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Wettbewerb der Pariser Großbanken: Société Générale fällt hinter BNP zurück

Der Pariser Zweikampf der Banken intensiviert sich. Während BNP starke Zahlen vorgelegt hat, meldet Société Générale einen Gewinneinbruch.

Sie konkurrieren seit vielen Jahren um den Platz an der Spitze: Die beiden französischen Großbanken Société Générale (SocGen) und BNP Paribas. SocGen ist das ältere Institut, BNP Paribas der 2000 aus einer Großfusion entstandene Angreifer. Wie die in dieser Woche vorgelegten Jahresbilanzen zeigen, entfernen sich die Banken jedoch voneinander.

Die am Donnerstag vorgelegten Zahlen von SocGen fielen enttäuschend aus. So sank der Nettogewinn 2019 im Vergleich zum Vorjahr um rund 21 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Auch die Erträge gingen um rund zwei Prozent auf gut 24,6 Milliarden Euro zurück. Damit verfehlte die Bank die Erwartungen der Experten.

Der Hauptgrund für die unbefriedigende Entwicklung ist laut SocGen das schwache Ergebnis im Investmentbanking und im heimischen Filialgeschäft. So brachen die Erträge im Bereich „Global Banking & Investor Solutions“, der das Investmentbanking umfasst, um 20 Prozent ein auf 958 Millionen Euro. Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen brachte im Gesamtjahr mehr als zwei Prozent weniger ein, das Aktiengeschäft verzeichnete ein Minus von mehr als fünf Prozent.

Der bereits im vergangenen Jahr verschärfte Sparkurs und der damit verbundene Um- und Rückbau im Investmentbanking ist damit nicht ausreichend aufgegangen. In der Folge kappte SocGen das Renditeziel für das laufende Jahr.

Zwar werde noch mit einem besseren Abschneiden als 2019 gerechnet – Bankchef Fréderic Oudéa wollte sich aber nicht mehr wie zuletzt auf eine Rendite zwischen neun und zehn Prozent festlegen. 2019 hatte die um Sondereffekte bereinigte Rendite auf das materielle Eigenkapital 7,6 Prozent betragen, nach 9,7 Prozent im Vorjahr.

Wie viele andere Banken beklagte SocGen die Folgen des anhaltenden Zinstiefs. Um die Investoren bei Laune zu halten, will Oudéa ab sofort die Hälfte des Gewinns über den Rückkauf eigener Aktien und Dividendenzahlungen ausschütten.

Gegenmodell BNP

Ganz anders sind die Zahlen bei BNP ausgefallen, die die Bank bereits am Mittwoch vorgelegt hatte. BNP hat 2019 dank lebhafter Märkte und erfolgreicher Sparanstrengungen mehr verdient. Der Nettogewinn kletterte um fast neun Prozent auf 8,2 Milliarden Euro, was die Analysten positiv überraschte. Auch die Erträge legten um knapp 4,9 Prozent auf 44,6 Milliarden Euro zu. Die Kosten stiegen dagegen nur um 2,5 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro.

Zwar belasteten auch die BNP die Niedrigzinsen. Im Unterschied zur SocGen stieg jedoch der Ertrag im lokalen Geschäft mit Privat- und kleineren Firmenkunden in den Kernmärkten Frankreich, Italien und Belgien auf 15,8 Milliarden Euro (plus knapp ein Prozent). Auch die internationale Sparte, zu der das Konsumentenkreditgeschäft in 33 Ländern, die Kreditversicherung und das Assetmanagement gehören wuchs auf 17,2 Milliarden Euro (ein Ertragsplus von rund sieben Prozent).

Doch das vielleicht wichtigste – und für die SocGen ärgerlichste – Ergebnis: Bei BNP zahlte sich der Umbau der Investmentbank aus. Die dortigen Kürzungen haben die Sparte wieder auf Erfolgskurs gebracht. So wuchs der Ertrag aus dem Geschäft mit großen Konzernen und an den Kapitalmärkten (CIB genannt) 2019 im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um knapp 12 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro.

BNP profitierte im Schlussquartal von Zuwächsen im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Zinsprodukten. Im Vorjahreszeitraum hatte dieses Geschäft branchenweit unter den Turbulenzen an den Finanzmärkten gelitten. Im Gesamtjahr 2019 legte dieser Bereich (auch FICC genannt) überproportional zu, der Aktienhandel stagnierte.

Zumindest in einem Punkt sind sich die Institute jedoch wieder ähnlich: Auch BNP-Chef Jean-Laurent Bonnafé musste für das neue Jahr ihr Renditeziel senken. Die Eigenkapitalrendite (ROTE) werde nur bei zehn Prozent statt der zuvor angepeilten 10,5 Prozent liegen. 2019 lag die Rendite auf das materielle Eigenkapital bei 9,8 Prozent – und damit deutlich über der SocGen.

Die ehrwürdigste Bank Frankreichs hat also einiges aufzuholen, um wieder in Reichweite zur BNP, der nach Bilanzsumme zweitgrößten Bank Europas, zu gelangen – weitere Umbauten im Investmentbanking nicht ausgeschlossen.