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Ärger um Gorillas-Betriebsratswahl: Dutzende Angestellte angeblich auf „Schwarzer Liste“

·Lesedauer: 3 Min.
Wer darf rein, wer nicht? Wegweiser zur Gorillas-Betriebsversammlung
Wer darf rein, wer nicht? Wegweiser zur Gorillas-Betriebsversammlung

Der Gorillas-Angestellte ist wütend: „Ich bin auf der schwarzen Liste!“ Er ist heute zum Kongresshotel Estrel im Berliner Stadtteil Neukölln gekommen, um an der Betriebsversammlung des Liefer-Startups teilzunehmen. Diese wurde einberufen, um einen Wahlvorstand für den Betriebsrat zu wählen. Der erste Schritt, um eine Mitarbeitervertretung bei dem 10-Minuten-Lieferdienst einzuführen. Der Angestellte, der anonym bleiben will, darf aber nicht rein. Er habe selbst als Fahrer bei der Firma angefangen, sei seit dem Start von Gorillas vor über einem Jahr dabei. In der Zeit habe er sich hochgearbeitet, zum „Riders’ Captain“. In dieser Rolle sei er für etwa 20 Fahrer verantwortlich. Deshalb stehe sein Name auf der Liste derer, die an der Betriebsversammlung nicht teilnehmen dürften, sagt er. „Das kann nicht wahr sein“, ärgert sich ein anderer – ein Entwickler, der nach eigener Aussage ebenfalls nicht in den Versammlungsraum darf.

Knapp 200 Leute sind nach Aussage der Organisatoren am heutigen Donnerstag zum Kongresshotel gekommen. Initiiert hat die Versammlung das „Gorillas Workers Collective“, das bisher vor allem anonym über ihren Twitter-Account kommuniziert hat. Auf Flyern und in Telegram-Gruppen riefen sie alle Gorillas-Angestellten in Berlin dazu auf, an der heutigen Wahl teilzunehmen. Alle Angestellten seien eingeladen, nicht nur die Fahrerinnen und Fahrer, bis auf Management und Führungskräfte, hieß es noch am Vortag in einem Q&A zur Veranstaltung.

Fraglich ist, ob der Ausschluss der Führungskräfte rechtens ist. Dem Arbeitsrechtler Pascal Croset zufolge nicht, laut Gesetz dürften alle, die wahlberechtigt sind, auch an der Versammlung teilnehmen, sagt er: „Wenn ein erheblicher Teil der Leute ausgeschlossen wird, ist die Wahl nichtig.“ Das könnte im Zweifelsfall bedeuten, dass der Wahlvorstand nicht anerkannt wird und die Prozedur wiederholt werden muss. Lediglich dem C-Level, und in Einzelfällen noch einer Ebene darunter, könne die Stimme verwehrt werden, so Croset.

Führungskräfte ausgeschlossen – aus Sorge vor Repressalien

Das Fahrerkollektiv hatte im Vorhinein zwar schon verkündet, dass Management und Führungskräfte nicht willkommen seien, spezifizierte jedoch nicht, wer genau zu dieser Gruppe gehört. So gibt es am Donnerstagnachmittag Dutzende Gorillas-Angestellte, die umsonst zum Hotel gekommen sind und ihrem Ärger vor dem Gelände Luft machen. Die Organisatoren versuchen die Situation zu beruhigen: Sämtliche Personen mit Führungsverantwortung seien „aus rechtlichen Gründen“ von der Veranstaltung ausgeschlossen worden, aus Sorge vor Repressalien gegen die anwesenden Mitarbeiter, sagen sie.

Im Gespräch mit Gründerszene geben jedoch einige an, keinerlei Führungsverantwortung zu haben und dennoch nicht teilnehmen zu dürfen. So etwa ein Praktikant oder eine Art Directorin, die nach eigener Aussage lediglich eine einzelne Praktikantin unter sich hat. Ein Vertreter des Kollektivs versucht, die Entscheidung Gründerszene gegenüber zu rechtfertigen: Die Personen seien möglicherweise von der Versammlung ausgeschlossen worden, weil sie ein Praktikum im Management absolvierten oder den Titel „Director“ führten. Nach eigener Aussage haben die Organisatoren zuvor negatives Feedback von einzelnen Personen mit Management-Titeln zu ihren Bemühungen bekommen.

Einem Statement von Gorillas zufolge seien „ungefähr 50 Personen” betroffen gewesen, allesamt ohne Personalverantwortung. „Diese hätten somit zur Wahl zugelassen werden müssen”, so das Unternehmen.

Manche der Angestellten aus dem Gorillas-Büro zeigen sich enttäuscht über ihren Ausschluss. Sie hätten ihre Interessen gern ebenfalls vertreten gesehen, sagen sie. Denn auch sie würden schlecht bezahlt und müssten unzählige Überstunden machen. Obendrein seien sie von den Betriebsrats-Organisatoren mehrfach darauf hingewiesen worden, dass ihre Anwesenheit bei der Versammlung wichtig sei.

Das Sicherheitspersonal des Estrel-Hotels bittet sie schließlich das Gelände zu verlassen. Sie seien nicht befugt, an der Veranstaltung teilzunehmen.

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