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Wirtschaftsvertreter: Reisewarnung für Tschechien wirkt wie Bremse

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PRAG (dpa-AFX) - Die Entscheidung der Bundesregierung, fast ganz Tschechien zum Corona-Risikogebiet zu erklären, ist in der Wirtschaft mit Verständnis, aber auch Besorgnis aufgenommen worden. "Für Arbeitskräfte, beim Warenverkehr und bei den Lieferketten werden die Reisebeschränkungen wie eine Bremse wirken", sagte Bernard Bauer von der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) in Prag am Donnerstag.

Der Anstieg der Infektionszahlen in Europa und vor allem in Tschechien sei nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit, sondern auch eine "existenzielle Bedrohung für die Wirtschaft". Zugleich würdigte Bauer das Bemühen Berlins, die negativen Auswirkungen der aktuellen Maßnahmen regional zu begrenzen. Das Auswärtige Amt hatte am Mittwochabend eine Reisewarnung für Tschechien mit Ausnahme der Regionen Aussig (Usti) und Mährisch-Schlesien ausgesprochen.

Besonders zu spüren sind die Auswirkungen laut Kommunalpolitikern im unmittelbaren Grenzgebiet, zum Beispiel im westböhmischen Domazlice (Taus). "Nicht nur sind die Einwohner aus Domazlice bisher oft ins benachbarte Furth im Wald zum Einkaufen gefahren - auch viele Menschen aus dem bayerischen Grenzgebiet haben gern unsere Stadt besucht", sagte Vize-Bürgermeister Stanislav Antos der Deutschen Presse-Agentur. Die aktuelle Entwicklung sei unerfreulich.

Der Kommunalpolitiker appellierte an die Regierungen in Prag und Berlin, eine Lösung für einen kleinen Grenzverkehr zu finden. Die Grenzregionen seien wirtschaftlich sehr eng miteinander verflochten. Täglich würden Hunderte Menschen aus Domazlice in die bayerischen Landkreis Cham und Schwandorf zur Arbeit fahren. Einreisende nach Deutschland aus Risikogebieten müssen sich in Quarantäne begeben und testen lassen. Für Berufspendler gelten derzeit Ausnahmeregelungen.