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Aktien New York Ausblick: Virusängste setzen dem Dow weiter zu

NEW YORK (dpa-AFX) - Die Virusängste der Anleger behalten die New Yorker Börsen am Freitag fest im Griff. An der Wall Street zeichnen sich weitere massive Verluste ab, nachdem der Dow Jones Industrial <US2605661048> schon am Vortag um 3,6 Prozent abgerutscht war. Der Broker IG taxierte das Kursbarometer eine Dreiviertelstunde vor Handelsbeginn nochmals 2,8 Prozent tiefer auf 25 380 Punkte. Unter 24 680 Zählern droht dem Leitindex ein Tief seit mehr als einem Jahr.

Im Wochenverlauf steuert der Dow nach einer Berg- und Talfahrt mit den nun erwarteten Verlusten auf ein ausgeglichenes Ergebnis zu. Auf Kursgewinne am Montag und Mittwoch folgten tags darauf jeweils kräftige Rückschläge, was ein Indiz für die Nervosität der Anleger ist. Zum Wochenschluss scheinen sie auf Nummer sicher zu gehen, wie die Flucht aus Aktien in sichere Häfen zeigt. Als ein solcher gelten US-Staatsanleihen, die neuerdings nur noch rekordtiefe Renditen versprechen.

Weltweit sind mittlerweile mehr als 100 000 Infektionen bestätigt. Portfoliomanager Jens Herdack von der Weberbank wähnt die Märkte angesichts der crashartigen Abschläge auf dem Weg von einer Virus- zur Aktienpandemie. Das Ausmaß der Verluste sei historisch selten wie etwa nach dem 11. September 2001 oder während der Finanzkrise. Er glaubt, dass sich Volkswirtschaften und Unternehmensergebnisse bis ins zweite Quartal deutlich verschnupft zeigen werden.

Ungebremst weiter geht der Kursrutsch am Freitag denn auch vor allem bei Fluggesellschaften. Papiere von American Airlines <US02376R1023> und United <US9100471096> waren am Vortag schon prozentual zweistellig abgerutscht und büßten nun vorbörslich nochmals mehr als 5,5 Prozent ein. Bei Delta Air Lines <US2473617023> ging es mit einem Abschlag von 3,8 Prozent nur wenig besser zu.

Keine Entlastung gibt es auch bei den Kreuzfahrtanbietern Royal Caribbean <LR0008862868> sowie Carnival <PA1436583006>, deren Papiere am Vortag ebenfalls prozentual zweistellig eingebrochen waren. Die Aktien von Royal Caribbean zum Beispiel sackten nun vorbörslich nochmals um 5,2 Prozent ab. Vor der Küste Kaliforniens wurde ein 3500 Passagiere fassendes Schiff von der konkurrierenden Reederei Princess wegen Verdachtsfällen gestoppt.

Unabhängig vom Virus bleiben die am Vortag ebenfalls schon mächtig unter Druck geratenen Aktien von Cypress Semiconductor vorbörslich mit fast 15 Prozent auf Talfahrt. Hier steht womöglich die geplante Übernahme durch Infineon auf der Kippe. Insidern zufolge stößt der deutsche Chipkonzern auf Bedenken der Regulierungsbehörde CFIUS. Grund seien Sorgen, dass durch den Deal eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA bestehen könnte.

Ein vorbörslicher Gewinner sind derweil die 1,8 Prozent höheren Aktien des Chipkonzerns AMD <US0079031078>. Dieser hatte seine Anleger auf einer Investorenveranstaltung mit laut Experten "aggressiven und ambitionierten" längerfristigen Unternehmenszielen optimistisch gestimmt. Diverse Analysten reagierten darauf bereits mit höheren Kurszielen. Jefferies zum Beispiel traut der zuletzt bei 48 Dollar gehandelten Aktie nun einen Anstieg bis auf 60 Dollar zu.

Vor dem Hintergrund des neuartigen Coronavirus spielten die sonst besonders marktrelevanten Arbeitsmarktdaten aus den USA am Freitag nicht die erste Geige. Auch wenn sie für die US-Wirtschaft ein starkes Bild malten, brachte dies am Aktienmarkt keine Entlastung mit sich. Mit 273 000 Stellen wurden im Februar deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet.