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WOCHENAUSBLICK: Anleger müssen mit hoher Unsicherheit zurechtkommen

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FRANKFURT (dpa-AFX) - In der neuen Woche werden einige ungewöhnlich wichtige Themen aus Politik und Wirtschaft die Richtung am deutschen Aktienmarkt bestimmen. Zwar hatte in den USA der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden am Wochenende den Sieg errungen. Allerdings kündigte Noch-Amtsinhaber Donald Trump postwendend an, die Wahl anfechten zu wollen. Im Fokus bleibt auch die Pandemie, da die Corona-Neuinfektionszahlen in vielen Ländern neue Rekordniveaus erreichen und Regierungen ihre Maßnahmen zur Virus-Eindämmung verschärfen. Zudem dürften Äußerungen zu den Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union aufmerksam verfolgt werden. Auch Reden von Zentralbankern aus den USA und der Eurozone stehen an sowie wichtige Konjunkturdaten. Und nicht zuletzt geht die Berichtssaison weiter.

Die Situation rund um die Corona-Pandemie samt den Effekten von neuen Lockdowns werde mit tonangebend bleiben und "die wirtschaftliche Entwicklung im laufenden vierten Quartal deutlich beeinträchtigen", schreibt Deutsche-Bank-Analyst Henry Allen. Das wiederum bringt über kurz oder lang die Zentralbanken erneut ins Spiel, denn an den Märkten wird wieder zunehmend auf weitere Lockerungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) gesetzt. In den USA könnte die Fed auf die neue Corona-Welle und das bisherige Ausbleiben eines weiteren Konjunkturprogramms mit weiteren quantitativen Lockerungen reagieren, wie Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner erwartet.

Das dritte Thema ohne fixes Datum schließlich ist der Ende des Jahres bevorstehende Austritt Großbritanniens aus dem europäischen Binnenmarkt. Hier dürfte jedwedes Anzeichen eines Fortschrittes beobachtet werden, um die Wahrscheinlichkeit einer noch rechtzeitigen Einigung abzuwägen, schreibt der Deutsche-Bank-Analyst Allen.

Von diesen Themen abgesehen gibt es wie üblich noch einige Wirtschaftsdaten: Neben Konjunkturdaten aus Japan und China am Anfang der Woche stehen am Donnerstag in den USA die wöchentliche Arbeitsmarktdaten sowie die Inflationsdaten auf der Agenda. Am Freitag rückt das von der Universität Michigan ermittelte Konsumklima in den Blick. Hierzulande rückt die Industrieproduktion der Eurozone am Donnerstag in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Zuvor, am Montag, stehen die deutschen Außenhandelsdaten für September an sowie am Dienstag die ZEW-Umfrage im November. Der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gibt die mittelfristigen Erwartungen zur Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung von Analysten und institutionellen Anlegern wieder und ist neben dem Ifo-Geschäftsklimaindex das am meisten beachtete deutsche Konjunkturbarometer.

Unternehmensseitig richtet sich der Blick zunehmend auf die Quartalsbilanzen deutscher Konzerne. Allein aus dem Leitindex Dax <DE0008469008> werden am Dienstag die Zahlen des Sportartikelherstellers Adidas <DE000A1EWWW0> erwartet, am Mittwoch die des Versorgers Eon <DE000ENAG999> sowie am Donnerstag die von Konkurrent RWE <DE0007037129>, der Deutschen Telekom <DE0005557508>, des Industriekonzerns Siemens <DE0007236101> und des Pharma- und Spezialchemieherstellers Merck KGaA <DE0006599905>. Am Freitag schließlich berichtet Deutsche Wohnen <DE000A0HN5C6>.

Endgültige Quartalszahlen legten darüber hinaus noch Deutsche Post <DE0005552004>, Henkel <DE0006048432> und Continental <DE0005439004> vor. Zudem könnten am Montag noch die Anteilscheine des Agrar- und Pharmakonzerns Bayer <DE000BAY0017> mit möglichen Neuigkeiten zum Glyphosat-Rechtsstreit in den USA in den Fokus rücken.

Wohin also die Reise für Aktien in der neuen Woche genau gehen wird, wagt angesichts der zahlreichen Unbekannten und der damit verbundenen Unsicherheit aktuell niemand vorherzusagen. Doch auch wenn es immer mal wieder zu Rücksetzern kommen wird, bleiben viele Marktexperten mittelfristig positiv gestimmt. So etwa Analyst Markus Reinwand von der Helaba. "Die Belastungsfaktoren für Aktien liegen auf der Hand", schreibt er unter Verweis auf die Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen. Außerdem hält er Aktien für zum Teil "hoch bewertet". Zugleich spreche aber auch einiges für weiter steigende Kurse: "Zusätzliche Konjunkturpakete sind in der Pipeline. Die Geldpolitik ist extrem expansiv und wird dies auf absehbare Zeit bleiben. Gleichzeitig gibt es angesichts rekordniedriger Zinsen keine ernst zu nehmende Konkurrenz für Dividendentitel."/ck/jsl/he

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---