzt massiv umstrukturiert hat.

„Jetzt muss aber Schluss sein mit den Aufräumarbeiten“, forderte Bäte am Freitag. In diesem Jahr will der Konzern Erträge sehen. Die Schaden-Kosten-Quote soll dann bei 98 Prozent liegen. Bei Werten unter hundert Prozent verdienen Versicherer Geld, darüber machen sie Verluste. Im abgelaufenen Jahr lag die Quote der AGCS noch über 115 Prozent.

Im Vergleich schlagen sich wichtige internationale Konkurrenten auch recht wacker. So musste auch die Zurich Insurance zwar mehr als zwei Milliarden Dollar Belastungen aus Schadenzahlungen infolge der Coronakrise und für Naturkatastrophen wegstecken. Unter dem Strich fuhr Europas fünftgrößter Versicherungskonzern 2020 mit 3,83 Milliarden Dollar jedoch einen nur um acht Prozent geringeren Gewinn als 2019 ein.

Auch ins Jahr 2021 geht Zurich-Vorstandschef Mario Greco optimistisch. „Der Markt für Firmenkunden zieht stark an, was uns einen guten Schwung für dieses Jahr gibt.“ An die Aktionäre sollen dieses Jahr 20 Franken je Aktie ausgeschüttet werden und damit gleich viel wie im Jahr davor. Die Dividendenrendite liegt mit 5,68 Prozent sogar noch leicht höher als bei der Allianz.