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Airbus-Subventionen: Ökonomen erwarten hohe Kosten durch US-Strafzölle

Das Institut für Weltwirtschaft rechnet mit milliardenschweren Effekten, etwa durch Produktionsverlagerung. Leidtragende: Deutschland und Frankreich.

Amerikanische Strafzölle als Reaktion auf europäische Subventionen für Airbus würden laut einer Untersuchung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft vor allem Deutschland und Frankreich hart treffen. Die Wirtschaftsleistung (BIP) würde jeweils um rund zwei Milliarden Euro pro Jahr sinken. Das Bruttoinlandsprodukt der USA dagegen würde um knapp sechs Milliarden Euro jährlich höher ausfallen.

In geringem Maße profitieren würden auch Kanada, Mexiko und Japan. Die positiven Effekte für die Vereinigten Staaten erklären sich dem IfW zufolge dadurch, dass es aufgrund der Zölle Produktionsverlagerungen in die USA gäbe oder europäische Güter durch amerikanische ersetzt würden, selbst wenn diese teurer wären.

Die Welthandelsorganisation WTO hatte die USA in einer Entscheidung über die Airbus-Subventionen ermächtigt, zum Ausgleich Strafzölle von fünf bis acht Milliarden Euro auf europäische Güter zu verhängen. Die US-Regierung hat noch nicht entschieden, ob sie dies tatsächlich machen wird oder für welche Produkte höhere Abgaben fällig werden.

In einer vorläufigen Liste hatte Washington Mitte des Jahres vor allem fertige Airbus-Flugzeuge, aber auch viele Flugzeugteile und sogar landwirtschaftliche Produkte aufgeführt.

US-Airlines haben sich scharf dagegen gewandt, da sie extreme Kostensteigerungen befürchten. „Das Pikante an der Entscheidung ist, dass sie den Handelskonflikt zwischen den USA und Europa wieder anfachen könnte, genau in dem Moment, in dem Ruhe einzukehren schien“, sagte IfW-Chef Gabriel Felbermayr. Zu den Verlierern würden auch die beiden anderen großen Airbus-Länder Spanien und Großbritannien zählen, allerdings in weitaus geringerem Maße als Frankreich und Deutschland.

Gegenmaßnahmen mit Wirkung

Das Bild würde sich allerdings völlig umkehren, wenn die WTO wie erwartet in sechs bis acht Monaten die EU ihrerseits ermächtigt, wegen amerikanischer Beihilfen für Boeing ebenfalls Strafzölle einzuführen, dann auf US-Güter.

„Im Falle wechselseitiger Strafzölle könnte die EU ein minimales Plus bei der Wertschöpfung verzeichnen, während sie in den USA um 5,4 Milliarden Euro sinken würde“, schreibt das Institut für Weltwirtschaft. Die Untersuchung stärkt das Argument der Europäer, dass es im gegenseitigen Interesse ist, eine einvernehmliche Lösung zu suchen, statt sich gegenseitig mit Zöllen zu überziehen.

Boeing erhält jedes Jahr Steuersubventionen in Milliardenhöhe. Die WTO hat grundsätzlich entschieden, dass die EU deshalb Anspruch auf Entschädigung hat, und muss nur noch die genaue Höhe der Strafzölle festlegen, die Europa einführen darf. Mit dieser Entscheidung wird in ungefähr sechs Monaten, jedenfalls am Anfang des kommenden Jahres, gerechnet. Die EU hat bereits klargemacht, dass sie die entsprechenden Zusatzzölle verhängen wird, sollten die USA nicht auf ihren Vorschlag eingehen und eine einvernehmliche Lösung suchen.