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ALIBABA IM FOKUS: Zurück auf Los

·Lesedauer: 4 Min.

HANGZHOU (dpa-AFX) - Der größte Börsengang aller Zeiten war nur noch einen kleinen Sprung entfernt - und zwei Tage vor dem geplanten Termin hieß es erst einmal Stop. Der chinesische Online-Riese Alibaba musste schlucken, als der lang ersehnte IPO seiner Finanztochter Ant Group auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Doch das ist nicht alles, was den Konzern beschäftigt.

DAS IST LOS BEI ALIBABA:

Mit einem Verkaufsrekord während der größten Rabattschlacht der Welt sorgte Alibaba vergangene Woche für eine erste positive Nachricht nach mehreren Rückschlägen. Am sogenannten "Singles Day" verkaufte der chinesische Online-Riese Waren im Wert von 498,2 Milliarden Yuan (etwa 63,86 Milliarden Euro).

Die Tage davor waren aber alles andere als rosig: So stoppten chinesische Regulatoren vor zwei Wochen überraschend den Börsengang (IPO) der Finanztochter Ant Group. Spekuliert wird, ob eine Rede des Alibaba-Gründers Jack Ma Grund dafür gewesen sein könnte. Ma, der sonst immer loyal zur Kommunistischen Partei steht, hatte darin scharfe Kritik an lokalen und globalen Regulierungsbehörden geübt. "Gute Innovation hat keine Angst vor Regulierung, aber sie hat Angst vor veralteten Vorschriften", wurde der zweitreichste Mann Chinas zitiert. Alibaba gehört ein Drittel der Ant Group, deren IPO in Shanghai und Hongkong 34,5 Milliarden US-Dollar (29,1 Mrd Euro) einbringen sollte.

Zudem gibt es Bedenken, dass die Aufsichtsbehörden versuchen wollen, die enorme Marktmacht von Alibaba und anderen chinesischen Tech-Firmen mit neuen Regeln einzudämmen. Diese sehen bei der Online-Kreditvergabe etwa vor, dass Unternehmen wie Ant Group künftig 30 Prozent der Kredite selbst finanzieren, die gemeinsam mit Banken vergeben werden. Bei der Ant Group sind es bislang nur zwei Prozent.

Zuletzt erholte sich der Konzern von seinem Gewinneinbruch infolge der Corona-Krise. Im dritten Quartal hatte Alibaba wieder deutlich mehr Umsatz und ein höheres operatives Ergebnis verbuchen können, unter anderem durch starke Geschäfte auf dem heimischen Markt.

Auch das Cloud-Geschäft, dem der Konzern mehr Aufmerksamkeit schenken will, war kräftig gewachsen: Dank der beschleunigten Digitalisierung weltweit stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 60 Prozent auf 14,9 Milliarden Yuan. Damit will der Online-Riese anderen Cloud-Anbietern wie Amazon Konkurrenz machen. Geld bringt die Sparte Alibaba noch lange nicht: Das bereinigte operative Cloud-Ergebnis verbesserte sich auf einen Verlust von 156 Millionen Yuan - nach einem Negativergebnis von 521 Millionen Yuan im Vorjahresquartal.

Unterdessen versucht sich Alibaba auch im Modegeschäft. Anfang November ging der Konzern eine Partnerschaft mit dem Luxusgüterkonzern Richemont <CH0210483332> und dem E-Commerce-Unternehmen Farfetch ein. Die 2008 gegründete Firma unterscheidet sich von anderen Online-Händlern dadurch, dass die Website als virtueller Marktplatz funktioniert. Auf diesem bieten kleinere Boutiquen aus der ganzen Welt auf Kommissionsbasis ihre Waren an.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Die Analysten haben sich von den zuletzt negativen Nachrichten rund um Alibaba nicht beirren lassen. In den jüngsten Studien sprachen sich mehrere Experten weiterhin für den Kauf von Alibaba-Aktien aus - trotz des verschobenen IPOs von Ant Group. "Einen so großen Börsengang einige Tage vor dem Stichtag aus regulatorischen "Bedenken" abzusagen kann im besten Fall als schlechter Witz gewertet werden", kommentierte Analyst Manuel Mühl von der DZ Bank. Zwar dürfte sich damit die Bewertung von Ant Group verschlechtern, doch neue Impulse aus E-Commerce und der Cloud-Sparte stimmten ihn positiv.

Ebenfalls langfristig optimistisch gab sich UBS-Analyst Jerry Liu. Besonders vom Live Streaming könne Alibaba künftig profitieren. Als Umsatztreiber sehe er die Supermarktkette Sun Art.

Piyush Mubayi von Goldman Sachs erläuterte, das der chinesische Einzelhandel noch Wachstumsmöglichkeiten habe, etwa in Form von sogenannten Community-Käufen: Dabei sollen Endkunden nicht nur durch das gemeinsame Kaufen Rabatte erhalten, sondern auch zusammen etwas erleben. Alle drei Häuser rieten zum Kauf von Aktien des Handelskonzerns.

DAS MACHT DIE AKTIE (Dienstag, 15.45 Uhr):

Mit etwas unter 260 Dollar kostete eine Aktie des Online-Handelskonzerns etwa so viel wie zuletzt Mitte August. Die Titel kämen damit auf einen Börsenwert von 698,9 Milliarden Dollar. US-Gigant Amazon <US0231351067> ist mit einer Marktkapitalisierung von 1,57 Billionen Dollar allerdings immer noch mehr als doppelt so viel wert.

Seit dem Tiefpunkt in der Corona-Krise war der Kurs eigentlich mit gelegentlichen Abstrichen stetig auf einen Rekordwert von 314 Dollar gestiegen. Der verschobene Börsengang der Tochter Ant Group hatte aber unmittelbar Auswirkung auf die Alibaba-Papiere: Seit dem Stop haben die Papiere gut 8,7 Prozent verloren.

Alibaba ist seit 2014 an der New Yorker Börse notiert. Seit dem Börsengang mit einem Start-Ausgabepreis von 68 Dollar hat der Kurs also deutlich zugelegt.