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Aktien New York: Virusängste setzen weiter zu - Wochenplus im Dow

NEW YORK (dpa-AFX) - Die Virusängste der Anleger haben am Freitag die US-Börsen erneut belastet. Da halfen auch die monatlichen Arbeitsmarktdaten wenig. "Das ist ein ganz starker US-Arbeitsmarktbericht. Im Januar und Februar dieses Jahres wurden jeweils so viele Stellen neu geschaffen wie seit fast zwei Jahren nicht mehr", kommentierte Thomas Altmann von QC Partners. Allerdings, gibt er zu bedenken, sind in den Februar-Daten noch so gut wie keine negativen Einflüsse durch das grassierende neuartige Corona-Virus enthalten.

Im hochnervösen Handel verlor der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial <US2605661048> rund zwei Stunden vor Handelsschluss 1,77 Prozent auf 25 660,13 Punkte. Im frühen Handel noch war das US-Börsenbarometer um mehr als 3 Prozent abgesackt und hatte damit nahtlos an den 3,6-prozentigen Verlust vom Vortag angeknüpft. Aktuell steht nach der Berg- und Talfahrt der zu Ende gehenden fünf Handelstage ein Wochenplus von einem Prozent zu Buche - allerdings nach einer verheerenden letzten Februar-Woche, in der ein Verlust von mehr als 12 Prozent aufgelaufen war.

Der S&P 500 <US78378X1072> verlor am Freitag 2,49 Prozent auf 2948,72 Punkte. Der Nasdaq 100 <US6311011026> sank um 2,75 Prozent auf 8433,20 Zähler. Zugleich setzte sich die Flucht aus Aktien in sichere Häfen wie etwa US-Staatsanleihen fort. Deren Renditen fallen zurzeit im Einklang mit den Panikattacken an den Börsen auf immer neue Rekordtiefstände.

Weltweit sind mittlerweile mehr als 100 000 Infektionen mit dem neuartigen Corona-Virus bestätigt. "Die Nerven der Anleger liegen blank", konstatierte in diesem Zusammenhang Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Angesichts der zunehmenden Verbreitung des Virus in immer mehr Staaten spricht er von einer "unübersichtlichen Lage".

Diesmal ging es vor allem für Aktien aus der US-Bankenbranche abwärts. Die deutliche Leitzinssenkung der US-Notenbank belastet ebenso wie Sorgen vor einem deutlichen Konjunkturabschwung und Kreditausfällen von Unternehmen angesichts der grassierenden Viruskrise. Für die Papiere von JPMorgan <US46625H1005> ging es im Dow um 5,5 Prozent abwärts und die von Goldman Sachs <US38141G1040> sanken um 2,7 Prozent. Die Aktien der Kreditkartengiganten im Dow gaben ebenfalls deutlich nach: American Express <US0258161092> büßten 3,2 Prozent ein und Visa <US92826C8394> verloren 2,0 Prozent.

Auch Ölwerte fielen deutlich, da die Ölpreise ihren Abwärtstrend vom Vortag beschleunigt fortsetzten: ExxonMobil <US30231G1022> büßten 3,2 Prozent ein und Chevron <US1667641005> verloren 2,1 Prozent. Im S&P 100 hielten Occidental Petroleum mit minus 12,6 Prozent die rote Laterne. Schlumberger <AN8068571086> verloren 6,4 Prozent und ConocoPhillips <US20825C1045> 2,9 Prozent. Das Ölkartell Opec und seine Kooperationspartner konnten sich nach langen Verhandlungen nicht auf eine weitere Beschränkung der Rohölproduktion einigen.

Aktien von Fluggesellschaften erholten sich nach ersten weiteren Kursverlusten zu Handelsbeginn. Nachdem es am Vortag zum Teil prozentual zweistellig bergab ging und Mehrjahrestiefs erreicht wurden, legten die Papiere von American Airlines <US02376R1023> zuletzt um 2,2 Prozent zu und United Airlines <US9100471096> stiegen um 4,9 Prozent. Delta Air Lines <US2473617023> <US2473617023> erholten sich etwas mit nun plus 2,4 Prozent.

Für die Anteile von Kreuzfahrt-Anbietern wie Royal Caribbean <LR0008862868> sowie Carnival <PA1436583006> ging es indes kräftig auf und ab. Zuletzt standen für beide wieder Verluste zu Buche. Aktuell von um die 3 Prozent. Neuen Meldungen zufolge wurden auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Nil zwölf Menschen positiv auf das Coronavirus getestet.

Auch die Aktien des Chipherstellers AMD <US0079031078> konnten sich nicht im Plus halten. Nach Gewinnen im frühen Handel ging es zuletzt um 1,6 Prozent abwärts. AMD konnte seine Anleger auf einer Investorenveranstaltung zunächst mit "aggressiven und ambitionierten" längerfristigen Unternehmenszielen optimistisch stimmen. Diverse Analysten, unter ihnen die Deutsche Bank und Jefferies, reagierten mit Kursziel-Anhebungen.

Unabhängig vom Virus setzten die am Vortag bereits mächtig unter Druck geratenen Aktien von Cypress Semiconductor <US2328061096> ihre Talfahrt mit 15,4 Prozent fort. Die geplante Übernahme durch Infineon <DE0006231004> könnte auf der Kippe stehen. Insidern zufolge stößt der deutsche Chipkonzern auf Bedenken der Regulierungsbehörde CFIUS. Grund seien Sorgen, dass durch den Deal eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA bestehen könnte.