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Ölpreise auf Berg- und Talfahrt - Streit über Förderkürzung

NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise sind am Mittwoch nach anfänglichen Kursgewinnen unter Druck geraten. Berichte über einen Streit zwischen wichtigen Ölförderländern über die Erfüllung von Förderquoten belasteten die Stimmung. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 39,12 US-Dollar. Das waren 45 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 42 Cent auf 36,39 Dollar.

Nachdem die Ölpreise ihre Erholung der vergangenen Tage im europäischen Vormittagshandel zunächst fortsetzten, kam ab Mittag Druck auf. Hintergrund waren Berichte über Streit zwischen großen Förderländern, die sich unter dem Kürzel Opec+ zusammengefunden haben. Konkret geht es darum, ob und wie lange bestehende Förderkürzung zur Stabilisierung der Erdölpreise fortgesetzt werden sollen.

Den Berichten zufolge haben sich zwar die beiden Ölriesen Saudi-Arabien und Russland angenähert. Allerdings scheinen sie gemeinsam eine Front gegen andere Produzenten aufzubauen. Dabei geht es um die Einhaltung der vereinbarten Kürzungen, wogegen einige Produzenten in der Vergangenheit verstoßen haben.

Im Fokus der Kritik stehen wohl vor allem der Irak und Nigeria. Ohne eine glaubwürdige Zusage der Länder, sich künftig an versprochene Kürzungen zu halten, wollen Saudi-Arabien und Russland ihre Kürzungen nicht auf dem aktuellen Niveau fortführen.

Sollte es keine Einigung geben, würden die Kürzungen ab Juli schrittweise wegfallen. Dieses Szenario gilt am Ölmarkt als äußerst ungünstig, weil die Erdölnachfrage wegen der Corona-Krise immer noch wesentlich schwächer ist als vor der Krise. Vor einigen Wochen war die Situation am Ölmarkt derart eskaliert, dass der US-Ölpreis zeitweise negativ war.