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Wirtschaft geht mit Zuversicht ins Jahr 2021 – doch Ende der Krise und Rückkehr zur Normalität bleiben fern

Sommer, Ulf
·Lesedauer: 6 Min.

Nach schweren Ertragseinbrüchen kann es für Unternehmen in den meisten Branchen nur besser werden. Das sorgt für gute Stimmung – aber nicht bei allen.

Schlechte Lage, bessere Perspektiven: So lässt sich zum Jahreswechsel die Stimmung bei den meisten Unternehmen in Deutschland zusammenfassen. Das zeigt eine Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zum Jahreswechsel unter mehr als 2200 Firmen in 43 Branchenverbänden.

Im von der Coronakrise geprägten Jahr 2020 verschlechterten zunächst der schwache Welthandel und die sinkende Auslandsnachfrage die Erträge der meisten exportorientierten Unternehmen. Dann brachte der Lockdown im Frühjahr weite Teile der Wirtschaft zum Erliegen.

Inzwischen sorgt die Hoffnung auf eine rasche Massenimpfung in den Industriestaaten zwar für bessere Laune und einen entsprechend positiveren Ausblick – jedoch ohne, dass sich die Situation in der Realwirtschaft angesichts des erneuten Lockdowns im Dezember bislang gebessert hat.

Die Resultate der Umfrage in der Analyse

Vier von fünf deutschen Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Wirtschaftslage zum Jahreswechsel schlechter als vor einem Jahr. Angesichts der Geschäftseinbrüche infolge der Corona-Pandemie verwundert das verheerende Urteil nicht. Bei den wenigen Industrieverbänden, die ihre Lage genauso wie vor einem Jahr oder sogar besser beurteilen, handelt es sich um Bereiche, die sich bereits zum Jahreswechsel 2019/20 in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation befanden.

Das gilt vor allem für die Automobilbranche, aber auch für Chemie-, Metall- und Elektroindustrie. Für sie begann der Abschwung nicht mit Corona, sondern schon 2018, als die Auswirkungen des von US-Präsident Donald Trump angezettelten amerikanisch-chinesisch-europäischen Handelskonflikts stetig klarer wurden. Erst erschwerte der Protektionismus die Exportbedingungen, 2019 schwächelte anschließend Chinas Konjunktur, und damit wurden die Geschäfte in diesem wichtigen Auslandsmarkt erschwert.

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres sank die deutsche Industrieproduktion um 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, im verarbeitenden Gewerbe um 12,9 Prozent. Mit Blick auf die einzelnen Branchen verzeichnete der Fahrzeugbau mit 30,9 Prozent die höchsten Einbußen bei der Produktion.

„Angesichts solcher Einbrüche steigt der Druck zur Restrukturierung“, sagt Stephan Lang, Partner bei der internationalen Personalberatung Indigo Headhunters. „Viele Unternehmen werden den Kostendruck weitergeben, etwa die Autobauer an die Zulieferer. Das macht die Langzeitfolgen für die deutsche Industrie so gefährlich“, warnt Lang.

Inmitten dieses 2018 begonnenen und sich 2020 durch Corona beschleunigten Abschwungs prognostizieren nun 26 der 43 befragten Branchen für 2021 ein Produktionswachstum, darunter Schlüsselbranchen wie Chemie, Elektroindustrie, Maschinenbau und Automobil.

Doch der angegebene Aufwärtstrend bedeutet angesichts der niedrigen Ausgangsbasis keineswegs das Ende der Krise und die Rückkehr zur Normalität. Zu groß sind die Einbrüche im laufenden Jahr.

Stellvertretend für viele: Beispiel Maschinenbau

Mit einer Million Beschäftigten ist der Maschinenbau Deutschlands wichtigste Branche. Sie ist stark mittelständisch geprägt mit kleinen und mittelgroßen Firmen abseits der Börse. Die Firmen beurteilen mehrheitlich ihre Perspektiven besser als die Lage. Diese ist nach eigener Einschätzung schlechter als vor einem Jahr.

Grund dafür sind Handelshemmnisse, die Investitionsschwäche und Unsicherheit in der Autoindustrie. Corona und die vielen Hygienemaßnahmen in den Betrieben, wodurch sich die Produktion verlangsamt, ist nur ein weiterer Negativfaktor.

