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Aktien Europa: Märkte schnaufen nach Kursanstieg durch - Anleger warten auf EZB

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Nach dem kräftigen Kursschub haben Europas Börsen am Donnerstag vor dem Leitzinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) zunächst innegehalten. Marktbeobachter sprachen von Gewinnmitnahmen vor dem langen Wochenende. In einigen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien wird an diesem Freitag feiertagsbedingt nicht gehandelt. Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> trat - nach einem zunächst positiven Start - am Mittag mit minus 0,08 Prozent bei 2993,70 Punkten nahezu auf der Stelle.

In Paris notierte der Leitindex Cac 40 <FR0003500008> zuletzt ebenfalls nahezu unverändert, in London gab der FTSE 100 <GB0001383545> moderat nach. Auch einige enttäuschende Quartalsberichte hätten die Stimmung etwas gedämpft, schrieb Stephen Innes vom Broker Oanda. An dem grundsätzlichen Aufwärtsdrang der Märkte ändere dies aber nichts.

Am Vortag waren die zuletzt erholten Börsen angesichts erster Zwischenerfolge bei Tests mit einem Medikament des US-Konzerns Gilead Sciences <US3755581036> gegen die Lungenkrankheit Covid-19 noch einmal kräftig durchgestartet. Die US-Notenbank Fed versicherte unterdessen, im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie weiter die volle Bandbreite ihrer Werkzeuge einzusetzen. Über das bereits billionenschwere Programm der Fed hinaus wurden aber erwartungsgemäß keine weiteren Maßnahmen angekündigt.

Anders in Europa: Hier halten es inzwischen Experten für denkbar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre massive Krisenintervention schon auf der geldpolitischen Sitzung an diesem Donnerstag ausweitet und ihre Wertpapierkäufe aufstockt.

Auf Unternehmensseite dominiert weiter die Berichtssaison die Nachrichtenlage. Europaweit und im EuroStoxx 50 standen die Banken am deutlichsten unter Druck. Die französische Bank Societe Generale <FR0000130809> und die spanische BBVA <ES0113211835> schrieben im ersten Quartal wegen der Corona-Krise rote Zahlen, ihre Papiere gaben um mehr als vier beziehungsweise um über zwei Prozent nach. Ebenfalls vier Prozent verloren in London die Anteilsscheine am britischen Wettbewerber Lloyds <GB0008706128> - dieser musste wegen einer höheren Risikovorsorge zumindest einen Gewinnrückgang hinnehmen.

Konsumgüterhersteller führten unterdessen das europäische Branchenranking mit knapp einem Prozent Plus an. Hier sorgten gute Nachrichten vom Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser <GB00B24CGK77> für Schub, der anders als viele von der Virus-Krise profitiert. Der Sagrotan-Hersteller vermeldete für das erste Quartal einen reißenden Absatz von Desinfektions- und Schmerzmitteln und ist nun optimistischer für die weitere Entwicklung. Das bescherte der Aktie ein Kursplus von mehr als vier Prozent.

Dagegen sorgte der Ölkonzern Shell <GB00B03MLX29> mit der ersten Dividendenstreichung seit dem Zweiten Weltkrieg bei den Anlegern für große Enttäuschung. Zudem war im ersten Quartal der Gewinn beim Energieriesen wegen der Corona-Pandemie und dem Ölpreisverfall eingebrochen. Die Aktie verlor daraufhin mehr als sechs Prozent.

Ein besser ausgefallenes operatives Ergebnis im ersten Quartal tröstete die Anleger beim finnischen Netzwerkausrüster Nokia <FI0009000681> über die gesenkte Prognose hinweg: Die Aktie verteuerte sich um fast vier Prozent.

Überraschend gut lief es zum Jahresstart auch bei LafargeHolcim <CH0012214059>. Die Aktie des Baustoffekonzerns kletterte an der Schweizer Börse zeitweise um mehr als fünf Prozent in die Höhe, zuletzt bröckelten die Gewinne aber wieder deutlich ab. Beim Rückversicherer Swiss Re <CH0126881561> stand dagegen angesichts eines Quartalsverlusts wegen der Corona-Krise ein Minus von zweieinhalb Prozent auf der Anzeigetafel.