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Die Welt läuft in den Lockdown light

·Lesedauer: 5 Min.

Auf dem ganzen Globus müssen Schulen und Geschäfte schließen, Menschen dürfen nicht mehr vor die Tür: Wegen steigender Infektionszahlen schränken Regierungen weltweit Freiheiten ein.

Die Restaurants und Bars in Israel sind geschlossen. Foto: dpa
Die Restaurants und Bars in Israel sind geschlossen. Foto: dpa

Vom zweiten Lockdown will derzeit niemand sprechen. Nach den großen Einschränkungen im Frühjahr hatten schließlich so viele Staats- und Regierungschefs in Europa versichert, einen weiteren Lockdown werde es nicht geben. Nun, da dennoch Einschränkungen zurückkehren, ist deshalb vom Teil-Lockdown die Rede, vom „Unterbrecher“ oder vom Lockdown light. Und in diesen laufen derzeit immer mehr Staaten weltweit.

Oft sind die Einschränkungen zeitlich begrenzt, so wie die in dieser Woche verkündete Schließung von Kneipen und Restaurants in den Niederlanden für zunächst zwei Wochen. Oft örtlich beschränkt wie der Teil-Lockdown, in den an diesem Wochenende der britische Landesteil Nordirland mit Schul- und Restaurantschließungen geht. In Spanien sind besonders betroffene Regionen wie Madrid und die beiden kleineren Städte León und Palencia abgeriegelt.

Französische Krankenhäuser stehen unter Druck

Doch angesichts drastisch steigender Zahlen sehen viele Staaten keine Alternative, als die Freiheiten auf die ein oder andere Weise erneut einzuschränken, auch wenn dies die Wirtschaft belastet. In Frankreich etwa ist nicht nur die tägliche Zahl an Neuinfektionen auf mehr als 30.000 Fälle gestiegen – die Gesundheitsbehörde meldete am Donnerstagabend 30.621 neu erfasste Infektionen. Auch die Auslastung der Krankenhäuser steigt schnell an. In Paris ist bereits rund die Hälfte der Betten, die für künstliche Beatmung zur Verfügung stehen, mit Covid-19-Patienten belegt.

„Die Krankenhäuser stehen unter einem Druck, der nicht durchzuhalten ist“, begründete Präsident Emmanuel Macron neue Freiheitsbeschränkungen am Mittwochabend. Von Samstagnacht an gilt in der Großstadtregion Paris und in acht weiteren Großstädten eine Ausgangssperre zwischen 21 und 6 Uhr. In dieser Zeit darf sich niemand auf der Straße bewegen – es sei denn, er kommt von oder muss zu seiner Arbeitsstelle.

Im stark betroffenen Tschechien sind seit Mittwoch alle Restaurants, Kneipen und Bars geschlossen. Alle Schulen haben auf Fernunterricht umgestellt. Es dürfen sich sowohl drinnen als auch draußen nur noch maximal sechs Menschen treffen. Sport- und Kulturveranstaltungen sind untersagt. Auch das deutsche Robert Koch-Institut hat am Donnerstagabend das Kontinentalfrankreich zum Risikogebiet erklärt, das Auswärtige Amt rät von nicht notwendigen touristischen Reisen dorthin ab.

London: Keine Treffen zu Hause

Für Londons Bürgermeister Sadiq Khan ist die Sache klar: „Je später wir Einschränkungen einführen, desto härter werden sie und desto länger dauern sie“, sagt er und begrüßt die jüngsten Einschränkungen zur Infektionsvermeidung.

Neun Millionen Londoner dürfen vom Wochenende an keine Freunde mehr in geschlossenen Räumen treffen und sollen von unnötigen Reisen absehen – so wie bereits 16 Millionen Menschen im Norden Englands. Sie gehören in die zweite Kategorie des neuen Corona-Stufensystems („hohes Risiko“).

