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Warum Bitcoin zählt und nicht nur die Blockchain

Die digitale Währung Bitcoin erreicht neue Rekordwerte. Anfang der Woche kletterte der Wert für einen Bitcoin auf $6.100 (5.185€). Damit hat die Währung einen Marktkapitalwert von $100 Milliarden. Bisher stieg der Wert 2017 bereits um 450 % und allein im vergangenen Monat um 50 %. Ganz eindeutig glauben spekulative Investoren derzeit an Bitcoins.

Aber große Namen der Finanzbranche reden die virtuelle Währung weiterhin schlecht.

JPMorgan Chase CEO Jamie Dimon nannte Bitcoin „Betrug” und sagte, die Währung sei „schlimmer als Tulpenzwiebeln“. Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater Associates, nannte sie eine „Blase“, weil „man sie nicht einfach ausgeben kann“ und wegen des „Umfangs der Spekulationen, die derzeit vorgenommen werden sowie den fehlenden Transaktionen“. Der saudische Milliardär Prinz Alwaleed bin Talal sagte, Bitcoin „macht keinen Sinn… Ich glaube, das ist Enron in der Entstehung.“

JPMorgan Chase CEO Jamie Dimon, der Bitcoins als „Betrug“ bezeichnete.

Während es in Mode ist, Bitcoin kleinzureden, haben ein und dieselben Personen oft ihre Begeisterung für Blockchain geäußert, der dezentralen Technologie, auf der Bitcoin basiert und die mit Bitcoin gemeinsam 2009 entwickelt wurde.

Dimon selbst hat öffentlich gesagt, dass er in der Blockchain-Technologie Potenzial sehe und sein Unternehmen hat gerade erst den Start eines auf Blockchain basierenden Pilotprojektes angekündigt, um die Zahl der Beteiligten, die benötigt wird, um globale Zahlungen zu verifizieren, „signifikant zu reduzieren“ – das würde den zeitlichen Aufwand für eine Geschäftsabwicklung erheblich verkürzen.


Während Jamie Dimon von @jpmorgan #bitcoin kleinredete, hieß sein SF Büro @blockchaincap @PanteraCapital@BoostVC und @polychainfund willkommen.

Tatsächlich greift das Blockchain-Fieber an der ganzen Wall Street um sich. Um nur ein paar zu nennen: JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Bank of America, Citi und Visa führen alle Tests mit Blockchain durch. Start-ups wie Chain, itBit und Digital Asset, die private Blockchain-Lösungen für Unternehmen entwickeln, gehören derzeit zu den gefragtesten und finanziell am besten ausgestatteten Fintech-Unternehmen am Markt.

Selbst Walmart setzt mittlerweile Blockchain ein, um seine Lebensmittellieferungen zu verfolgen.

Der Irrglaube von „Blockchain ohne Bitcoin“

Es ist ein wenig paradox, wenn man Blockchain in den Himmel lobt, aber abfällig über Bitcoin spricht, denn die zwei entstanden gemeinsam.

Wie Ihnen viele aus der Bitcoin Welt erklären können, widerlegen die geschlossenen Systeme mit Zugriffserlaubnis, die die Banken testen, die Intention der Bitcoin Blockchain, denn diese ist offen und braucht keine Zugriffsberechtigung. Sie sagen, es muss irgendeine Form von digitalem Token geben, der mit einem Konto verbunden ist, damit das System funktioniert, als Weg, um Boni an die Maschinen zu verteilen, die die Transaktionen überwachen. (Bei der Bitcoin Blockchain erhalten die Miner jedes Mal, wenn sie ein Paket mit Transaktionsnachweisen – sogenannte „Blocks“ – an die Blockchain anfügen, einen kleinen Betrag an Bitcoins.)

Die Art und Weise, wie die Banken Blockchains einsetzen, nämlich als Weg, um ihre Backend-Aufzeichnungen zu verbessern und schneller zu machen, ist nicht besonders revolutionär, sondern lediglich eine Verbesserung der Effizienz.

