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Ein Accel-Partner erzählt, was gerade die heißesten Geschäftsmodelle sind

·Lesedauer: 5 Min.
Accel-Partner Luca Bocchio betreute unter anderem das Investment in den Berliner Neobroker Trade Republic.
Accel-Partner Luca Bocchio betreute unter anderem das Investment in den Berliner Neobroker Trade Republic.

Accel in der Gesellschafterliste zu haben, ist ein Ritterschlag für Gründer. Der VC aus dem Silicon Valley hat zahlreiche Firmen großgemacht, Spotify und Facebook sind nur zwei davon. In Deutschland ist die Investmentfirma an 13 Startups beteiligt, etwa die Neu-Unicorns Trade Republic und Sennder. Dafür verantwortlich war Luca Bocchio. Der Italiener ist seit drei Jahren einer von sechs Accel-Partnern am Londoner Standort.

Er war maßgeblich am neuesten Fonds beteiligt, den der VC Ende Juni für Europa und Israel aufgesetzt hat. Rund 550 Millionen Euro stellt Accel für Startups bereit, steigt überwiegend in Series-A-Runden ein. Pro Unternehmen fließen im Schnitt acht bis 13 Millionen Euro. Für Accel genug, um das nächste Einhorn zu finden.

Luca, Accel hat erst vor zwei Jahren einen Fonds für Europa aufgesetzt, der über eine halbe Milliarde Euro schwer war. Ist das Geld schon weg?

Wir setzen unsere neuen Fonds dann auf, wenn die Investments in dem vorigen ein gewisses Level erreicht haben. Dass wir jetzt wieder Kapital bereitstellen, zeigt ja, wie spannend das europäische Ökosystem ist und wie gern wir es unterstützen wollen. In den letzten zwei bis drei Jahren hat sich hier so viel verbessert.

Was zum Beispiel?

Das sind einige Sachen. Zum einen sind die Teams und die Leute, die sich in der Startup-Szene bewegen, besser geworden. Nicht nur Gründer, sondern auch erfahrene Tech-Manager. Europa und vor allem auch Berlin hat es geschafft, Fachkräfte aus aller Welt anzuziehen. Das war vor fünf Jahren noch nicht der Fall.

Und was noch?

Genauso wichtig wie die Leute sind die Orte. Früher gab es nur ein paar Startup-Hubs in Europa, jetzt gibt es in viel mehr Städten erfolgreiche Firmen. Wenn man diese beiden Punkte mit dem Fakt verbindet, dass in sämtlichen Phasen mehr Kapital verfügbar ist, entsteht am Ende ein großartiges Ökosystem, aus dem dann auch globale Marktführer stammen.

Es gibt gerade massiv Kapital, die Bewertungen steigen. Allein in Deutschland sind in diesem ersten Halbjahr sieben Unicorns entsprungen. Ist das noch gerechtfertigt?

Für mich ist es schwer, zu beurteilen, wo wir uns in diesem Kreislauf befinden. Manche sagen, wir haben den Höhepunkt auf dem Markt noch nicht ganz erreicht. Aber dort, wo Ideen entstehen, dorthin folgt auch das Geld. Und gerade entstehen sehr viele solcher Ideen. Daher ist es für mich auch nicht überraschend, dass es in Deutschland eine hohe Anzahl an Unicorns gibt und unglaublich viele Exits. Im Endeffekt deutet das ja nur wieder daraufhin, dass in Deutschland sehr spannende Geschäftsmodelle aufgebaut werden. Daher ist Kapital nicht wirklich die Ursache, sondern eine Konsequenz.

Heißt das im Umkehrschluss auch, dass es für Accel teurer wird, in Deutschland zu investieren?

In unserer Industrie gab es natürlich immer schon Wettbewerb und ich brauche wohl nicht extra erwähnen, dass sich das in den vergangenen Jahren gesteigert hat. Aber ja, wenn es mehr Mitstreiter gibt, gehen tendenziell auch die Preise nach oben.

Nimmt Accel dann mehr Geld in die Hand?

Wenn wir das Gefühl haben, dass außerordentlich gute Unternehmer an etwas Besonderem dran sind, investieren wir auch ein bisschen mehr, als wir es sonst tun würden.

Wenn ich auf der Website durch das Accel-Portfolio scrolle, finde ich dort kaum Gründerinnen.

Das stimmt. Wir würden natürlich gern mehr machen und haben kürzlich erst in einige frühphasige Startups investiert, die von Frauen geführt werden. Die komplette Szene muss mehr dafür tun. Ich habe aber das Gefühl, dass wir jetzt an einem guten Wendepunkt sind. Wir haben dieses Jahr ein paar Initiativen gestartet, das Angel-Programm zum Beispiel. Eine Gruppe von Unternehmern hilft uns dabei Startups zu scouten und sie kennen dann auch mehr Firmen mit Gründerinnen.

Accel musste wie auch andere VCs seine Deals während der Corona-Lockdowns remote durchführen. Wie schätzt du bei einem Videocall ein, ob sich das Investment in diese Person lohnt?

Wir haben versucht, mehr Tiefe in diese Calls zu bringen. Ich persönlich mag es zum Beispiel nicht, mir einen festen Termin im Kalender einzustellen, sondern die Zeit flexibel zu gestalten – und sowohl vorher als auch nach hinten raus mehr Zeit zu haben. Bei einem Zoom-Meeting sollte es nicht um eine reine Transaktion gehen, in der etwa das mögliche Term Sheet diskutiert wird, man sollte die Leute auch richtig kennenlernen. Ich nehme mir immer Zeit, um über die persönliche Situation und die Familie zu sprechen. So bekommt man einen besseren Eindruck. Auf beiden Seiten.

Was sind gerade die heißesten Geschäftsmodelle, die ihr auf dem Tisch habt?

Wahrscheinlich sind wir durch unseren Investmentfokus recht voreingenommen, aber was wir ziemlich spannend finden ist zum Beispiel Embedded Finance. Also Finanzdienstleistungen, die von Nicht-Banken angeboten werden. Und diese Bewegung fängt gerade erst an. Auch interessant sind die verschiedenen B2B-Marktplätze, die sich in sämtlichen Branchen auftun. Lange Zeit gab es nur Angebote für Privatpersonen, aber wenn es um professionelle Shops ging, waren da kaum Verbesserungen zu sehen.

Und was noch?

Versicherungen. Aus Verbrauchersicht wurden wir trotz der Weiterentwicklungen auf dem Markt immer wieder vernachlässigt, zumindest wenn man an die Art und Weise denkt, wie wir mit unserem Versicherungsanbieter kommunizieren. Daran hat sich mittlerweile einiges geändert. Dann gibt es noch den Software-Bereich mit No-Code und Low-Code-Startups. Wir glauben, dass die nächste Generation an Softwares für die bestimmt ist, die keine IT-Kenner sind.

Du bist gebürtiger Italiener. Accel hat sein Europa-Büro seit über 20 Jahren in London. Wie würdest du als Außenstehender die deutsche Startup-Szene beschreiben?

Deutschland ist eines der relevantesten Ökosysteme in Europa. Ich bin wirklich erstaunt über die Breite und Tiefe: Es gibt nicht nur ein paar vereinzelte Unternehmen, die etwas Großes erschaffen haben, sondern eine ganze Bandbreite an sehr erfolgreichen Firmen. Zalando und Delivery Hero zum Beispiel. Die helfen dann auch der nächsten Generation, neue Ideen zu entwickeln.

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