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Wirecard-Krise brockt Anleiheinvestoren millionenschwere Verluste ein

Auch die Anleihegläubiger von Wirecard stehen vor einem Verlust eines Großteils ihres Investments. Viele in Deutschland vertriebene Fonds mischten mit.

Die Krise beim Zahlungsdienstleister hat auch die Kurse der ausstehenden Anleihen in den Keller gedrückt. Foto: dpa

Seit Oktober 2019 hielten die Wirtschaftsprüfer von KPMG die Wirecard-Aktionäre in Atem. Eine Sonderprüfung sollte Klarheit bringen, ob an den Vorwürfen der Bilanzmanipulation gegen den Zahlungsdienstleister etwas dran ist. Der Aktienkurs erlebte ein Auf und Ab.
Klaus Göggelmann sah in der Unsicherheit der Investoren offenbar eine Chance. Der Fondsmanager beim auf Wandelanleihen spezialisierten Vermögensverwalter Fisch Asset Management aus Zürich kaufte im ersten Quartal 2020 für rund 28 Millionen Euro Wandelanleihen von Wirecard, wie aus Marktdaten des Finanzdienstes Bloomberg hervorgeht.

Den Großteil, rund 25 Millionen Euro, nahm der rund eine Milliarde schwere „Fisch Convertible Global Defensive Fund“ (WKN: LU0162829799) ins Portfolio, ein Fonds, der ausweislich seines Namens mit einer defensiven Anlagestrategie wirbt. Der Züricher Vermögensverwalter hielt auf einen Schlag drei Prozent des ausstehenden Volumens der Wandelanleihe.

Sollte Fisch AM nach wie vor die Papiere halten, dürfte Fondsmanager Göggelmann sein Engagement angesichts der fehlenden 1,9 Milliarden Euro Cash und des Rücktritts von Wirecard-CEO Markus Braun bereuen. Die Wandelanleihe hat seit Jahresbeginn mehr als 80 Prozent verloren. Fisch Asset Management wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Neben vielen Aktienfonds, die mit Wirecard-Papieren Verluste erlitten haben, hat der Kollaps des Zahlungsdienstleisters ebenfalls zahlreiche Anleiheinvestoren kalt erwischt. Zwei Zinspapiere hat Wirecard derzeit ausstehen: eine herkömmliche Anleihe mit einem Volumen von 500 Millionen Euro sowie eine Wandelanleihe in Höhe von 900 Millionen Euro. Letztere hatte der Konzern aus Aschheim zusammen mit Softbank begeben.

Bei Wirecard erreichen Wandelanleihen ihre Grenzen

Doch Softbank hat einen Teil der Wandelanleihe offenbar über den Sekundärmarkt weitergereicht. Zahlreiche spezialisierte Fonds griffen den Bloomberg-Daten zufolge zu: neben Fisch AM etwa die Vermögensverwaltung der Liechtensteinischen Landesbank sowie Fonds der DWS und von Credit Suisse. Auch im „SPDR Refinitiv Global Convertible Bond ETF“ waren zuletzt Wirecard-Wandler enthalten.

Wandelanleihen versprechen das Beste aus zwei Welten: das Kurspotenzial einer Aktie und die Sicherheit einer Anleihe. Doch im Fall Wirecard kommt dieses Versprechen an seine Grenzen. Überschreitet der Aktienkurs einen vorher vereinbarten Schwellenwert, werden Wandelanleihen in eine festgelegte Zahl von Aktien umgetauscht. Bei Wirecard lag der Schwellenwert Bloomberg zufolge bei einem Aktienkurs von rund 210 Euro.

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Wird die Schwelle nicht überschritten, erhalten Anleger den Nennwert der Anleihe zum Laufzeitende zurück. Doch offenbar glauben die Wirecard-Investoren nicht, dass sie das Geld zum Laufzeitende 2024 wiedersehen. Seit Jahresbeginn ist der Kurs der Wandelanleihe von rund 80 Euro pro 100 Euro Nennwert auf zwischenzeitlich unter zehn Euro abgesackt. Damit fallen die Kursverluste der Wandelanleihe ebenso hoch aus wie die Verluste der Aktie.

Etwas glimpflicher sind bislang die Investoren der regulären Anleihe davongekommen. Dennoch wird das Papier aktuell mit einem Abschlag von mehr als 70 Prozent auf den Nennwert gehandelt. Damit preisen die Investoren die schwere Krise von Wirecard ein. Am Montag hatte zudem die Ratingagentur Moody’s ihr Rating für Wirecard zurückgezogen.

Größere Positionen hielten laut Bloomberg-Daten zuletzt zwei deutsche Rentenfonds, die vermutlich vor allem an Privatanleger verkauft wurden: Der „apo VV Renten – Privat“ (WKN: A1JZLC) und der „Voba Pforzheim Premium R Fonds“ (WKN: A0M8WY). Gemessen am Volumen der beiden Fonds waren die Positionen im Zinspapier von Wirecard jedoch klein. Ein Sprecher der Fonds-Service-Plattform Universal Investment verwies auf die externen Fondsmanager, diese ließen eine Anfrage unbeantwortet.

Immerhin: Sowohl die Anleihe als auch die Wandelanleihe wurden mit einer Stückelung von 100.000 Euro pro Anleihe begeben. Kleinsparer dürften daher vom Kurssturz der Anleihe verschont geblieben sein.