Werbung
Deutsche Märkte öffnen in 7 Stunden 33 Minuten
  • Nikkei 225

    38.633,02
    +62,26 (+0,16%)
     
  • Dow Jones 30

    39.134,76
    +299,90 (+0,77%)
     
  • Bitcoin EUR

    60.659,39
    +77,96 (+0,13%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.360,35
    -22,31 (-1,61%)
     
  • Nasdaq Compositive

    17.721,59
    -140,64 (-0,79%)
     
  • S&P 500

    5.473,17
    -13,86 (-0,25%)
     

WDH: Ton zwischen Adler Group und einigen Anleihegläubiger wird schärfer

(technische Wiederholung)

LUXEMBURG (dpa-AFX) - Der Streit zwischen dem angeschlagenen Immobilienkonzern Adler Group LU1250154413 und einigen Gläubigern spitzt sich zu. Bei der Vorlage eines Restrukturierungsplanes bei Gericht in London betonte der Anwalt des Unternehmens, eine Entscheidung zum Plan sei bis zum 13. April dringend geboten. Eine Insolvenz und ein Notverkauf von Immobilien würde dazu führen, dass geschätzt nur 57 Prozent der Schulden zurückgezahlt werden könnten. Zu den Gläubigern zählen neben einigen Investmentgesellschaften auch die Deutsche-Bank-Tochter DE0005140008 DWS DE000DWS1007.

Bereits am Donnerstagabend hatte Adler mitgeteilt, dass zwei Gläubiger Anleihen mit einem Gesamtnominalbetrag von knapp 193 Millionen Euro gekündigt hatten. Sie könnten nun versuchen, im Zuge des Schrittes, eine Zahlungsunfähigkeit feststellen zu lassen und damit eine vorzeitige Rückzahlung zu beschleunigen. Adler hält die Anleihekündigung für unwirksam und behält sich rechtliche Schritte vor.

Kritik an den Restrukturierungsplänen von Adler gibt es schon länger. So hatten einige Gläubiger Ende 2022 dem Unternehmen ihre Zustimmung zu neuen Konditionen für eine bestimmte Anleiheserie versagt. Adler konnte daher das ursprüngliche Vorhaben für sämtliche Anleihen nicht umsetzen. Stattdessen verfolgt der Konzern einen "englischen Restrukturierungsplan". Die Unterlagen dazu wurden an diesem Freitag in London eingereicht.

WERBUNG

Adler verhandelt seit Monaten mit seinen Gläubigern. Zunächst war das Unternehmen nach Vorwürfen des Leerverkäufers Fraser Perring im Oktober 2021 in das Visier der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geraten, und steht nun auch angesichts steigender Zinsen und eines hohen Finanzierungsbedarfs unter Druck. Das Unternehmen hatte hierzu sein Portfolio ausgedünnt und Immobilien verkauft, um so seine Schulden zu senken und die Finanzierungsbedingungen im soliden Bereich zu halten.

Auch die Änderung der Anleihebedingungen gehört zum Sanierungsplan. Im November hatte die Immobiliengesellschaft sich mit wichtigen Gläubigern wie der Allianz-Tochter DE0008404005 Pimco und der US-Investmentgesellschaft Blackrock US09247X1019 hierüber bereits geeinigt und zudem eine Zusicherung für neues Fremdkapital über fast eine Milliarde Euro erhalten.

Adlers Ziel, unter anderem die Fälligkeiten der Anleihen zu verlängern, traf jedoch bei einigen Investoren auf Widerstand. Dadurch gelang es nicht, die nach deutschem Recht erforderliche Unterstützung von drei Vierteln der Gläubiger zu erhalten. Das Vorhaben erregte vor allem bei jenen Investoren Unmut, die im Besitz der Unternehmensanleihen mit den längsten Laufzeiten sind. Diese werden am Anleihenmarkt aktuell deutlich günstiger gehandelt als beispielsweise die in 2023 und im kommenden Jahr fälligen Wertpapiere.

Laut Adler-Angaben von Mitte Januar hatten sich zum damaligen Zeitpunkt jedoch 78 Prozent der Anleihegläubiger als Unterstützer für die Restrukturierung unter englischem Recht gefunden. Als Teil der Vereinbarung sollen diese zudem auf einen geprüften Jahresabschluss bis zum kommenden Jahr verzichten. Denn noch immer fehlt Adler ein entsprechender Prüfer. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hatte die Bestellung durch ein Berliner Gericht für das Geschäftsjahr 2022 abgelehnt.

KPMG hatte Adler schon das Testat für 2021 verweigert - die Zahlen hatte der Konzern dann im Frühjahr vergangenen Jahres ohne Prüfungsvermerk veröffentlicht, um nach eigenen Angaben die Berichtspflichten gemäß der Bedingungen ausstehender Anleihen zu erfüllen. 2021 hatte die Gesellschaft unter dem Strich einen Verlust von knapp 1,2 Milliarden Euro angehäuft.

Am Aktienmarkt kamen die Nachrichten einmal mehr nicht gut an. Die Aktie gab zuletzt um knapp ein Prozent auf 1,02 Euro nach und näherte sich damit wieder dem erst am Mittwoch erreichten Rekordtief von einem Euro. In den vergangenen zwölf Monaten sackte der Börsenwert des Unternehmens um mehr als 90 Prozent auf gerade mal noch 120 Millionen Euro ab.