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VW will Autos über Satellit vernetzen – deutsches Raumfahrtkonsortium geplant

Seiwert, Martin Stölzel, Thomas
·Lesedauer: 3 Min.

VW will seine autonom fahrenden Autos künftig über Satellit mit dem Internet verbinden. Das kündigte Michael Jost, Strategiechef des VW-Konzerns jetzt an. Ziel sei es vor allem, die Konnektivität sicherzustellen.

 Foto: dpa
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Der Volkswagen-Konzern plant, autonom fahrende Autos künftig über Satellit mit dem Internet zu verbinden. Michael Jost, Strategiechef des VW-Konzerns, sagte der WirtschaftsWoche: „Konnektivität ist beim autonomen Fahren ein ganz entscheidender Punkt – und die Frage: Wie stelle ich Konnektivität überall sicher? Da ist der Satellit für die meisten Einsatzbereiche ein probates Mittel“. Auf „längere Sicht“, so Jost, „könnte der Satellit eine sehr elegante Lösung sein.“ In den nächsten Jahren werde Volkswagen „entscheiden, ob und was wir hier gemeinsam mit anderen tun“. Volkswagen ist der erste große Autohersteller, der Satelliten-Internet bei seinen Fahrzeugen einsetzen will.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche prüft Volkswagen eine Zusammenarbeit mit dem Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Gründer Elon Musk. Die SpaceX-Tochter Starlink hat bereits rund 1000 von insgesamt 4400 Satelliten in den Orbit gebracht und will darüber Satelliten-Internet anbieten. Erwogen wird bei Volkswagen aber auch die Beteiligung am Aufbau eines neuen europäischen Systems unter Beteiligung deutscher Raumfahrt-Start-ups.

Mehrere deutsche Start-ups wollen in den nächsten Wochen ein Konsortium starten, das schnellstmöglich eine privatwirtschaftliche Internetsatelliten-Konstellation bauen und ins Weltall schießen soll. Das bestätigten mehrere beteiligte Unternehmen gegenüber der WirtschaftsWoche. In dem Konsortium wollen neben dem Raketenbauer Isar Aerospace auch der bayerische Laserkommunikationsanbieter Mynaric sowie das Unternehmen eightyLEO, das sich Zugriff auf die notwendigen Funkfrequenzen der Internationalen Telekommunikationsunion ITU gesichert hat, engagieren. Die Unternehmen des angehenden Konsortiums wollen für ihr Vorhaben Volkswagen als Ankerkunden gewinnen. VW-Chef Herbert Diess war kurz vor Weihnachten zu Besuch bei Isar Aerospace in Ottobrunn bei München, um sich einen ersten Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen. Das bestätigten Volkswagen und Isar Aerospace.

„Wir müssen das 5G-Netz dort hinbringen, wo keine Funkmasten stehen“, sagte Matthias Spott, Chef des New-Space-Start-ups eightyLEO, der WirtschaftsWoche. Das Unternehmen hat bereits seit 2019 zwei rudimentäre Test-Satelliten im Orbit. Den Kunden wolle er ein Leistungsversprechen von 100 Mbit geben. Die Satelliten-Konstellation könne schon im Jahr 2025 volle Leistungsfähigkeit erreichen, wenn alles gut geht.

Ein wichtiger Treiber der privatwirtschaftlichen Initiative ist Bulent Altan, Chef von Mynaric. Bis 2017 war er als Vice President Satellite Mission Assurance bei SpaceX für Entwicklung und Bau der Satelliteninternet-Konstellation Starlink von SpaceX verantwortlich. Mynaric kann Laserterminals beisteuern, die große Datenmengen von Satellit zu Satellit schicken können.

Die Technik für den Empfang im Auto könnte vom Start-up Alcan Systems in Darmstadt kommen, heißt es aus dem angehenden Konsortium. Alcan hat Satellitenantennen entwickelt, die sich in Dach oder Kofferraumklappe des Autos integrieren lassen.

Mehr zum Thema: VW und Co. versuchen hektisch, eigene Betriebssysteme zu entwickeln. Denn die Silicon-Valley-Giganten sind schon deutlich weiter – und drohen bald auch die deutsche Autoindustrie zu beherrschen.