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Airbus-Spitzelaffäre: Beschuldigter Top-Manager räumt private Mails an Investor ein, wehrt sich aber gegen Geheimnisverrat

·Lesedauer: 4 Min.
Der Hauptsitz der Airbus-Tochter Premium Aerotec
Der Hauptsitz der Airbus-Tochter Premium Aerotec

Die Spitzelaffäre um die Zerschlagung der Airbus-Tochter Premium Aerotec (PAG) hat eine interne Untersuchung ausgelöst. Vergangene Woche hatte Business Insider enthüllt, dass Top-Manager des Luftfahrt-Zulieferers vertraulich Informationen mit einem österreichischen Investor ausgetauscht haben. Dabei lieferten die Mitarbeiter dem Varta-Großaktionär Michael Tojner offensichtlich Informationen, die er für seine Übernahmepläne der PAG gebrauchen kann. Besonders brisant: Ausgerechnet einer der Informanten kündigte kürzlich bei der Airbus-Tochter und erhält nun eine Spitzenposition in der Montana-Firmengruppe von Tojner.

Bereits seit Monaten sorgt der geplante Umbau des Airbus-Konzerns für Unruhe. Demnach will das Management die PAG zerschlagen, die Montage von großen Rumpfteilen wieder in den Konzern integrieren, die Fertigung von Kleinteilen und Komponenten dagegen verkaufen. Gewerkschaft, Betriebsräte und Politik laufen Sturm dagegen, sie befürchten die Verlagerung von Tausenden Arbeitsplätzen an den deutschen Standorten in Niedriglohnländer.

Die Spitzelaffäre wirkt in dieser aufgeheizten Stimmung wie ein Brandbeschleuniger. Dem Vernehmen nach hat die Airbus-Spitze daher auch umgehend eine Prüfung des Vorgangs beauftragt. Wie aus internen Unterlagen hervorgeht, hat die Compliance-Stelle des PAG bereits eine Untersuchung in Gang gesetzt und einzelne Manager zu den Vorwürfen vernommen. Von besonderem Interesse sind dabei die Antworten des mittlerweile freigestellten Finanzvorstands Kai Arndt. Demnach bestätigt Arndt, Anfang Juni mehrere vertrauliche E-Mails über seinen Privataccount an Tojner versendet zu haben. Darin habe er zahlreiche Kollegen charakterlich und fachlich für eine eventuelle Verwendung in der Montana-Gruppe bewertet. Zudem habe er hinsichtlich der Zerschlagung der PAG ein Lagebild über die IG Metall, die Betriebsräte und das Airbus-Management abgegeben. "Das war meine private Einschätzung, aber hier verstehe ich, dass dies sensibel ist", heißt es in den Antworten von Arndt.

Allerdings zeigt sich der Ex-Manager der PAG nicht bei jeder Frage so transparent, verstrickt sich sogar in Widersprüche. So gibt Arndt an, Tojner erst am 27. Mai 2021 richtig kennengelernt zu haben. Zuvor habe es im Februar nur ein ganz kurzes Treffen gegeben, an dessen Ende Tojner ihm vergeblich ein Jobangebot unterbreitet habe. Zum PAG-Deal sei dabei kein einziges Wort gefallen. Vertrauliche Dokumente erwecken aber einen ganz anderen Eindruck. Demnach schloss Tojner bereits Anfang des Jahres Arndt in den Kreis seines Vertrauens ein, sandte ihm am 1. Februar 2021 streng vertrauliche Unterlagen zu seinen Übernahmeplänen der PAG. Einen Tag später antwortete Arndt, dass das Konzept sehr schlüssig sei und er noch ein oder zwei Anmerkungen hätte, die er Tojner später zukommen lassen wolle. "Da die Thematik Fahrt aufnimmt, wird ein persönliches Treffen nicht leichter", schreibt Arndt an Tojner mit lieben Grüßen.

Zwei Wochen später unterbreitete Tojner dem PAG-Manager ein schriftliches Angebot. Man sei derzeit dabei, zusätzliches Kapital zu besorgen um die Premium Aerotec und "bitte streng vertraulich" die Asco zu erwerben. "Ich würde mit Ihnen darüber sprechen wollen, das Sie sich als COO bzw. Vorstand für diese beiden Projekte (Premium Aerotec und Asco) am Ende verantwortlich zeichnen und damit der Großteil des Aerospace Geschäfts bei uns in der Gruppe verantworten", schreibt Tojner am 11. Februar 2021. Anschließend solle sich Arndt als COO "dann durch den hoffentlichen Erfolg der Premium Aerotec Transaktion und der Asco" für den CEO-Posten hervortun. Bei einem Treffen in Salzburg könnten die beiden alles weitere besprechen, so Tojner. Arndt schrieb daraufhin: "Bin 24/7 in Diskussionen zum bekannten Thema. Sehr gerne werde ich in Salzburg sein."

Gegenüber der Compliance-Stelle von PAG erklärte Arndt dagegen, dass er das Angebot von Tojner erst am Ende des Treffens erhalten habe und wegen eines anderen Angebots der PAG sofort abgelehnt hätte. Erst am 27. Mai sei er mit Tojner wieder in einen engeren Austausch getreten und habe einen Vertrag bei dessen Montana-Firma unterschrieben. Einen Tag später schickt Tojner ihm erneut streng vertrauliche Unterlagen zur Übernahme des Zulieferer Asco, die Arndt daraufhin inhaltlich bewertet, als sei er bereits für Montana tätig. Zudem informiert der damalige PAG-Finanzchef den österreichischen Investor über die Beziehung seiner Firma zu Also. "Zur Info: Wir sourcen gerade ein Paket von Asco nach Augsburg in. Wert >1Mio / anno. Lg Kai."

Brisant: Arndt schreibt dies, bevor er seinen Vertrag mit der PAG am 31. Mai kündigte. Mittlerweile ist er freigestellt und soll Ende des Jahres bei Montana anfangen dürfen. Inwieweit der Vorgang die Pläne von Airbus beeinflusst, die PAG zu zerschlagen und Teile an Tojner zu verkaufen, ist noch unklar. Dem Vernehmen nach möchte die Airbus-Führung zunächst einmal abwarten, bis sich die Lage etwas beruhigt und im September die Gespräche mit Tojner wieder aufnehmen.

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