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Wirecard legt bei Gewinn und Umsatz deutlich zu

Der Zahlungsdienstleister hat seinen Umsatz nach vorläufigen Zahlen um knapp ein Viertel gesteigert. Er spürt die Krise jedoch unter anderem im Geschäft mit Flugkonzernen.

Trotz Belastungen durch die Coronakrise hat der Zahlungsabwickler Wirecard im ersten Quartal deutlich zugelegt. Der Umsatz kletterte nach vorläufigen Zahlen um knapp ein Viertel auf 700,2 Millionen Euro, wie der unter Manipulationsverdacht stehende Dax-Konzern am Donnerstag mitteilte. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 26 Prozent auf 199,2 Millionen Euro.

Finanzchef Alexander von Knoop sagte, Wirecard habe die Folgen der Coronakrise im Geschäft mit Flug- und Reisekonzernen zu spüren bekommen. Die negativen Effekte seien aber durch Zuwächse im Online-Geschäft mit Konsum- und Digitalgütern ausgeglichen worden. „Unser Neukundengeschäft entwickelt sich weiterhin stark“, so von Knoop.

Der Finanzchef, der sich seit dem am Freitag beschlossenen Konzernumbau auch um die bisher von Vorstandschef Markus Braun verantwortete Kapitalmarktkommunikation kümmert, bestätigte die Prognose, im Gesamtjahr ein Ebitda von 1,0 Milliarden Euro bis 1,12 Milliarden Euro zu erzielen.

Der Gewinnanstieg bei Wirecard verlangsamt sich damit im ersten Quartal 2020 etwas, was auch an den Kosten für die Sonderprüfung von KPMG und damit verbundene Beratungsleistungen liegen dürfte. Bereinigt um Einmalaufwendungen läge das Ebitda laut Wirecard bei 204,0 Millionen Euro, was einem Anstieg von 29 Prozent entspräche. In den vergangenen Jahren waren Umsatz und Gewinn bei Wirecard häufig um ein Drittel gestiegen – und damit schneller als bei allen anderen Dax-Konzernen.

Bei Anlegern lösten die Zahlen keine Euphorie aus: Die Aktien starteten 3,1 Prozent im Minus in den Handel, notierten zuletzt rund 0,7 Prozent schwächer. Am Mittwoch waren sie knapp ein Prozent schwächer aus dem Handel gegangen.

„Wirecard verzeichnet trotz des Covid-19-Gegenwinds einen soliden Start in das Jahr“, schrieben die Analysten der Baader-Bank in einer ersten Analyse. Positiv sei die weiterhin starke Entwicklung des Neukundengeschäfts, insbesondere angesichts der Marktbedenken, dass sich die Dynamik aufgrund des „jüngsten Nachrichtenflusses“ abschwächen könnte.

Die Zahlen des ersten Quartals 2020 lägen unterhalb der Erwartungen, sagte Analyst Sandeep Deshpande von der Bank JP Morgan. Positiv sei jedoch die Prognosebestätigung. Ohnehin schaue der Markt derzeit nur auf die weitere Entwicklung in Sachen Betrugsvorwürfe, fügten die Analysten der US-Bank Goldman Sachs hinzu. Spätestens bei der Vorlage des Jahresabschlusses 2019 müsse Wirecard Licht ins Dunkel bringen.

Späte Kapitalmarktinformation

Der Dax-Konzern hat – nach unruhigen Monaten – besonders umwälzende Tage hinter sich. Ein Sonder-Audit von KPMG brachte keine Belege für die erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation, stellte den internen Prozessen jedoch ein sehr schlechtes Zeugnis aus.

Zuletzt hatte Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann im Handelsblatt-Interview Vorstandsumbauten angekündigt und am Freitag einen neuen Compliance-Chef präsentiert. Der lange praktisch alleinherrschende CEO Braun verliert an Einfluss und soll sich auf die strategische Entwicklung fokussieren. Der Vorstand wird von vier auf sieben Mitgliedern vergrößert, der US-Manager James Freis soll sich künftig um die Rechtstreue des Konzerns kümmern.

Anleger hatten zunächst positiv auf die Umbauten reagiert, am Mittwoch aber wurde die Neuaufstellung in Richtung mehr Transparenz von der Nachricht verschluckt, dass in Deutschland eine erste Aktionärsklage gegen den Zahlungsdienstleister eingereicht wurde. Auch die Bafin wird sich das Unternehmen genauer anschauen.

Die Umbrüche haben auch Folgen für die Kapitalmarktkommunikation von Wirecard. Die Jahresbilanz für 2019 soll nun erst am 4. Juni veröffentlicht werden, da der Konzernprüfer EY mehr Zeit für die Durchsicht des KPMG-Sonderprüfberichts benötigt und die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) ihm im Nacken sitzt.

Wirecard publiziert damit deutlich nach allen anderen Dax-Konzernen seine Geschäftszahlen. Auch die aktuellen Quartalsergebnisse sind lediglich vorläufig. Die vollständigen Zahlen für die ersten drei Monate des Jahres sollen am 16. Juni veröffentlicht werden.

Mit Agenturmaterial.