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WHO wegen chinesischem Goodwill-Botschafter am Pranger

GENF (dpa-AFX) - 100 Menschenrechtler und Organisationen aus aller Welt haben die Weltgesundheitsorganisation WHO aufgefordert, den chinesischen Journalisten James Chau als Sonderbotschafter fallen zu lassen. Sie werfen ihm vor, für China Propaganda zu betreiben, etwa indem er Peking gegen Kritik wegen anfangs schleppender Informationen über den Coronavirus-Ausbruch verteidige. Zu den Unterzeichnern gehört auch Ulrich Delius, Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker. Er unterstütze den Aufruf, weil das Wirken von Chau dem Ansehen der WHO schade, schrieb er der Deutschen Presse-Agentur.

Ernennungen wie die von Chau als Goodwill-Botschafter müssten mit Vorsicht betrachtet werden, erklärte Delius. In China würden politische Gefangene gezwungen, vor Kameras des Staatsfernsehens vermeintliche Geständnisse abzulegen. "James Chau war Teil dieses Apparates", schrieb Delius. "Chau hat sein WHO-Amt missbraucht, um seiner Schönmalerei der Besorgnis erregenden chinesischen Reaktion auf den Coronavirus-Ausbruch internationale Autorität zu verleihen", heißt es in dem Aufruf, den die in Genf ansässige Nichtregierungsorganisation UN Watch organisiert hat.

UN Watch überwacht nach eigenen Angaben, ob sich die Vereinten Nationen nach ihrer eigenen Charta richten. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Menschenrechtler aus den USA, der Schweiz, dem Kongo, Nigeria, Indien, Kanada, Großbritannien und Rumänien. Die WHO hatte nach einem Bericht der "Financial Times" über Chau eine Untersuchung der Vorwürfe angekündigt.

Die WHO ernennt Prominente zu Goodwill-Botschaftern, um ihre Botschaft von der Notwendigkeit einer besseren Gesundheitsversorgung zu transportieren. Dazu gehören etwa der brasilianische Fußballer Alisson Becker und die chinesische Sängerin Peng Liyuan, Ehefrau von Staats- und Parteichef Xi Jinping. Die Funktion ist ehrenamtlich.