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Verbraucher zahlen Einkäufe in Coronakrise vermehrt per Karte

Vor allem die Volksbanken registrieren einen Anstieg der Transaktionen mit der Girocard. Auch das Smartphone wird als Zahlungsmittel beliebter.

Manche Geschäfte bitten Kunden in der Coronakrise, per Karte zu bezahlen – und möglichst kontaktlos. Foto: dpa

Die Bitten der Einzelhändler sind derzeit eindringlich: Sie fordern ihre Kunden dazu auf, möglichst kontaktlose Zahlungsmethoden zu verwenden. „Kartenzahlung oder Payback Pay“, wünscht sich etwa der Bio-Supermarkt Alnatura. Tatsächlich scheinen etliche Verbraucher solchen Bitten nachzukommen. So stellen die Volksbanken und auch die Sparkassen bereits einen Anstieg der Transaktionen per Girocard, also EC-Karte, fest.

Angesichts der zunehmenden Verbreitung des Coronavirus möchten die Händler ihre Mitarbeiter schützen, aber auch die Kunden wollen lieber Distanz wahren. Und sie möchten möglichst wenig Bargeld in die Hand nehmen – in der Annahme, dass sie sich über Scheine und Münzen mit dem Coronavirus infizieren könnten. Dieser Sorge war allerdings Bundesbank-Vorstand Johannes Beerman bereits am Dienstag entgegengetreten: Von Scheinen und Münzen gehe kein besonderes Ansteckungsrisiko aus, sagte er.

Den bargeldlosen Bezahlmethoden verleiht die aktuelle Situation dennoch einen Aufschwung. Und davon profitieren die Banken, denn bei Kartenzahlungen streichen sie eine Gebühr von den Händlern ein. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) erklärte mit Blick auf die vergangenen sieben Tag, man sehe mehr Girocard-Transaktionen. Genaue Zahlen konnte er aber nicht nennen. Ein BVR-Sprecher betonte, dass die Systeme stabil liefen und auch noch deutlich mehr Transaktionen verarbeiten könnten.

Die Sparkassen, die Marktführer in Deutschland sind, verwiesen auf eine bereits zuvor gestiegene Nutzung der Girocard. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Helmut Schleweis, sagte über die Menge der bargeldlosen Transaktionen: „Wir sehen generell starke Zahlen.“ Und auch die Onlinebank Comdirect, die zur Commerzbank gehört, stellt für März ein Plus bei Kartenzahlungen fest.

Die Sparkassen würden ihren Kunden empfehlen, möglichst kontaktlos zu bezahlen, so Schleweis. Dabei muss man die Giro- oder Kreditkarte dicht an das Kartenterminal der Ladenkasse heranhalten, das Einstecken entfällt. Bei Einkäufen bis zu 25 Euro ist auch die PIN-Eingabe auf dem Kartenterminal nicht nötig.

Kontaktlose Zahlungen werden beliebter

Dieses kontaktlose Bezahlen gewinnt nun weiter an Beliebtheit. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) beispielsweise registriert, dass „die Dynamik des Zuwachses beim kontaktlosen Bezahlen in den letzten Wochen nochmal zugenommen“ habe. Den deutschen Banken zufolge waren zuletzt 75 Millionen der gut 100 Millionen Girocards mit der Kontaktlosfunktion ausgestattet. Der Handel ermögliche das schnelle Bezahlen an fast 755.000 Terminals. Dass die Karte die Funktion unterstützt, ist an einem kleinen Wellensymbol zu erkennen.

Angesichts der Coronakrise wäre es vorteilhaft, wenn die Betragsgrenze für PIN-freie Transaktionen angehoben würde. Doch das ist nicht so einfach: Die Deutsche Kreditwirtschaft, die gemeinsame Interessenvertretung der deutschen Bankenverbände, verweist dazu auf die Vorgaben der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 zur sogenannten starken Kundenauthentifizierung. So müssen sich Verbraucher erneut per PIN-Eingabe legitimieren, wenn sie bei vorherigen Einkäufen für insgesamt 150 Euro ohne PIN-Eingabe gezahlt haben.

Ohne Berührungen mit dem Smartphone bezahlen

Ganz ohne PIN-Eingabe auf dem Kartenterminal an der Ladenkasse kommt das Bezahlen per Smartphone aus. Das Bonusprogramm Payback beschreibt die Nutzung seines Smartphone-Bezahlsystems Payback Pay aktuell als „sehr, sehr hoch – auf Weihnachtsniveau“. Dabei öffnen die Nutzer an der Ladenkasse ihre Smartphone-App, erhalten einen QR-Code und scannen diesen an der Kasse ein – ohne dass der Kassierer das Gerät in die Hand nehmen muss oder sie eine PIN am Kassenterminal eingeben müssen.

Auch bei den Neuanmeldungen zu Payback Pay verzeichnet das Unternehmen nach eigenen Angaben einen nicht näher bezifferten Anstieg. Zu welchem Teil sich allein die „Hamsterkäufe“ vieler Verbraucher auf die gestiegene Nutzung auswirken, sei noch nicht ausgewertet worden. Insgesamt spricht das Unternehmen von „mehreren Hunderttausend Payback-Pay-Nutzern“.

Deutlich mehr Nutzer dürften die Bezahldienste von Apple und Google, Apple Pay und Google Pay, haben. Sie sind bei einigen deutschen Banken seit Juni beziehungsweise Dezember 2018 verfügbar. Transaktions- oder Nutzerzahlen wollen beide Tech-Konzerne nicht nennen. Aber die HVB sieht bei Apple Pay in den letzten Tagen einen weiteren Zuwachs. Auch Comdirect merkt, dass die Zahlungen über Google Pay und Apple Pay zunehmen.

Die deutschen Sparkassen wiederum zeigen sich mit der Nutzung von Apple Pay sehr zufrieden. Joachim Schmalzl, Vorstand beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sagte, man sehe eine „sehr hohe Nachfrage“. Die Sparkassen bieten Apple Pay seit vergangenem Oktober an. Bisher können Kunden bei Apple Pay nur eine Karte der Kreditkartenfirmen Mastercard und Visa hinterlegen, nicht aber die in Deutschland viel beliebtere Girocard.

Die Sparkassen arbeiten Schmalzl zufolge mit Hochdruck daran, dass ihre Kunden auch die Girocard bei Apple Pay hinterlegen können. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das dieses Jahr noch hinbekommen“, so der DSGV-Vorstand.

Die Genossenschaftsbanken dagegen haben mit Apple Pay noch nicht losgelegt und nennen auch noch keinen Starttermin. Man wolle aber bald starten, so der BVR. Die Volks- und Raiffeisenbanken hatten eigentlich auch 2019 noch Apple Pay anbieten wollen, hatten aber Anfang Dezember erklärt, dass sich der Start auf 2020 verschiebt.