„Umso bemerkenswerter ist es, dass die Betriebe ihre Produktion und ihren Service aufrechterhalten und den Personalabbau in engen Grenzen halten konnten“, sagte Karl Haeusgen, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Im laufenden Jahr rechnet der Branchenverband mit einem Produktionsrückgang von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und 2021 mit einem Plus von vier Prozent.

Für den Optimismus gibt es gute Gründe ...

Es geht wieder aufwärts. Kunststoffkonzern Covestro hat jüngst seine Jahresprognose nach einem besser als erwartet laufenden Schlussquartal erhöht. Grund dafür ist die bessere Margenentwicklung bei Polyurethanen – aus denen Schaumstoffe wie etwa Haushaltsschwämme hergestellt werden – und Polycarbonaten. Letzteres sind teurere, besonders hochwertige Kunststoffe.

Den exportstarken Unternehmen, die es nicht nur an der Börse, sondern auch im weitverzweigten Mittelstand zahlreich gibt, kommt zugute, dass sich der große Absatzmarkt China rasch erholt. Die deutschen Autobauer etwa verkaufen dort rund ein Drittel ihrer weltweit hergestellten Autos und verzeichnen im Ausgangsland der Corona-Pandemie große Wachstumsraten und so viele Verkäufe wie noch nie.

Auch der zweite große Absatzmarkt, die USA, erweisen sich als robust. Hier hat es bislang trotz hoher Infektions- und Todeszahlen keinen landesweiten Lockdown wie in weiten Teilen Europas gegeben. Wer also viele Produkte in die Großregionen China und Amerika verkauft – das betrifft in Industriebranchen wie dem Maschinenbau, der Elektronindustrie und dem gesamten verarbeitenden Gewerbe viele Unternehmen –, hat geringere Einbußen, als es der rein deutsche Blickwinkel vermuten lässt.

Für den Optimismus gibt es also gute Gründe. „Die Unternehmensgewinne dürften 2021 und 2022 deutlich wachsen“, prognostizieren die Ökonomen der DZ Bank.

... aber nicht alle sind optimistisch

Insgesamt gehen nur 13 der befragten 43 Wirtschaftsvertretungen davon aus, dass ihr Produktionsniveau 2021 unter dem des Krisenjahres 2020 liegen wird. Dazu zählt die seit Jahren boomende Bauwirtschaft. Sie kommt von einem hohen Niveau, leidet aber zunehmend unter der allgemeinen Investitionsschwäche und den Produktionsbeeinträchtigungen infolge der Pandemie.

Das gilt auch für den Einzelhandel. Hier schätzen die meisten Firmen die aktuelle Lage schlechter als vor einem Jahr ein. Dafür verantwortlich ist der erneute und sich seit November abzeichnende Lockdown mit geschlossenen Geschäften in der Vorweihnachtszeit und zwischen den Jahren.

Zur schlechteren Stimmung trägt aber auch die insgesamt immer noch gute Gesamtsituation bei – also die hohe Ausgangsbasis. Denn trotz Corona rechnet die Branche im laufenden Jahr mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent auf 552 Milliarden Euro.

Großer Gewinner 2020 ist der Onlinehandel. Dieser kann nach Prognosen des Handelsverbands Deutschland (HDE) mit einem Umsatzplus von bis zu 15 Prozent rechnen. Auch Lebensmittel- und vor allem Fahrradhändler konnten ihren Umsatz deutlich steigern.

Hingegen müssen viele andere Segmente, etwa Bekleidungsgeschäfte, mit einem Minus von zehn und mehr Prozent rechnen. Der Modehandel büßte zwischen Januar und Juli fast ein Drittel seines Umsatzes ein.

Das Gesamtumsatzwachstum „darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in einzelnen Branchen nach wie vor viele Unternehmen und Arbeitsplätze in ihrer Existenz gefährdet sind“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. „So eine diametral gegensätzliche Gegenüberstellung hatten wir noch nie im Einzelhandel.“

Das Fazit

Ähnlich wie den Anlegern an der Börse erscheinen den meisten Unternehmen die Perspektiven besser als ihre schlechte Lage. Vor allem das katastrophale Jahr 2020 und die niedrige Ausgangsbasis für künftiges Wachstum sorgt für gute Stimmung.

Zum Jahreswechsel analysiert das Handelsblatt die aktuelle Lage in den wichtigsten deutschen Industrien und Dienstleitungsbranchen und gibt einen Ausblick auf die Herausforderungen des kommenden Jahres.