Langfristig, so Khan, belaste es die Wirtschaft stärker, wenn man das Virus nicht unter Kontrolle bringe. In der dritten Kategorie („sehr hohes Risiko“) ist bislang nur Liverpool. Hier sind Pubs und Bars ganz geschlossen. Auch sollen die Einwohner das Stadtgebiet nicht verlassen. Es wird erwartet, dass andere nordenglische Städte wie Manchester bald ebenfalls auf Stufe 3 hochgestuft werden. Auch über einen erneuten nationalen Lockdown wird diskutiert.

Die Labour-Opposition fordert einen mehrwöchigen „circuit breaker“. Die Regierung von Boris Johnson erwägt laut Medienberichten einen zweiwöchigen Lockdown mit Beginn der Herbstferien am 26. Oktober. Dann müssten die Schulen nur eine zusätzliche Woche schließen.

Am Donnerstag registrierten die Gesundheitsbehörden in Großbritannien binnen 24 Stunden 18.980 neue Infektionsfälle. 138 weitere Menschen, die zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, starben.

Selbst in Italien, nach der ersten heftigen Coronawelle im Frühjahr zunächst weniger betroffen von der Pandemie als Spanien oder Frankreich, sind die Infektionszahlen sprunghaft auf mehr als 8800 Fälle am Tag gestiegen. Das sei die höchste Zahl, die bislang verzeichnet wurde, teilt das Gesundheitsministerium mit. Am Mittwoch waren bereits 7332 Neuinfektionen registriert worden.

In den Medien wird über einen neuen Lockdown zu Weihnachten spekuliert. Carlo Bonomi, Präsident des Industrieverbands Confindustria, warnt: „Wir können uns keinen neuen, generellen Lockdown erlauben, weder aus ökonomischen Gründen noch mit Blick auf Zukunftsperspektiven.“

In Italien hatte die Produktion im Frühjahr für sechs Wochen stillgestanden. Premier Giuseppe Conte überlegt laut, statt einer ganzen Region vorübergehend bestimmte Zonen zu schließen.

Israel: Nicht weiter als einen Kilometer

Als erstes Land ging Israel in den zweiten Lockdown: Die Schulen sind geschlossen, ebenso Restaurants, Hotels und Unternehmen mit nicht systemrelevanter Aktivität. Geöffnet haben nur Apotheken und der Lebensmitteleinzelhandel.

Die Menschen dürfen sich lediglich einen Kilometer von ihrem Wohnort entfernen, was an Ausfallstraßen kontrolliert wird. Kommende Woche will die Regierung den Lockdown verlassen, massive Einschränkungen aber aufrechterhalten.

In Russland sind die Neuinfektionen am Mittwoch auf ein neues Allzeithoch von 14.231 Fällen gestiegen, ebenso die Zahl der täglichen Todesfälle. Die Krankenhäuser sind überfüllt. Die Stadt Moskau als Epizentrum der Seuche in Russland hat vor zwei Wochen außerordentliche Schulferien verhängt.

Während die Grundschüler von Montag an wieder zur Schule gehen, hat Oberbürgermeister Sergej Sobjanin den Sechst- bis Elftklässlern Onlineunterricht verordnet. „Die älteren Schüler sind anfälliger für eine Covid-19-Infektion, ihr Anteil an den erkrankten Kindern beläuft sich auf zwei Drittel“, sagt Sobjanin. Auch Musik- und Sportschulen bleiben bis zum Monatsende geschlossen.

Die Städte sind auch im Ausland die Zentren der Ansteckung. Im einstigen Corona-Hotspot New York hat die Stadt ebenfalls in bestimmten Vierteln, in Brooklyn und Queens, die Schulen geschlossen sowie Geschäfte mit nicht existenzieller Funktion. Die Stadt hat diese Gegenden als rote Zonen definiert und einen rund 500 Meter breiten gelben Gürtel rundherum festgelegt, der unter besonderer Beobachtung steht.