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AKTIE IM FOKUS 2: Erleichterungsrally bei Deutscher Bank - Analysten vorsichtig

(Mehr Analystenstimmen und Details)

FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Überraschend starke Eckzahlen der Deutschen Bank <DE0005140008> zum ersten Quartal haben am Montag den Papieren des angeschlagenen Finanzinstituts kräftig Auftrieb gegeben. Der gesamte europäische Bankensektor <EU0009658806> wurde von der Erleichterung mit nach oben gezogen. Analysten lobten unisono insbesondere die Erträge des deutschen Branchenprimus. Zugleich aber blieben sie vorsichtig und stimmten nicht in die Euphorie der Anleger ein. Angesichts der Corona-Krise waren die Zahlen mit Spannung und Sorge erwartet worden.

Deutsche-Bank-Aktien im Dax <DE0008469008> kosteten am späten Vormittag mit 6,09 Euro 11,7 Prozent mehr als noch am Freitag. Allerdings sind sie damit nach wie vor weit entfernt von ihrem Kursstand bei 10,37 Euro von Mitte Februar. Vor etwa zweieinhalb Monaten hatte die Erholung der Anteilsscheine angesichts der Corona-Panik ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht und es folgte ein jäher Absturz bis auf rund 4,45 Euro.

Im MDax <DE0008467416> profitierten die Anteile der Commerzbank <DE000CBK1001> von den Zahlen der Deutschen Bank und gewannen an der Spitze des Index für mittelgroße Werte 6,5 Prozent auf 3,28 Euro. Der europäische Stoxx 600 Banks legte als Favorit der 19 Sektoren Europas zugleich um 3,4 Prozent zu.

Analyst Kian Abouhossein von der US-Bank JPMorgan sah als Grundlage der starken Quartalsergebnisse der Deutschen Bank vor allem den unerwartet hohen Ertrag. Er blieb dennoch zurückhaltend, auch angesichts der signalisierten Zuwächse im Kerngeschäft. "Der Teufel steckt im Detail", betonte er und will die am Mittwoch anstehenden vollständigen Quartalszahlen abwarten. Erst dann lasse sich die Qualität der aktuell positiven Überraschungen beurteilen.

Ähnlich vorsichtig ist auch Analyst Philipp Häßler von der Investmentbank Pareto. Die Eckzahlen hätten zwar seine Erwartung angesichts besserer Erträge übertroffen, schrieb er. Doch solange die Unsicherheit rund um die Covid-19-Pandemie und die daraus folgenden Auswirkungen für die Banken hoch seien, bleibe er vorsichtig.

Dank der starken Erträge habe die Deutsche Bank die am Markt ebenfalls höher als erwartet ausgefallene Risikovorsorge kompensiert, schrieb RBC-Analystin Anke Reingen. Bedenklich stimmten die Aussagen des Managements über eine unter das frühere Ziel von 12,5 Prozent sinkende harte Kernkapitalquote. "Allerdings wird dies als vorübergehend angesehen", ergänzte sie und verwies auf entsprechende Aussagen.

So betonte die Deutsche Bank, dass die Kapitalausstattung nach wie vor gut sei und deutlich über den Anforderungen der Regulierer liegt. Dies soll auch weiter so bleiben. "Da die genannten Kapitaleffekte als vorübergehend angesehen werden, arbeitet die Bank für das Jahr 2022 weiterhin auf das Ziel einer harten Kernkapitalquote von 12,5 Prozent und einer Leverage Ratio (Verschuldungsquote) von 5 Prozent hin", hieß es.

Laut Reingen besteht die Herausforderung für die Deutsche Bank nun darin, angesichts einer niedrigen Profitabilität die harte Kernkapitalquote wieder aufzubauen./ck/ag/mis

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