Hannes Zipfel, Chefökonom und Vorstand der VSP Financial Services AG macht aus seiner Enttäuschung über die europäische Krisenbewältigungspolitik keinen Hehl: „Seit Oktober 2009 werden Maßnahmen zur Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise ergriffen. Mehr und mehr entfalten diese nun ihre Wirkung, wenn auch nicht in der Art (Berlin: FWP.BE - Nachrichten) und Weise, wie die politischen Akteure sich dies vorgestellt hatten.“ Der Chef des Wiesbadener Finanzdienstleistungsunternehmens mit Fokus auf Makroökonomie, kundenorientierte Investmentstrategien sowie bedarfsgerechte Portfoliolösungen, erkennt entgegen der politischen Rhetorik keinerlei nachhaltige Erfolge in den Schuldenstaaten. Die angestrebte Haushaltkonsolidierung mache keine Fortschritte. Die strukturelle Arbeitslosigkeit werde nicht geringer. Und vor allem in puncto Wettbewerbsfähigkeit kämen Politiker und Unternehmen in vielen Ländern nicht voran. „Die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands in einem für das Land zu engen Währungskorsett ist ja gerade das Kernproblem, das neben den Sparzwängen die Wirtschaft schrumpfen lässt“, sagt Zipfel. Ein politisches Umsteuern erwartet er dennoch nicht. „Dazu ist es noch zu früh.“ Denn vor allem die deutsche Bundeskanzlerin könne im Moment nur schwer vom Pfad der Fiskalkonsolidierung abrücken. Dazu bestehe auch noch kein Grund, denn im Gegensatz zu den südeuropäischen Ländern, spüre Deutschland noch keine volkswirtschaftlichen Schäden. Die aktuellen Haushaltsüberschüsse und das moderate Wachstum zeigten dies deutlich. Zipfel erwartet eine Änderung der Politik erst, wenn auch Deutschland die Krise zu spüren bekommt. Dann werde die Bundeskanzlerin anfangen „Konjunkturpakete statt Sparpakete zu schnüren.“ Dies werde in Südeuropa Schule machen, erwartet der Experte, und das auf Pump. „Die Finanzierungsquelle dafür steht auch fest und Gewehr bei Fuß: Die EZB.“ Die positiven Konjunkturzahlen aus Deutschland könnten die Probleme der Eurozone nicht ausgleichen. Zwar sei die deutsche Volkswirtschaft im dritten Quartal 2012 um insgesamt 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um einen Prozentpunkt gegenüber dem dritten Quartal 2011 gewachsen; „auch für das Schlussquartal rechnen wir mit einem, wenn auch abgeschwächten, Wachstum von ca. 0,1 Prozent gegenüber dem dritten Quartal“, so Zipfel. Dennoch ist die europäische Wirtschaft im dritten Quartal offiziell in die Rezession abgerutscht. „Das BIP der Eurozone ist nach einem Stagnationsquartal zum Jahresauftakt im dritten Quartal zum zweiten Mal in Folge geschrumpft“, erkennt der Ökonom. Vor allem die Südländer hätten einen starken Anteil an der Entwicklung mit zum Teil drastischen Einbrüchen. So schrumpfte die griechische Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 Prozent. „Wir erwarten speziell für das erste Quartal 2013 eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Kontraktion in Europa und eine Stagnation in Deutschland“, befürchtet Zipfel. Eine Erholung werde frühestens im zweiten Halbjahr eintreten. Dies aber nur, wenn es zu einer Abkehr der Politik prozyklischer Sparmaßnahmen komme.Positiv blickt Zipfel dagegen auf die Aktienmärkte: „Wir gehen für das kommende Jahr von einem insgesamt positiven Aktienjahr aus, mit dynamisch steigenden Notierungen zum Jahresultimo.“ Anleihen dagegen blieben auch 2013 nach Steuern und Inflation Risikopapiere ohne adäquate Zinskompensation, auch wenn in diesem Segment insbesondere aus Europa positive Signale kämen. „Mit der implizierten Totalgarantie der EZB für alle Staatsanleihen der Eurozone ist die Gefahr von Zahlungsausfällen deutlich gemindert worden“, so Zipfel. Zudem könnten sich die geplanten Projektbonds zu einer interessanten Anlagealternative im Fixed-Income Bereich entwickeln. Trotz dieser Lichtblicke stellt Zipfel fest: „Wir kennen keine Lösung für die Eurokrise, die für die Bürger der Eurozone ohne drastische Konsequenzen für ihr Vermögen einhergeht.“(PD)
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