Deutsche Märkte schließen in 4 Stunden 50 Minuten

Aufruhr um Booster-Impfstoffe: Bund verordnet mehr Moderna, spendet aber Biontech — Ärzteverband fordert Rücktritt Jens Spahns

·Lesedauer: 3 Min.

Die Ankündigung von Gesundheitsministe Jens Spahn (CDU), Biontech-Lieferungen für Booster-Impfungen zugunsten des Impfstoffes Moderna zu begrenzen, sorgt für Kritik aus den Ländern und Ärzteverbänden.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte in einem Schreiben an die Länder für die nächsten Wochen Begrenzungen bei Bestellmengen für den Impfstoff von Biontech/Pfizer angekündigt, damit das Präparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen vermehrt zum Einsatz kommt. Andernfalls drohten eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022 zu verfallen, was vermieden werden müsse, argumentierte Spahn. Praxen sollen demnach vorerst maximal 30 Dosen Biontech pro Woche bestellen können, Impfzentren und mobile Impfteams 1020 Dosen. Für Bestellungen von Moderna soll es keine Höchstgrenzen geben.

Die Übersicht des Gesundheitsministeriums zur Lieferprognose aller Hersteller für 2021
Die Übersicht des Gesundheitsministeriums zur Lieferprognose aller Hersteller für 2021

Die Lieferprognose des Gesundheitsministeriums zeigt gleichzeitig, dass deutlich mehr Moderna-Dosen als Biontech bestellt wurden – im 4. Quartal allein fast doppelt so viel. Laut Argumentation des Ministeriums kommt es zu Problemen bei der Lagerung von Moderna und Biontech habe allgemein in der Bevölkerung die höchste Akzeptanz. Laut der Übersicht, die wohlgemerkt nur auf Prognosen beruht, hat Deutschland bisher auch keine Moderna-Dosen für internationale Programme verschenkt.

Aus einem Regierungspapier zu den Lieferprognosen des Gesundheitsministeriums geht hervor, dass Deutschland in diesem Monat voraussichtlich fast 8,8 Millionen Dosen Biontech über die Initiative Covax an Drittstaaten spenden wird oder gespendet hat. Im Oktober sollen demnach bereits fast 1,7 Millionen Dosen verschenkt worden sein. Deutschland beteiligt sich an der Initiative, um den Impfstatus weltweit auch in ärmeren Ländern zu verbessern.

Bayrische Ärzte fordern Spahns Rücktritt

Neben scharfer Kritik, die aus den Ländern kommt, fordert nun der bayrische Ärzteverband sogar den Rücktritt Jens Spahns als Gesundheitsminister. Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) habe dies einstimmig von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gefordert. Eine derartige Resolution sei bisher in der Geschichte der KVB noch nie vorgekommen.

„Diese erneute Sabotage der Impfkampagne für unsere Praxen und für die Menschen, die uns vertrauen, muss umgehend gestoppt werden“, heißt es dazu in der Resolution. „Dieser Minister, auch wenn er nur noch geschäftsführend im Amt ist, verkündet entweder umgehend, dass dieser Schwachsinn sofort zurückgedreht wird, und wir die Impfmengen an BioNTech, die wir bestellen, auch geliefert bekommen oder er muss sofort aus dem Amt entfernt werden", sagte Markus Beier, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes und stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes.

Spahn sagte dazu der Deutschen Presse-Agentur: "Ich weiß, dass diese kurzfristige Umstellung für viele engagierte Helferinnen und Helfer vor Ort in den Arztpraxen und Impfzentren viel zusätzlichen Stress bedeutet. Und das bedauere ich ausdrücklich." Die Nachfrage nach Biontech sei in den letzten zwei Wochen so stark gestiegen, dass sich das Lager sehr schnell leere. Allein in der neuen Woche würden fast sechs Millionen Dosen an die impfenden Stellen geliefert. Das sei mehr, als es bisher überhaupt an Booster-Impfungen in Deutschland gegeben habe. Mit Biontech und Moderna gebe es zwei exzellente und hochwirksame Impfstoffe, sagte Spahn. Von beiden gebe es genug, um bis Jahresende 50 Millionen Menschen zu impfen.

Nach Angaben der KVB haben Bayerns Praxen bislang 7.532.717 Corona-Schutzimpfungen durchgeführt. Dabei wurde zu 85,4 Prozent der Impfstoff von BioNTech-Pfizer gespritzt. Bislang haben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 5,6 Millionen Menschen in Deutschland eine Auffrischungsimpfung erhalten. Allein in dieser Woche seien bisher 1,7 Millionen Bürger "geboostert" worden, twitterte Spahn am Samstag.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.