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Bis 2030 könnte vier Millionen Deutschen ein Jobwechsel blühen

Specht, Frank
·Lesedauer: 3 Min.

Digitalisierung und Automatisierung veränderten die Arbeitswelt schon vor Corona. Doch die Pandemie wirkt nun als zusätzlicher Treiber, zeigt eine Studie des McKinsey Global Institute.

Der wachsende Online-Handel bedroht ihren Job. Foto: dpa
Der wachsende Online-Handel bedroht ihren Job. Foto: dpa

Die Coronakrise beschleunigt den Wandel der Arbeitswelt. Rund 6,5 Millionen Erwerbstätige in Deutschland werden sich bis 2030 erhebliche neue Fähigkeiten und Qualifikationen aneignen oder eine Umschulung machen müssen, zeigt eine neue Studie des McKinsey Global Institute (MGI).

Weitere vier Millionen Menschen müssen sich sogar mit einem Berufswechsel anfreunden. Insgesamt sind in den kommenden zehn Jahren in Deutschland also rund 10,5 Millionen Berufstätige betroffen – 900.000 mehr als in Projektionen vor Ausbruch der Pandemie.

Covid-19 habe drei Trends vorangetrieben, die sich bereits vor der Pandemie in der Arbeitswelt, im Verbraucherverhalten und in Geschäftsmodellen abzeichneten, heißt es in der Studie: das mobile Arbeiten, den elektronischen Handel und die Automatisierung von Produktion und Prozessen. „Diese Trends werden die Umwälzungen und Veränderungen von Arbeitsplätzen in den nächsten zehn Jahren weiter beschleunigen“, erwartet McKinsey-Partner Tilman Tacke.

Die Berater haben wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in Deutschland, China, Frankreich, Indien, Japan, Spanien, Großbritannien und den USA untersucht. „Vom Wandel der Arbeitswelt sind alle Erwerbstätigen betroffen, wenn auch in sehr unterschiedlichem Maße“, sagt Susan Lund, Co-Autorin der Studie. Frauen müssten sich stärker auf Veränderungen einstellen als Männer, Geringqualifizierte stärker als Höhergebildete, jüngere stärker als ältere Beschäftigte.

Dass die Veränderungsdynamik durch Corona weiter beschleunigt wird, hat mehrere Gründe. So wird das mobile Arbeiten stärker als vor der Pandemie zum Alltag gehören. Das MGI geht davon aus, dass knapp jeder vierte Beschäftigte drei bis fünf Tage von zu Hause aus arbeiten kann. Außerdem gehen die Berater davon aus, dass das Geschäftsreisevolumen um ein Fünftel abnehmen wird.

E-Commerce könnte eine Million Jobs kosten – und noch mehr schaffen

Dies hat Auswirkungen in Betrieben, Innenstädten oder auf Flughäfen – und damit auf die Arbeitswelt. Wer im heimischen Büro arbeitet, nutzt seltener den öffentlichen Nahverkehr oder isst weniger oft in der Firma. Also werden nicht mehr so viele Bus- und Bahnfahrer oder Kantinenkräfte wie früher gebraucht.

Gleiches gilt für den Handel. Der Beitrag des Online-Handels zum Wachstum der Branche ist schon im Jahr vor der Pandemie doppelt so stark gewachsen wie im Durchschnitt der fünf Jahre zuvor. Wer aber häufiger online einkauft, geht seltener ins Geschäft und verbindet den Einkauf dann auch nicht mit einem Besuch im Café oder Restaurant in der Innenstadt.

Das MGI geht davon aus, dass der wachsende E-Commerce bis 2030 eine Million Verkäufer, Kellner und andere Beschäftigte den Job kosten wird. Gleichzeitig entstehen aber 1,1 Millionen neue Arbeitsplätze etwa in der Logistik oder im Lagermanagement.

Vier Millionen Arbeitnehmer werden nach Einschätzung des MGI in andere Jobs wechseln müssen, weil ihre Tätigkeiten oder Dienstleistungen wegfallen oder nicht mehr benötigt werden. Dazu zählen beispielsweise klassische Verkaufs- oder klassische Büro-, aber auch Installations- oder Produktionstätigkeiten. Zuwächse erwarten die Berater in Gesundheitsberufen, im Transportsektor oder im naturwissenschaftlich-technischen Bereich.

Trotz der rasanten Veränderungen sehen die Berater aber keinen Grund, in Panik zu verfallen – obwohl Deutschland aufgrund seines vergleichsweise hohen Industrialisierungsgrads und damit Automatisierungspotenzials in Europa am stärksten betroffen ist.

So scheide innerhalb von zehn Jahren ohnehin ungefähr ein Viertel der heute Erwerbstätigen aus Altersgründen aus dem Berufsleben aus und werde durch Nachwuchskräfte mit neuen Qualifikationen ersetzt. Und: „Mit seiner gut gebildeten Bevölkerung und seiner Bildungs- und Weiterbildungslandschaft ist Deutschland besser für den Wandel gerüstet als viele andere Länder“, sagt Studienautorin Lund.