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"Wohlstandserwartung reduzieren": FDP-Urgestein Baum fordert Umdenken von junger Generation

Gerhart Baum mahnt die junge Generetion, ihre Erwartungen an Wohlstand zu reduzieren. (Bild: ARD/WDR)
Gerhart Baum mahnt die junge Generetion, ihre Erwartungen an Wohlstand zu reduzieren. (Bild: ARD/WDR)

Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) sieht den bevorstehenden Krisenwinter als "eine Bewährungsprobe unserer Demokratie". Die jüngere Generation rief der Alt-Lieberale dazu auf, ihren Lebensstil zu überdenken. Ein Einknicken vor Putin komme aus Gründen der Erpressbarkeit nicht infrage.

Er ist einer der letzten politischen Zeitzeugen, die Entstehung und Entwicklung der Bundesrepublik in Gänze miterlebten. Vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen mit Zerstörung und Not nach dem Zweiten Weltkrieg blicke er auf den bevorstehenden Krisenwinter ein Stück weit "lässiger", bestätigte Gerhart Baum (89) am Mittwochabend als Talk-Gast bei "maischberger. die Woche". "Wir haben Entbehrungen hingenommen, wir haben gehungert, wir waren auf der Flucht, wir waren mit dem Tod konfrontiert", erinnerte sich das FDP-Urgestein im Gespräch mit Sandra Maischberger.

Solche Demut könne helfen, die aktuelle Energie- und Inflationskrise besser einzuschätzen. Zwar erwarte er von der jungen Generation nicht, sich in die damalige Situation zurückzuversetzen, forderte jedoch eines ganz klar: "Ich möchte darum bitten, sich ein bisschen mehr anzupassen, den Lebensstil zu ändern, Erwartungen an den Wohlstand zu reduzieren." Baum, der als Kind gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nach Bayern flüchten musste, betonte: "Jetzt im Winter kommt eine Bewährungsprobe unserer Demokratie - halten wir das durch?"

Angesichts solch tiefgreifender Herausforderungen für Gesellschaft und Volkswirtschaft übte der Alt-Liberale Kritik an der Ampel-Koalition. Er erwarte nun eine Regierung, "die sich nicht streitet, sondern sagt, was Sache ist". Moderatorin Maischberger nahm ihn beim Wort: "Die FDP ist aber mit dabei und streitet mit. Soll ihr Kollege Finanzminister Christian Lindner also aufhören, sich mit Wirtschaftsminister Robert Habeck zu streiten?" Baum antwortete ausweichend, natürlich dürfe es Streit in der Sache geben. Aber in "elementaren Dingen, wenn es um das Wohl das Landes geht", erwarte er auch von der Opposition, "dass sie mit dabei ist".

Im Gespräch mit Sandra Maischberger plädierte Gerhart Baum für einen konsequenten Kurs gegen Putin: "Wenn wir uns einer Erpressung beugen, ist es das Ende unserer Politik." (Bild: ARD/WDR)
Im Gespräch mit Sandra Maischberger plädierte Gerhart Baum für einen konsequenten Kurs gegen Putin: "Wenn wir uns einer Erpressung beugen, ist es das Ende unserer Politik." (Bild: ARD/WDR)

Gerhart Baum: "Wenn wir uns einer Erpressung beugen, ist es das Ende unserer Politik"

Schließlich war der Angriffskrieg auf die Ukraine Thema bei Maischberger. "Wo stehen wir?", fragte die Moderatorin besorgt. "Putin ist nicht das ganze Russland", setzte Baum an, der familiäre Wurzeln in Russland hat. Es gebe noch immer ein "anderes Russland", das den Krieg nicht will. Man müsse sich fragen, was im restlichen Russland passiert.

Maischberger warf ein: "Solange Putin an der Macht ist, würde es doch aber keinen großen Nutzen bringen, Einfluss nehmen zu wollen, oder?" Baum entgegnete, Putin befinde sich bereits in einer "harten politischen Defensive". Auf Maischbergers Frage, wie weit der Westen angesichts der russischen Nukleardrohungen überhaupt noch gehen sollte, äußerte sich Baum strikt: "Wenn wir uns da einer Erpressung beugen, ist es das Ende unserer Politik. Putin denkt irrational."

Man müsse Russland in eine Situation bringen, in der es Abstand von seinem aggressiven Imperialismus nimmt. Es gebe in Russland "eine strukturelle Aggressivität, die im System steckt". "Muss man also bereit sein, gegen dieses Land unter diesem Regime einen Krieg zu führen?", brachte es Maischberger auf den Punkt. "Ja, das muss man wohl", antwortete Baum.