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Verbraucherschützer wettern gegen „Wertefonds“ von Crash-Propheten

Der „Wertefonds“ soll Anlegern Schutz vor einem Zusammenbruch der Finanzmärkte bieten. Doch die Stiftung Warentest nimmt das Konzept auseinander.

Sie zählen zu den bekanntesten Crash-Propheten in Deutschland: Marc Friedrich und Matthias Weik. Mit ihren Prognosen katapultierten sich die beiden Autoren auf die Bestsellerlisten und in die Medien. Ihre Botschaft: Das Finanzsystem werde bald untergehen. Anhängern ihrer These bieten sie nicht nur Vorträge und Bücher wie „Der größte Crash aller Zeiten“ an, die einen massiven Zusammenbruch der Finanzwelt spätestens 2023 vorhersagen.

Sie vermarkten als Ideengeber auch gleichzeitig ein passendes Finanzprodukt: Den „Friedrich & Weik Wertefonds R.“, der Anlegern „reale Vermögenssicherung in Zeiten überbordender Schulden und historischen Niedrigzinsen“ verspricht. Doch das Produkt, das sie im Tagesgeschäft allerdings nicht selbst managen, erntet bei Anlegerschützern nun vor allem eines: Kopfschütteln.

Die Finanzexperten der Stiftung Warentest überzeugt das Konzept jedenfalls überhaupt nicht. Ihre Auseinandersetzung mit dem Fonds, der aus den Anlageklassen Gold, Minenaktien, Sachwerte, Aktien und Barvermögen besteht, gleicht einer Abrechnung. Das harsche Urteil: Der Fonds sei ethisch fragwürdig, habe hohe Kosten, eigenwillige Gebühren und liefere eine bisher unterdurchschnittliche Wertentwicklung.

Das klingt in der Eigenwerbung des Fonds noch ganz anders. Der Wertefonds sei „einzigartig, werterhaltend, breit gestreut, frei handelbar, vollkommen transparent, ehrlich“ und habe „faire Kosten“. Mit aufgelegt wurde der „Wertefonds“ von der Solit Gruppe in Wiesbaden, die den Fonds auch initiiert hat. Das Wiesbadener Unternehmen wies die Kritik der Stiftung jedoch zurück. "Gezielt ist von der Spekulation auf sich noch weiter aufblähende Investment-Blasen an den weltweiten Aktien- & Anleihemärkten verzichtet worden", sagte ein Sprecher. Die laufenden Kosten lägen gemessen an der sehr breitgefächerten Anlagestrategie des aktiven Fondsmandats im Marktvergleich zudem eher im unteren Bereich.

Die Stiftung Warentest sieht das allerdings deutlich skeptischer und nimmt die Versprechen des Fonds in ihrer jüngsten Ausgabe auseinander. So sei der „Wertefonds“ im Januar 2017 aufgelegt worden und habe bis Anfang Januar 2020 – also innerhalb von drei Jahren – lediglich 4,4 Prozent Rendite erzielt.

Zum Vergleich: In diesem Zeitraum stieg der globale Aktienmarkt – in Euro gerechnet – um 38 Prozent und der Goldpreis um fast 29 Prozent. Auch die Kosten sind den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Der Wertefonds sei mit Kosten von 1,94 Prozent pro Jahr auch für einen aktiv gemanagten Fonds „relativ teuer“. Zusätzlich würde eine eigenwillige Erfolgsgebühr aufgerufen: Liegt die Wertentwicklung über dem harmonisierten Verbraucherpreisindex plus drei Prozentpunkte pro Jahr, kassiert der Fonds von dem Überschuss 7,5 Prozent für die Gebühr.

Auch bei dem Thema Nachhaltigkeit lassen die Finanzexperten der Stiftung kein gutes Haar am „Wertefonds“. Es sei für sie rätselhaft, wie die „für den Fonds propagierte Idee von Moral, Anstand und Ethik“ zur Anlage in Goldminen-Konzernen oder Diamanten passen“ würden.

Auch der Besitz von Goldbarren und -münzen sei ethisch-ökologisch zumindest problematisch, monieren die Verbraucherschützer. Ihr vergleichsweise negatives Fazit für Anleger: Ein Crash an den Finanzmärkten sei zwar immer möglich und die Investition in Sachwerte an sich eine gute Idee.

Allerdings wären Anleger besser beraten, wenn sie mit breit streuenden Aktien-ETF kostengünstig auf Sachwerte setzen und zusätzlich bis zu zehn Prozent Gold in das Depot aufnehmen würden.

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