„Am Ende des Tages ist das keine besonders aufregende Innovation”, erklärte Jerry Brito, Executive Director der gemeinnützigen Kryptowährung Coin Center gegenüber Yahoo Finance. „Die wirkliche Revolution ist ein völlig offenes und globales Verzeichnis ohne Zugriffsbeschränkung. Ein geschlossenes Buchführungssystem der Banken, das eine Zugriffsberechtigung braucht, ermöglicht vielleicht eine bessere Überprüfung, aber das ist keine Innovation.“


„Führende Banken führen erste internationale Transaktion mit einer Blockchain aus.“

Sie meinen, das Gleiche, was Bitcoin schon mehrere Millionen Male gemacht hat?

Unabhängig vom Blockchain-Hype (der wahrscheinlich nicht so schnell nachlassen wird), zeigt die Abwertung von Bitcoin als „Betrug“ ein fehlendes Verständnis: Bitcoin ist eine Technologie. Es ist neutral. Es gibt Fälle, in denen Bitcoins für kriminelle Machenschaften eingesetzt wurde, aber auch Fälle, wo es um wohltätige Zwecke ging.

Auch diejenigen, die Bitcoin schlecht machen, weil man damit an vielen herkömmlichen Orten nicht bezahlen kann, haben nicht verstanden, worum es geht. Es könnte sein, dass „Währung“ nicht gerade die beste Beschreibung für Bitcoin ist, besser wäre wohl „digitaler Vermögenswert“ oder „Token“.

Während manche Leute gerne darüber reden, dass sie eine „Killer-Anwendung“ für Bitcoin brauchen, die dessen Wert der Mainstream-Wirtschaft verdeutlicht, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass Bitcoin selbst diese Killer-App ist. Immerhin hat die Währung bereits einen Wert von $100 Milliarden aus dem Nichts geschaffen.

Allein die stetige Wertsteigerung – plus 3.000 % in den vergangenen fünf Jahren – ist ein Anzeichen dafür, dass das Interesse nicht nachlässt, deshalb sollten die Finanzmärkte nicht wegschauen. Und in Zeiten, wo führende Bezahlsysteme wie MasterCard ein Ende des Bargeldes fordern, bringt uns Bitcoin dieser Praxis näher. Für viele Menschen ist ihr gesamtes Geld sowieso bereits vollkommen digital, nur noch Zahlen auf einem Bildschirm. (In der erste Folge der Serie „Mr. Robot“ sagt Christian Slaters Figur etwas Ähnliches: „Geld ist nicht mehr real, seit wir uns vom Goldstandard verabschiedet haben. Es ist virtuell geworden. Software.“)

Bitcoin Preis 2017 bis zum 25. Oktober.

 

Ein sicherer Hafen in wirtschaftlich unruhigen Zeiten

Bitcoins offensichtlichster Verwendungszweck, dessen Stellenwert eindutig ist, ist das Senden von Geld über Grenzen mit minimalen Gebühren und minimalen Überweisungs-Verzögerungen. Bitcoin hat mehrfach Menschen in finanziellen Notsituationen gerettet. Während der Bankenkrise in Griechenland 2015 oder in Venezuela dieses Jahr nutzten normale Menschen Bitcoin, als ihre nationale Währung an Wert verlor. Deshalb geht Chinas Zentralbank gegen Bitcoin vor, um Kapitalabflüsse zu begrenzen und den Yuan zu stützen.

Bitcoins Anonymität kann in bestimmten Situationen von Vorteil sein, beispielsweise bei wohltätigen Spenden an Organisationen, die nicht von der Regierung unterstützt werden (denken Sie an WikiLeaks) oder als anonymer Investment-Support. Morgan Stanley CEO James Gorman betonte diesen Aspekt ganz besonders: „Das Konzept einer anonymen Währung ist ein sehr interessantes Konzept“, sagte er. „Interessant für den Schutz der Privatsphäre, den sie Menschen verschafft, interessant wegen dem, was es dem zentralen Bankensystem über dessen Kontrolle suggeriert.“

Und dann sind da noch Unternehmen, die Bitcoin für etwas sehr viel Bedeutenderes benutzen als grenzüberschreitende Zahlungen oder anonyme Onlinekäufe. Balaji Srinivasan von 21 Inc will eine „Maschinen-Ökonomie“ schaffen, in der Maschinen sich gegenseitig mit Zahlungsaufforderungen in Bitcoin anpingen können, und zwar jedes Mal, wenn eine Maschine eine bestimmte URL aufruft. Sie können sich die Möglichkeiten für Mikro-Zahlungen ausmalen – Sie müssen nicht mehr auf jeder Webseite Ihre Zahlungsinformationen eingeben oder für Onlineinhalte wie Nachrichten bezahlen.

