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Die Grippewelle hat Deutschland fest im Griff – sind die Krankenkassen schuld?

Die Grippewelle hat Deutschland fest im Griff – sind die Krankenkassen schuld? (Bild: thinkstock)
Die Grippewelle hat Deutschland fest im Griff – sind die Krankenkassen schuld? (Bild: thinkstock)

Die Grippe wütet seit Wochen in Deutschland, schlimmer als in den Jahren zuvor. Viele liegen zuhause flach oder werden sogar mit schweren Symptomen in Krankenhäuser eingewiesen. Ein Ende der Grippewelle ist noch nicht in Sicht. Ein Grund für den schlimmen Verlauf der diesjährigen Grippewelle könnte die Unterversorgung mit Impfstoffen sein. Die waren zeitweise nicht verfügbar. In vielen Bundesländern hatten die gesetzlichen Krankenkassen Rabattverträge mit dem Pharma-Unternehmen Novartis geschlossen, das dann nicht wie vereinbart liefern konnte.


Hohes Fieber, Schüttelfrost, Hals- und Gliederschmerzen sowie Husten – wen eine echte Grippe erwischt hat, der sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn schnell geht eine Influenza auch mit einer Lungenentzündung einher und kann im schlimmsten Fall sogar tödlich sein. Deshalb raten viele Ärzte jedes Jahr im Herbst zur vorsorglichen Grippeimpfung.

Die Kosten dafür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. „Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) zählen ältere Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, chronisch Kranke und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen zu den besonders gefährdeten Personengruppen. Ihnen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des RKI sich gegen Grippe impfen zu lassen. Die Kosten dafür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Im Zweifelsfalle sollte man sich immer bei seiner Krankenkasse erkundigen, ob sie die Kosten für eine Impfung übernimmt“, so Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gegenüber Yahoo! Finanzen.

Doch wer sich in der laufenden Saison impfen lassen wollte, konnte das nicht immer. Denn die Impfstoffe waren in vielen Bundesländern knapp und zeitweise schlichtweg nicht verfügbar. Im Zusammenhang damit kritisieren Ärzte und Apotheker die gesetzlichen Krankenkassen. Denn die hatten im Rahmen einer Ausschreibung einen Rabattvertrag mit dem Pharmakonzern Novartis geschlossen, der die georderten Impfstoffe nicht in ausreichender Anzahl liefern konnte.

Viele Patienten wurden aus diesem Grund nicht geimpft, was letztendlich der Grund für den sprunghaften Anstieg der Grippefälle sein könnte. Denn ob in Bayern, im Saarland oder in Hamburg und Berlin – die Anzahl der Grippefälle ist in vielen Bundesländern in der Saison 2012/2013 geradezu alarmierend hoch.

In einer Pressemitteilung kritisierten Dr. Gunter Hauptmann, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes schon Ende vergangenen Jahres das Missmanagement einzelner gesetzlicher Krankenkassen: „Es ist nicht akzeptabel, das ökonomisches Kalkül einer sicheren Versorgung vorgeht! Hier haben einige Krankenkassen am falschen Ende gespart – zu Lasten der Versicherten! Wir fordern daher die Politik auf, das Instrument der Ausschreibungen in so sensiblen Bereichen wie dem Impfstoffbereich abzuschaffen.“

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Aber was tun, wenn man vom Arzt die Absage bekommt? „Der Patient sollte entweder abwarten, bis der Impfstoff bei seinem Arzt wieder verfügbar ist, oder aber – falls es zu längeren Lieferzeiten kommen sollte – eine andere Praxis aufsuchen“, rät Stahl. Für Risikopatienten ist es übrigens auch zum jetzigen Zeitpunkt noch sinnvoll, sich impfen zu lassen. „Zwar scheinen wir den Höhepunkt der Grippewelle hinter uns gelassen zu haben, aber trotzdem ist gerade für die besonders gefährdeten Personengruppen eine Impfung immer noch sinnvoll. Eine vorherige Beratung durch den Arzt ist hierbei empfehlenswert“, so der KBV-Sprecher.

Beim Deutschen Apothekertag 2012 forderte die Hauptversammlung den Verzicht auf Ausschreibungen und Rabattverträge bei Impfstoffen. (Bild: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände)
Beim Deutschen Apothekertag 2012 forderte die Hauptversammlung den Verzicht auf Ausschreibungen und Rabattverträge bei Impfstoffen. (Bild: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände)

Angesichts des Impfchaos in den vergangenen Monaten fordern viele Experten, wie etwa die Kassenärztliche Vereinigung und die Apothekerkammer des Saarlandes, das Ausschreibungen für Impfstoffe abzuschaffen seien. Auch auf dem Deutschen Apothekertag 2012 in München wurde diesbezüglich mobil gemacht. Die Teilnehmer forderten in einer Resolution einstimmig den Verzicht von Rabattverträgen bei Impfstoffen.

Um die Immunisierung großer Bevölkerungsteile künftig nicht zu gefährden, sieht auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung Handlungsbedarf bezüglich der Rabattverträge im Grippe-Impfstoffbereich. „Wir als Kassenärztliche Bundesvereinigung empfehlen, dass die Krankenkassen nicht nur mit einem Anbieter Verträge abschließen. Ansonsten kann es beim Ausfall des einen Anbieters – wie bereits geschehen – zu Engpässen kommen. Auch wenn diese nur von kurzer Zeit sind und nur einzelne Regionen betreffen – sie verunsichern die Bevölkerung erheblich und werfen alle Anstrengungen über den Haufen, die Teilnahmeraten an dieser wichtigen Vorsorge zu erhöhen“, so Roland Stahl gegenüber Yahoo! Finanzen.

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