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Wirtschaftsweise Grimm schlägt subventionierte Gasgrundversorgung vor

NÜRNBERG (dpa-AFX) - Die "Wirtschaftsweise" Veronika Grimm hat in der Diskussion um Entlastung von Haushalten wegen der explosionsartig gestiegenen Gaspreise einen staatlich subventionierten Grundverbrauch ins Spiel gebracht. Haushalte bis zu einem bestimmten Einkommen könnten eine bestimmte Menge - zum Beispiel 75 Prozent des Durchschnittsverbrauches - zu günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt bekommen, sagte Grimm am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Nürnberg. Der Mehrverbrauch müsste dann zum Marktpreis gezahlt werden.

"Es ist wichtig, die höheren Gaspreise zeitnah an die Verbraucher weiterzugeben, gleichzeitig muss aber ein glaubwürdiges Entlastungspaket auf den Tisch. Das wird teuer", sagte Grimm. Selbst wenn man die Menschen nicht vollumfänglich entlastet und sich auf die unteren und mittleren Einkommen fokussiert, können 40 Milliarden Euro zusammenkommen. Bei den Haushaltsplanungen müsste dies berücksichtigt werden", betonte sie.

Ein Modell der subventionierten Grundversorgung würde einen Anreiz zum Energiesparen geben und zugleich möglichen Zahlungsschwierigkeiten von Mietern, Versorgern und auch Vermietern vorbeugen - letztere treten derzeit gegenüber Versorgern in Vorleistung und können nicht sicher sein, ihr Geld von den Mietern zurückzubekommen. Die Versorger stehen vor dem Problem, dass sie ihre Verträge nicht so schnell anpassen können, wie die Preise steigen.

"Mögliche Liquiditätsprobleme bei Mietern, Vermietern und Versorgungsunternehmen würden gar nicht erst entstehen", sagte Grimm. Die Volkswirtschafts-Professorin ist Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, dem Gremium der sogenannten Wirtschaftsweisen.

Die Diskussion um die Gasumlage sei verfehlt. Der Gaspreis habe sich vermehrfacht, die Gasumlage mache mit 2,4 Cent pro Kilowattstunde nur einen vergleichsweise kleinen Teil aus. "Die Gasumlage ist derzeit nicht der entscheidende Punkt", betonte sie.

Es sei aber zu befürchten, dass Deutschland in eine ganze Reihe kleinteiliger Probleme hineinlaufe, etwa dann, wenn es tatsächlich zu einer Gasknappheit und damit zu einer Rationierung komme. Neben möglichen Zahlungsschwierigkeiten sei dann auch eine Unterbrechung von Wertschöpfungsketten denkbar. Der Bundesnetzagentur stünden derzeit nicht ausreichend Informationen zur Verfügung, um eine fehlerfreie Verteilung einer verknappten Gasmenge zu garantieren.