Nicht jeder in der Finanzwelt ist schlecht auf Bitcoin zu sprechen. Fidelity verlinkt Kundenkonten mit den Coinbase Bitcoin Wallets und Fidelity CEO Abby Johnson sagt: „Ich bin ein Anhänger. Ich bin eine der wenigen von einem großen Finanzunternehmen, das die digitalen Währungen noch nicht abgeschrieben hat“. Goldman Sachs überlegt, ein Bitcoin-Handelsunternehmen zu starten. Selbst Larry Fink sagte, dass, wenn das Geld wirklich digital wird, „es keine Geldwäsche mehr gäbe“.

Ethereum und der Aufstieg von Altcoins

So wie Uber vielleicht nicht unbedingt der Sieger bei den Taxi Apps sein wird, nur weil es der erste Dienst war, könnte auch Bitcoin in ein paar Jahren nicht mehr die führende Kryptowährung sein (allerdings wird es das wahrscheinlich sein). Aber selbst wenn Bitcoin an Beliebtheit einbüßt – wenn es crasht und unten bleibt oder wenn die Bitcoin Blockchain einen schrecklichen Ausfall hätte –, dann ist trotzdem der dauerhafte, bleibende Einfluss klar.

Bitcoin hat eine Vielzahl weiterer Kryptowährungen oder „Altcoins“ auf den Weg gebracht, von denen viele mittlerweile ihre eigene Daseinsberechtigung haben. (Und aus diesem Grund lehnen manche Befürworter das Wort „Altcoin“ ab, da es impliziert, dass sie automatisch „weniger wert sind“ als Bitcoin.) Litecoin hat einen Marktkapitalwert von fast $3 Mrd. (2,55 Mrd. €), Dashcoin steht bei $2,2 Mrd. (1,87 Mrd. €) und Zcash steuert auf die $1 Mrd. (850 Mio. €) zu. Und das Zahlungsnetzwerk Ripple hat einen Wert von fast $8 Mrd. (6,8 Mrd. €)


1/ Wenn man alle #Kryptowährungen abseits von #bitcoin als “altcoins” oder “alts” bezeichnet, dann übersieht man das große Ganze.

Aber über all diesen steht – an zweiter Stelle hinter Bitcoin – Ether, die Währung der Etherum Blockchain. Deren Marktkapitalwert liegt bei fast $28 Mrd. (23,8 Mrd. €) – eine beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, dass Etherum erst 2015 anfing (indem der erste „Genesis Block” oder das erste Paket mit Transaktionen geschaffen wurde). Die Bedeutung von Etherum liegt nicht im Token, sondern in der Möglichkeit, Smart Contracts zu speichern – die Etherum Blockchain wurde vor allem für diesen Zweck geschaffen.

Der Glaube an das Potenzial der Etherum-Kette ist so stark, dass das typische ICO (initial coin offering), ein Modell für Krypto-Start-ups, Geld über den Verkauf von Token zu sammeln, mit Etherum erfolgt. Das Modell ist: Man kauft den Token eines neuen Start-ups für die spätere Nutzung in dessen System und zahlt in Ether (oder in Bitcoin, falls man dies wählt). Obwohl die Investition in ein ICO sehr risikoreich ist, hat das Modell dieses Jahr bisher bereits $1 Mrd. (850 Mio. €) gesammelt.

Dies ist nur eine der vielen weiteren Einflüsse von Bitcoin. Und die Kryptowährung wird so schnell nicht verschwinden, egal wie viele Titanen der Finanzbranche sie als Blase oder Schwindel bezeichnen.

Daniel Roberts