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Zentralbanken machen Asiens Investoren Hoffnung

Asiens Börsen notieren nach massiven Kursabschlägen wieder im Plus. Die Kursgewinne folgen auf Leitzinssenkungen in mehreren Ländern.

Das Eingreifen der Zentralbanken und die Hoffnung auf neue Konjunkturprogramme zeigen Wirkung: An den Börsen im Asien-Pazifik-Raum kommt es zum Wochenausklang zu einer vorsichtigen Erholung.

Von Australien über Korea bis nach China und Südostasien gingen fast alle Aktienmärkte im Plus aus dem Handel. Nur Japan beteiligte sich nicht an den Kurszuwächsen: Dort waren die Börsen wegen eines Feiertags geschlossen.

Der Kospi-Index in Südkorea notierte zum Börsenschluss mehr als sieben Prozent im Plus. Der Index war zuvor auf den tiefsten Stand seit 2009 gefallen. Die Regierung in Seoul kündigte am Donnerstag ein 39-Milliarden-Dollar-Programm an, das die Finanzierung kleiner Unternehmen angesichts der Coronavirus-Krise sicherstellen soll.

Auch in Taiwan und Hongkong erholten sich die Börsen und legten zum Handelsschluss mehr als vier Prozent zu. Der chinesische Leitindex CSI 300, der die Kursentwicklung an den Börsen in Schanghai und Shenzen widerspiegelt, stieg um mehr als ein Prozent.

In Australien notierte der Leitindex S & P/ASX 200 am Vormittag zeitweise um mehr als vier Prozent höher als am Vortag, zum Börsenschluss notierte er nur noch im leichten Plus. Die Regierung von Premierminister Scott Morrison bereitet derzeit ein zweites Konjunkturpaket vor, um die wirtschaftlichen Folgen der Viruspandemie abzufedern. Es soll „signifikant größer“ ausfallen als das Zehn-Milliarden-Dollar-Programm, das Australien vergangene Woche vorgestellt hat, sagte Finanzminister Josh Frydenberg am Freitag in einem Fernsehinterview.

Australien stoppt Einreise für Ausländer

In Australien tritt an diesem Freitag ein Einreiseverbot für Ausländer in Kraft. Zudem verbietet die Regierung nun Ansammlungen von mehr als 100 Menschen in geschlossenen Räumen. In dem Land gibt es derzeit rund 680 bestätigte Covid-19-Erkrankungen.

Die australische Zentralbank RBA startete am Freitag Anleihenkäufe im Rahmen eines Quantitative-Easing-Programms, mit dem die Notenbanker gegen Turbulenzen auf den Finanzmärkten vorgehen wollen. Am Donnerstag hatte die RBA zudem ihren Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt.

Australien steht aus Sicht von Ökonomen nicht nur vor der ersten Rezession seit drei Jahrzehnten – sondern auch vor dem schwersten Wirtschaftseinbruch seit der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren.

Analysten der Investmentbank Goldman Sachs prognostizierten am Freitag einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um sechs Prozent – vor allem wegen des Einbruchs im privaten Konsum. Sie gehen davon aus, dass sich die Ausgaben für Hotel- und Restaurantbesuche in diesem Jahr halbieren werden.

Mehrere Zentralbanken reagieren mit Gegenmaßnahmen

Auch die Länder Südostasiens bereiten sich auf einen gravierenden Wirtschaftsabschwung vor. Mehrere Zentralbanken der Region reagierten darauf am Donnerstag mit Gegenmaßnahmen: Die Notenbanken der Philippinen und Indonesiens senkten ihre Leitzinsen um 50 beziehungsweise 25 Basispunkte. In Malaysia senkte die Zentralbank den Mindestreservesatz, um für zusätzliche Liquidität im Finanzsystem zu sorgen.

Malaysia hat mit rund 900 Fällen die meisten bestätigten Coronavirus-Infektionen der Region. Um die Ausbreitung einzudämmen, schloss das Land seine Grenzen und schränkte die Bewegungsfreiheit deutlich ein. Auch auf den Philippinen gelten bereits Notstandsregeln. Am Donnerstag kündigte die Regierung ein vollständiges Einreiseverbot für Ausländer an.

Auch in Indonesien traten am Freitag weitgehende Einreisebeschränkungen für Ausländer in Kraft. Südostasiens größte Volkswirtschaft droht, von der Gesundheitskrise durch das Coronavirus mit am stärksten getroffen zu werden.

Das Land hat bisher 25 Todesfälle als Folge der Covid-19-Erkrankung gemeldet – so viele wie kein anderes Land in der Region. Die Zahl der offiziell bestätigten Infektionen ist mit rund 300 vergleichsweise gering, was bei Beobachtern Zweifel weckt, ob genug getestet wird.

Auch das Vertrauen der Investoren in das Krisenmanagement des Landes scheint gering: Die Börse in Jakarta bildete am Freitagmorgen zunächst eine Ausnahme und notierte im Minus – zeitweise um mehr als drei Prozent. Später erholten sich die Kurse aber wieder und notierten mehr als ein Prozent im Plus.

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