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Wehrpflicht und soziales Pflichtjahr würden den Personalmangel nicht mildern, sondern sogar noch verschärfen, warnt ein Ökonom

Soldaten unter Tarnnetzen beim Besuch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) beim Zentrum Operative Kommunikation der Cybertruppe am 16.04.2024. - Copyright: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt
Soldaten unter Tarnnetzen beim Besuch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) beim Zentrum Operative Kommunikation der Cybertruppe am 16.04.2024. - Copyright: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Soll die Wehrpflicht wieder eingeführt und durch ein allgemeines soziales Pflichtjahr ergänzt werden? Die Debatte darüber ist wieder in Schwung gekommen. So prüft Verteidigungsminister Boris Pistorius, ob eine Wehrpflicht helfen kann oder sogar nötig ist, um den Bedarf an Soldaten der Bundeswehr zu decken. Die CDU hat sich gerade erst bei ihrem Parteitag für ein soziales Pflichtjahr ausgesprochen. Der Dienst an der Gesellschaft soll auch den Mangel an Arbeitskräften in sozialen Berufen lindern. Doch das wäre ein Trugschluss, warnt der Ökonom Friedrich Hennemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

„Auf den ersten Blick erscheint eine allgemeine Dienstpflicht plausibel", schreibt Hennemann in einer Analyse. „Bei der Bundeswehr oder in der Pflege fehlt Personal, viele junge Menschen würden wichtige Fähigkeiten erlernen und einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten“. Davon könnten alle Seite profitieren. „Doch der Schein trügt“, warnt Hennemann. Folgen für den Arbeitsmarkt, aber auch die Staatsfinanzen würden zu wenig beachtet.

„Ein soziales Pflichtjahr würde den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in der Wirtschaft insgesamt sogar noch verschärfen“, errechnet Hennemann. Mit der Einführung einer Dienstpflicht würde ein ganzer Jahrgang von Schulabgängern dem Arbeitsmarkt erst mit einem Jahr Verspätung zur Verfügung stehen. „Junge Männer und Frauen würden ihre Ausbildung oder ihr Studium erst später beginnen. In einer Zeit, in der die Jahrgangsstärken ohnehin abnehmen und die Betriebe über einen Mangel an Bewerbern klagen, wäre dies kontraproduktiv.“

Wehrpflicht und soziales Pflichtjahr: "Geringschätzung der Qualifikation"

Hennemann führt noch ein weiteres Argument an. „Die jungen Menschen verrichten im Pflichtjahr notgedrungen die Arbeit von ungelernten Arbeitskräften“. Mehr als ein „Crashkurs“ sei in maximal einem Jahr nicht möglich. Das reiche weder bei der Bundeswehr mit ihren anspruchsvollen Aufgaben noch im sozialen Bereich für eine Arbeit, die über Handlangerdienste hinausgehe. Hennemann warnt vor einer massiven Verschiebung von qualifizierter zu unqualifizierter Arbeit. Dies würde Wertschöpfung vernichten und das Wachstumspotenzial Deutschlands weiter verringern.

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Die Forderung nach einem Pflichtdienst offenbare zudem eine Geringschätzung der Qualifikationen in den betroffenen Bereichen. Hier schwinge die Fehleinschätzung mit, man könne Menschen schnell zu Soldaten, Pflegekräften oder Erziehern ausbilden. „All dies entspricht in keiner Weise den beruflichen Realitäten", warnt Hennemann.

Nach Rechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlen am deutschen Arbeitsmarkt aktuell rund 573.000 gut ausgebildete Fachkräfte. Dadurch schrumpfe das Produktionspotenzial um fast 50 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2027 könne diese jährliche Lücke auf 75 Milliarden Euro wachsen.