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Die Übernahme der Deutsche Wohnen durch die Vonovia hängt an den beiden Chefs

Nun prüft Vonovia erneut eine Übernahme, diesmal freundlicher Natur. Doch das wird schwierig, wenn beide Chefs – Buch und Zahn – an der Spitze ihrer Konzerne stehen.

Deutschlands größter Wohnungskonzern prüft zum zweiten Mal eine Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen. Foto: dpa

Unter dem Namen „Projekt Noah“ hat Vonovia vor vier Jahren versucht, die Deutsche Wohnen feindlich zu übernehmen. Das Projekt Noah kam dabei recht schnell ordentlich ins Schwimmen und endete nicht wie die biblische Arche obenauf, sondern als Wrack. In einem langen Kampf gelang es der Deutschen Wohnen, die unerwünschten Avancen abzuwehren.

Nun prüft Vonovia erneut eine Übernahme, diesmal offenbar nicht feindlicher, sondern freundlicher Natur. Doch wie soll das funktionieren, solange mit Rolf Buch (Vonovia) und Michael Zahn (Deutsche Wohnen) die beiden Widersacher von damals noch heute an der Spitze ihrer Konzerne sind?

Damals mieden Buch und Zahn eine öffentliche Schlammschlacht. Statt mit harten Worten kämpften sie mit gewieften Manövern. Zahns Empörung über das „unangemessene“ und „inakzeptable“ Angebot des deutlich größeren Rivalen zählt noch zu den direktesten öffentlich bekannten Aussagen.

Vonovias Avancen waren kein vorsichtiges Vorfühlen auf mögliche Markt- und Politikreaktionen, wie dies nun scheinbar der Fall ist. Buch verhagelte mit seinem Angebot der Deutschen Wohnen deren eigene Wachstumsabsichten: Die Berliner waren damals gerade bei der Conwert abgeblitzt – die sich später übrigens Vonovia einverleibte – und versuchten, LEG Immobilien zu übernehmen. Just in diesem Moment funkte Buch dazwischen – mit Erfolg.

Zugegeben: Heute haben sich die Vorzeichen verändert. Damals schmeichelte Zahn seinen Aktionären mit der Aussicht auf ein stark auf Berlin fokussiertes Portfolio und der Hauptstadt mit hervorragenden Wachstumsaussichten. Heute trübt ein höchst umstrittener Mietendeckel in Berlin die Geschäftsaussichten.

Diskussionen um die Enteignung von Immobilienkonzernen mögen sich in der Hauptstadt zuletzt zwar beruhigt haben, verstummt sind sie aber nicht. Der Aktienkurs der Deutschen Wohnen liegt trotz Aktienrückkaufprogramm mit 37 Euro immer noch unter den als fairer Wert angesehenen 47 Euro, die die Nettovermögenswerte je Aktie indizieren.

Also eine günstige Gelegenheit für einen neuen Übernahmeanlauf? Auf dem Papier vielleicht schon. Solange jedoch Buch und Zahn an der Spitze ihrer Konzerne stehen, ist eine freundliche Übernahme in der Praxis kaum vorstellbar.